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Oberndorf a. N. Orgelklänge wie in der Jugendzeit

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Rudolf Schäfer an der Ahldorfer Orgel: Mit musikalischem Sachverstand verfolgt Barbara Hutter das Spiel auf dem Kircheninstrument von Franz Xaver Engelfried, dem Bruder des Bochinger Orgelbauers Franz Anton Engelfried. Foto: Holzer-Rohrer Foto: Schwarzwälder Bote

Sehr hilf-und aufschlussreich erwies sich die Orgelfahrt mit Kirchenmusikdirektor Rudolf Schäfer hinsichtlich der anstehenden Entscheidungsfindung.

Oberndorf-Bochingen. Überrascht zeigte sich der bischöfliche Orgelsachverständige über das Interesse an der Fahrt nach Horb-Mühringen und Horb-Ahldorf, wo sein Spiel auf den beiden ausgewählten Orgeln einen Vorgeschmack darauf gab, zu welchem Klangvolumen, zu welcher Intonationsvariabilität die Orgel in der Bochinger Sankt-Mauritius-Kirche zurückgeführt werden könnte.

Mit dabei waren auch die beiden in der Seelsorgeeinheit Oberndorf tätigen Organisten Barbara Hutter und Michael Gundel sowie Martin Karsten, der als Chorleiter und Organist in Bochingen so viele Jahre tätig war und den Platz an der Orgel immer wieder einnimmt, wenn nicht alle Organistendienste besetzt werden können. So konnte man sich im Austausch auf fundiertes musikalisches Fachverständnis beziehen.

Berthold Brandecker hatte die Verantwortung für das Orgelprojekt übernommen und durch viele Jahre hindurch betreut. "Wir stehen jetzt da, wo wir schon vor vielen Jahren gestanden haben", so Brandecker, der zusammenfasste und aufklärte, weshalb man in mehreren Richtungen unterwegs war, ohne sich bislang aber zu einer Entscheidung durchringen zu können. Doch wenn jetzt ein langer Prozess sein Ende finden sollte mit der Rückführung der Orgel auf die bauzeitliche Disposition und Technik, dann wird deutlich, dass es wertvolle Jahre waren, die den Boden bereiteten für einen tragfähigen Beschluss.

Rudolf Schäfer, dem als Orgelsachverständiger die Betreuung aller Aufgaben in Sachen Orgelbau und der Orgelpflege zufallen und dem auch die Beratungs- und Vermittlerposition zukommt, ging kurz auf die Geschichte der Bochinger Orgel ein. Dann umriss er den Ist-Zustand, der – auch infolge der Kündigung des Wartungsvertrages – sich sehr mangelhaft darstellt.

In Anlehnung an das jüngste Gutachten vom 22. Juni 2018, erstellt von Gilbert Paul Scharfe, favorisiert Schäfer ebenfalls die Orientierung am Urzustand der Engelfried-Orgel. Dies sei kein Mangel, sondern eine Chance, die eine sehr schöne, passende und vor allem zeitlose Richtung vorgebe. Nicht zuletzt wirke sich die Mechanisierung der Orgel auf deren Dauerhaftigkeit und somit positiv auf die Werthaltigkeit des Instruments aus. In seinem Gutachten verweist der Restaurator im Orgelbauhandwerk auf die denkmalgeschützten Teile (Gehäuse, Windladen, Holzpfeifenwerk), die als sogenannter Altbestand in eine zukunftsfähige Konzeption Eingang finden müssen.

Dem Erhalt der Orgel in der jetzigen Form bescheinigt er eine aufwendige Sanierungsarbeit, die in keiner Relation stehe zum erwarteten Erfolg und zum finanziellen Aufwand. Beim Neubau einer Orgel wäre man in der Konzeption nicht frei, da die erhaltenswerten Teile mühevoll integriert werden müssten, was zu erheblichen Kompromissen führen würde. Der komplette Verkauf des Instruments verbiete sich allein schon wegen des Ensembleschutzes.

Rudolf Schäfer hatte für die Bochinger Orgel die ursprüngliche Disposition von 1850 und diejenige nach dem Umbau von 1959 aufgelistet und mit einer möglichen Variante im Zuge der Rückführung ergänzt. Zum direkten Vergleich führte er die Disposition der Mühringer Orgel (St. Gallus) von 1870 auf und ebenso die Disposition der Ahldorfer Orgel (St. Konrad) von 1855. Um eine fundierte Vergleichbarkeit zu erreichen, spielte Rudolf Schäfer in den drei Kirchen dasselbe Programm, ausgewogene Orgelliteratur quer durch die Jahrhunderte – von Johann Sebastian Bach bis zu Malcom Archer. Obwohl renovierungsbedürftig, wurde doch schon in Mühringen deutlich, welches Potenzial vorhanden ist, wenn man das Funktionsfähige bedient. "So hat die Bochinger Orgel auch einmal geklungen, doch das ist lange her", meinte Barbara Hutter ganz spontan. Und als die in gutem Zustand befindliche Ahldorfer Orgel den Kirchenraum beschallte, erinnerten sich die älteren Semester an den Wohlklang der Bochinger Orgel in deren Jugendzeit.

Barbara Hutter und Michael Gundel zeigten sich – im Rahmen der anschließenden kleinen Diskussionsrunde – von fachmännischer Seite begeistert ob der Möglichkeit des Rückbaus auf die Basis des Originals. Bereitwillig stellte sich der Orgelsachverständige Schäfer den Fragen. Im Tenor war festzustellen, dass man die Zeit für überreif hält, einen Knopf an das Orgelprojekt zu machen, wobei die Orgelfahrt als äußerst bereichernde Erfahrung auf dem Weg der finalen Entscheidung einzuordnen ist.

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