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Oberndorf a. N. "Offenbar keine vereinzelten Nörgler"

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Beim "1. Oberndorfer Tag der Baukultur" gab es einige Fragen aus den Reihen der Bürger zu beantworten. Foto: Schnekenburger Foto: Schwarzwälder Bote

Die Initiative, die den "1. Oberndorfer Tag der Baukultur" organisiert hat, zieht ein durchweg positives Resümee und arbeitet bereits an den nächsten Aktivitäten.

Oberndorf (cel). In einer Stellungnahme fassen die Initiatoren die wesentliche Erkenntnisse des Abends zusammen: "Politische Parolen und bloße Behauptungen im Vorfeld wurden durch die Referenten mit Fachkompetenz und Fakten auf beeindruckende und emotionsfreie Weise widerlegt. Damit ist ein erstes Ziel erreicht."

Im Vorfeld und während des Abends hatte die Initiative eine Umfrage angestoßen. "92 Prozent der Bürger, die sich beteiligt hatten, sind mit der baulichen Entwicklung Oberndorfs unzufrieden" wurde nun erklärt.

Der Baiersbronner Tourismusdirektor Patrick Schreib – eine der Referenten – hatte als Grundlage jeder Stadtentwicklung gefordert, dass die Bürger zuerst wissen müssen, wofür ihr Ort steht und wohin er möchte. Das in Oberndorf fehlende städtebauliche Leitbild könne deshalb – so die Initiative – weder durch Stadtverwaltung und Gemeinderat noch durch Architekten einfach "von oben verordnet" werden. Es sei ein gemeinschaftlicher Prozess. Diesen gelte es anzustoßen. Die Anwesenheit von Stadträten und Stadtverwaltung betrachte man als gutes Zeichen.

Zwei Besucher kritisierten in der Umfrage, dass die Veranstaltung "zu wenig kontrovers und viel zu harmonisch" verlaufen sei. "Dass viele Bürger wütend sind, ist zwar nachvollziehbar, hilft aber nicht weiter", erklärt Andi Schmider – eine Mitinitiatorin des Abends. Man wolle aus Gegnern keine Feinde sondern Förderer machen, langfristig überzeugen und möglichst viele ins gemeinsame Boot holen.

Mehr als ein Dutzend weitere Oberndorfer wollten seit der ersten Veranstaltung die Baukultur-Initiative tatkräftig unterstützen, darunter auch Vertreter mehrerer Gemeinderatsfraktionen, heißt es weiter in der Stellungnahme. Dies sei überaus positiv und man heiße jeden willkommen. In der aktiven Arbeit wolle man aber ganz bewusst weiterhin parteipolitisch unabhängig bleiben.

In der Umfrage wurde von Besuchern zudem bemängelt, dass Gemeinderat und Verwaltung Bürgerbeteiligung geradezu ausschlössen. Darauf die Initiative: "Wir brauchen niemandes Erlaubnis, uns als Bürger zu beteiligen. Wir tun es einfach." Ihre zentrale Erkenntnis fasste die Initiative so zusammen: "Wir sind mit unserem Anliegen offenbar doch keine vereinzelten ›Nörgler‹, die sich dem angeblichen Mehrheitswillen widersetzen." Selbstbewusst fügen die Initiatoren an: "Seit dem Baukultur-Tag ahnen wir, dass es womöglich genau andersherum sein könnte."

Oberndorf. Die sogenannte "Leipzig-Charta" zur nachhaltigen europäischen Stadt (entstanden im Mai 2007 im Rahmen eines informellen EU-Bauministertreffens in Leipzig) stellt als eines ihrer Kernpostulate fest: "Die Stadt muss schön sein. Gerade auch unter dem Aspekt des zunehmenden Standortwettbewerbs zwischen Städten werden baukulturelle Aspekte der Stadtentwicklung immer wichtiger. Baukultur ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Baukultur gibt Impulse für Wachstum – in Zeiten, in denen es überall alles gibt, werden bauliche Qualitäten zu strukturpolitischen Instrumenten."

In diesem Sinne ermuntert die Architektenkammer seit vielen Jahren Kommunen, einen Gestaltungsbeirat zu berufen.

Was bewirken Gestaltungsbeiräte? Im gesamten Baubehörden- und Stadtplanungswesen sind die Gestaltungsbeiräte zwar nur ein kleines Rad, aber wichtiger Vermittler zwischen verschiedenen Interessengruppen. Ihre in der Regel öffentlichen Sitzungen dienen nicht nur der Planungsbegutachtung, sondern bieten auch den Rahmen, um auf neutralem Boden Anliegen und Rechte von privaten Bauherren den öffentlichen Interessen der Stadt gegenüberzustellen. Externe Beiräte stehen somit im Mittelpunkt der Interessen der verschiedenen Akteure aus Architektenschaft, Bauherrschaft, Politik und Verwaltung. Zusammengefasst: Gestaltungsbeiräte beraten Kommunen fachlich unabhängig, fordern beziehungsweise stimulieren die Qualität von Projekten im Hinblick auf ihre Angemessenheit im jeweiligen baulichen und landschaftlichen Kontext und unterstützen argumentativ die Realisierbarkeit von Projekten. Damit dienen die Empfehlungen eines Gestaltungsbeirats sowohl den Kommunen als auch den Bauherren und ihren Architekten. Und mit ihrem Transport über die Medien tragen sie zu einem besseren Architekturverständnis in der Bevölkerung bei. Um die Arbeitsweise und auch den Mehrwert eines Gestaltungsbeirats kennenzulernen, können Kommunen, aber auch andere Institutionen bei Bedarf einen Gestaltungsbeirat bei der Architektenkammer "leihen". Auch dieser "mobile Gestaltungsbeirat" hat das Ziel, die vorhandenen Qualitäten der Städte- und Ortsbilder in Baden-Württemberg zu sichern sowie funktionale und gestalterische Qualität in Städtebau, Architektur und Freiraum zu fördern.  Carmen Mundorff ist Geschäftsführerin für den Bereich Architektur und Medien bei der Architektenkammer Baden-Württemberg.

Ihre Redaktion vor Ort Oberndorf

Marcella Danner

Fax: 07423 78-373

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