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Oberndorf a. N. O jerom, o jerom, dia Stadt hot a Loch

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Foto: Schwarzwälder Bote

Jetzt haben wir den Salat. Fast vier Millionen Euro an Eigenmitteln hat die Stadt Oberndorf im Baugrund des Brauerei-Areals versenkt. Und auch die erheblichen Fördermittel des Landes, die noch obendrauf kommen, stammen unterm Strich natürlich vom Steuerzahler. Es bezahlt also immer der Bürger – so, oder so. Das Geld hätte man in Oberndorf weiß Gott gut anderweitig gebrauchen können. Für 2020 steht eine Schuldenaufnahme in Höhe von rund 8,6 Millionen Euro im Haushaltsplan. Investitionen in Schulen und Kindergärten, Sanierung kaputter Straßen – die Liste der Pflichtaufgaben ist lang.

Stattdessen setzten Verwaltungsspitze und Gemeinderat auf einen Investor, der sich nun vom Acker gemacht hat. Zurück bleibt eine riesengroße Baulücke. Im Ohr klingen bereits die Schantle, die jetzt singen können: "O jerom, o jerom, dia Stadt hot a Loch."

"Alternativlos" nannte Bürgermeister Hermann Acker immer wieder den Abbruch der ehemaligen Brauerei und die Hangsanierung. Eine Vokabel, die er oft und gerne im Mund führt. Aber macht es die permanente Wiederholung wirklich wahrer? Mussten tatsächlich alle Gebäude abgerissen werden? Die Abfüllerei erwies sich als sehr widerstandsfähig gegen den Abbruchbagger. Die Bausubstanz war also sehr gut. Es gab Oberndorfer, die hatten ein Konzept zu deren Nutzung. In die Öffentlichkeit kam es nie. Bereits im Vorfeld war ihnen aus dem Rathaus wohl signalisiert worden, dass das nicht gewollt sei.

Das große Gebäude war ein Teil der Hangsicherung, die nach dessen Abriss für viel Geld aufwendig erneuert werden musste. Um dem Investor das Gelände passgerecht zu übergeben, wurde sogar noch ein Stück weiter in den Hang hineingegraben.

Die Mehrkosten, von 200 000 Euro war zu hören, hätten eigentlich in einer Kostenübernahme an den vermeintlichen Bauherren abgetreten werden sollen. Doch diese Vereinbarung wurde vom Investor wohl ebenso wenig unterschrieben wie der Kaufvertrag fürs Grundstück.

"Die Stadt hat nichts falsch gemacht", sagt der Bürgermeister. Richtig hat sie es aber offenbar auch nicht gemacht, sonst säße sie jetzt nicht auf einem baureifen Grundstück, dessen künftige Nutzung in den Sternen steht.

Einige Oberndorfer haben bereits Ideen: eine riesige Event-Location für den nächsten Narrentag in Oberndorf 2023 mit direkter Anbindung zum Neckar, damit das Narrenschiff dort anlegen kann. Ein Kletterparcours wäre vielleicht auch eine Möglichkeit. Oder wieder eine kleine Brauerei, sagen die Freunde des Gerstensafts.

Doch Spaß beiseite. Zum Lachen ist das Desaster wirklich nicht. Ohne Not wurde das Gesicht der Stadt nachhaltig gravierend verändert. Nun soll sogar der Sudturm – ein ortsbildprägendes und identitätsstiftendes Gebäude – erneut zur Disposition stehen.

Die Oberndorfer wünschen sich von Seiten der Verwaltung einen kreativeren Umgang mit der Stadtentwicklung. Einfach alles aus der Hand zu geben und dann jahrelang zuzuschauen, wie sich nichts bewegt, ist keine Lösung.

Jetzt ist das Kind in den sprichwörtlichen (Bier)-Brunnen gefallen. Es bleibt abzuwarten, wie lange wir noch auf diese tiefe Wunde im Antlitz der Stadt Oberndorf blicken müssen.

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