Damit auch die muslimischen Mädchen aus der Klasse 6b mit ins Landschulheim können, gehen Lehrer neue Wege. Foto: dpa

Ohne Betreuung dürften Sechstklässlerinnen nicht mitfahren. Lehrer geben nach. Kontakte zu Jungen ein Problem.

Oberndorf - Am Montag startet die 6 b des Gymnasiums ins Landschulheim. Außer zwei Lehrern geht auch noch eine muslimische Mutter mit, um drei Schülerinnen mit gleichem Glauben zu betreuen. Nicht alle können sich mit dieser Lösung anfreunden.

20 Kinder gehen insgesamt in die 6b, drei davon sind Muslime, zwei von ihnen tragen auch im Unterricht Kopftuch. Ohne eine muslimische Betreuung hätten die Mädchen nicht ins Landschulheim dürfen, erläutert die Klassenlehrerin. "Es ist eine Chance für die drei Mädchen, die sehr gut in der Gemeinschaft integriert sind", sagt sie.

Bereits vor den Sommerferien seien Gespräche geführt worden, ob eine muslimische Mutter am Landschulheimaufenthalt teilnehmen könne, so Schulleiter Ulrich Dörr. "Die Entscheidung über diese Distanzbegleitung lag bei den Klassenlehrern." Die Mütter der drei Schülerinnen hätten in einem "sehr offenen Gespräch ihre Sorgen zum Ausdruck gebracht", erläutert Dörr weiter. Es ginge um den Kontakt zu Jungen, um Erziehungsfragen, aber auch um "Heimweh", sagt Dörr.

Die Klassenlehrerin bestätigt, es sei durchaus üblich, dass muslimische Mütter zu ihren Töchtern ein sehr inniges Verhältnis hätten. Sprich: Fünf Tage in Ortenberg ohne Mutter wären für eine Elf- beziehungsweise Zwölfjährige eine zu lange Zeit. Darüber hinaus gebe es keine Regel, wieviel Begleitpersonen für einen Landschulheim-Aufenthalt eingeplant werden.

Ganz so selbstverständlich ist diese Konstellation nicht für alle Beteiligten: Ein Vater, der einen Sohn in der 6b hat, empfindet diese Sonderregelung als "Misstrauen gegenüber den Mitschülern". Und eine andere Mutter, die auch Kinder an dieser Schule hat, nennt das Vorgehen schlicht und einfach "Erpressung". Die begleitende Mutter trage die Kosten übrigens selbst, wohne direkt bei den Schülern im Landschulheim, so die Klassenlehrerin, die das "positive Verhältnis" zu den muslimischen Eltern lobt. An Haupt- und Realschulen habe es diese Konstellation im übrigen schon gegeben, sagt sie. "Bei uns am Gymnasium ist sie nicht ganz üblich", räumt Dörr ein.

Die Elternvertreterin der 6b wollte sich unserer Zeitung gegenüber, mit dem Hinweis auf Schulinternas, nicht äußern.

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