Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Oberndorf a. N. Mit der weißen Fahne Stadt übergeben

Von

Für die Stadt Sulz endete der Zweite Weltkrieg am 19. April 1945. Dem Lazarettarzt Georg Kohler hat es die Bevölkerung zu verdanken, dass es beim Einmarsch der Franzosen zu keinen größeren Kriegshandlungen und Zerstörungen mehr kam.

Sulz. Es hätte auch anders – schlimmer – kommen können. Einiges deutet darauf hin, dass Sulz verteidigt werden sollte. Das geht aus den Erinnerungen des früheren Bezirkskaminfegermeisters Wilhelm Haas hervor. Er berichtet, dass schon im Winter 1944/45 Laufgräben und Schützenlöcher an den Straßen und Wegen rund um Sulz angelegt worden waren. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter mussten im Neckartal außerdem Panzersperren errichten, um das ganze Tal abzuriegeln. Diese Gräben seien vier Meter breit und drei Meter tief gewesen.

Es hat Haas zufolge einige beherzte Sulzer gegeben, die eine Verteidigung der Stadt für unsinnig hielten. So zerstörten sie an der Glatter Straße, Oberndorfer Straße und an der Langensteige die Panzersperren. Sie sägten die anderthalb Meter tief in den Boden eingegrabenen, dicken Baumstämme ab.

Unsinnige Sprengung

Sowohl Haas als auch Rektor Karl Tausch berichten über die Zerstörung der Löwenbrücke. Die Heeresleitung hatte angeordnet, dass alle Brücken gesprengt werden sollen. Bereits Anfang April 1945 wurden vier Fliegerbomben auf die obere Neckarbrücke gelegt. Dass sie gezündet wurden, wollte Kohler, Leiter des Reservelazaretts im Krankenhaus und im Kurhotel Pfisterwald, verhindern. Er ließ die Bomben von einem Pionier, der sich im Krankenhaus aufhielt, entschärfen und von einigen anderen Soldaten auf einen Lastwagen der Buntweberei aufladen. Die gefährliche Fracht versteckten sie in einem Luftschutzgraben am Weilerhaus. Laut Tausch haben jedoch Nachbarn an der Brücke die Aktion verraten. Ein Anwohner des Weilerhauses kannte das Versteck. Die Fliegerbomben wurden wieder geholt und erneut auf der Löwenbrücke platziert. Diesmal wurden sie aber bewacht. Ein Pionierleutnant hatte den Auftrag, bei Annäherung des Feindes die Bomben zu zünden.

Kohler musste damit rechnen, umgebracht zu werden. Dennoch machte er einen weiteren Versuch, die Sprengung zu verhindern. Sein Argument: Sulz habe zwei Lazarette, zu denen er über die Brücke gehen müsse. Der Leutnant ließ sich zwar überzeugen, nicht aber der Oberst, der drohte, Kohler erschießen zu lassen, sollte er sich nochmals einmischen. Noch am Abend des 17. April ließ der Leutnant die Fliegerbomben hochgehen.

Die Brücke wurde erheblich beschädigt. Durch die unsachgemäße Sprengung wurden aber auch viele Dächer in der Nachbarschaft abgedeckt und Fenster zertrümmert.

Der 19. April war ein schöner Frühlingstag. Vom Gähnenden Stein aus konnte nachmittags beobachtet werden, wie die Panzerkolonne aus Richtung Glatt heranrückten. Viele Sulzer hatten das gar nicht mitbekommen. Ein Großteil der Bevölkerung hatte sich im Stollen unter dem Gähnenden Stein versteckt – dies schon seit Tagen aus Angst vor den näher rückenden Alliierten und vor Luftangriffen, die Ende des Zweiten Weltkriegs immer häufiger geworden waren. Wilhelm Haas schildert, dass in den letzten Wochen vor dem Einmarsch der Franzosen Jagdflieger die Stadt mit ihren Bordwaffen beschossen. Hauptsächlich hätten sie es auf die Eisenbahn abgesehen.

SS will Widerstand leisten

Die SS in der Stadt hatte vor, Widerstand zu leisten. Der Kommandierende wollte von Kohler wissen, wo er den Einmarsch der Franzosen am besten beobachten könne. Kohler schickte ihn auf den Gähnenden Stein. Er selber ging mit einer weißen Fahne, begleitet von zwei französischen Soldaten aus dem Lazarett, den Panzern entgegen und übergab die Stadt mit der Bitte um Schutz der Lazarette und Schonung der Einwohnerschaft. Sulz sei nicht besetzt.

Infanterie rückt an

Der Einmarsch der Franzosen erfolgte um 15 Uhr. Gegen Abend kam es doch noch zu einem Gefecht. Deutsche Infanterie rückte von Holzhausen her in Richtung Stadt vor. Auf beiden Seiten gab es Verwundete und Tote, in der Stadt wurde trotz des Beschusses jedoch niemand verletzt.

Ein französischer Panzer wurde auf der Vöhringer Steige abgeschossen. Deutsche Artillerie feuerte aus Richtung Wittershausen auf die Stadt. Dabei zerstörte eine Granate ein Gebäude neben dem Krankenhaus.

Zu den Opfern gehörten am Tag des Einmarsches ein Mann, der sich im Gartenhaus versteckt hatte und von einem Franzosen getötet wurde. Eine Frau erlitt einen Bauchschuss, wurde aber von einem französischen Offizier noch rechtzeitig ins Krankenhaus gebracht. Dort wurde die Schwerverletzte operiert und geheilt.

Die Einwohner durften nach dem Einmarsch wieder in ihre Häuser zurückkehren, es wurde jedoch eine Ausgehsperre verhängt. Tausch berichtet auch von einigen Vergewaltigungen. Ein französischer Offizier habe dabei einen Soldaten erwischt und erschossen. Die nationalsozialistischen Führer, so Tausch, seien beim Anrücken der Franzosen ins Allgäu geflüchtet. Ein Glücksfall für die Bevölkerung war, dass sich in Sulz ein Lebensmitteldepot der Heeresleitung im Amtsgericht und in einem Haus in der Vorstadt befand. Es ist am Tag vor dem Einmarsch geöffnet worden, um die Lebensmittel zu verteilen. Mancher konnte sich so einen Vorrat anlegen.

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.