Intensiv beobachten die Polizeibeamten die auffällige Zahl der Drogenfahrten. Während es 2014 gerade mal einen Fall gab, wurden im Jahr 2015 15 Verkehrsteilnehmer unter Drogeneinfluss erwischt. (Symbolfoto) Foto: Von Erichsen

Polizei berichtet im Gemeinderat. Deutliche Zunahme bei Drogenfahrten. Straßenkriminalität aber geht zurück.

Oberndorf - "Kein Grund zur Besorgnis" lautet die Kernbotschaft der Sicherheitsanalyse von Ulrich Effenberger. Der Erste Polizeihauptkommissar berichtete im Gemeinderat von der Lage im vergangenen Jahr.

Insgesamt verzeichnete Effenberger in der Neckarstadt einen Anstieg der Straftaten von 531 auf 575 Fällen. Der Zuwachs von 8,3 Prozent liegt über dem des Landes (3,8 Prozent) und dem des Polizeipräsidiums Tuttlingen (6,3 Prozent). "Dies ist aber kein Grund zur Besorgnis", führt Effenberger aus. Die Anzahl der Straftaten liege damit immer noch unter dem langjährigen Durchschnittswert von 591.

Richtig gut sehen die Oberndorfer Ermittler bei der Aufklärungsquote aus. Diese stieg nochmals von 61,2 Prozent auf 70,4 Prozent. "Dies freut mich besonders", so der Polizeibeamte. Zum Vergleich: Landesweit werden 60 Prozent der Fälle aufgeklärt.

In der Oberstadt sank die Zahl der Straftaten von 88 im Jahr 2014 auf 69 im vergangenen Jahr. Von 48 auf 60 kletterte sie dafür in der Talstadt. Die meisten Diebstähle und Einbrüche gab’s im Bereich der Neckarvorstadt, wo die Einkaufsmärkte angesiedelt sind.

Aufgrund der unmittelbaren Lage zur Autobahn führt auch 2015 der Ortsteil Bochingen die Kriminalitätsentwicklung der Stadtteile an. Dort wurden 59 Fälle registriert (2014 waren es noch 49). 35 davon waren Diebstähle, erläuterte Effenberger. Aistaig liegt mit 49 Fällen auf Platz zwei, gefolgt von Lindenhof Nord (39) und Lindenhof Süd (35). Die Zahl der Diebstähle wuchs von 167 auf 178.

Deutlicher ist der Anstieg bei den Rohheitsdelikten: Die Zahl stieg von 64 auf 87 Fälle. Darunter seien 47 Körperverletzungen, so der Revierleiter. Bürger müssten aber nicht befürchten, als Unbeteiligte Opfer solcher Straftaten zu werden – Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum waren im Fünfjahresvergleich auf einem Tiefststand. Oftmals seien Körperverletzungen hingegen Beziehungstaten, die sich im privaten Bereich abspielten.

Weit mehr männliche als weibliche Tatverdächtige

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist von fünf auf elf gestiegen. Hier appellierte Effenberger an die Bevölkerung, Verdächtiges unverzüglich der Polizei zu melden.

Die Straßenkriminalität ging von 99 auf 76 Fälle zurück, ebenso die Zahl von einfachen Diebstählen aus Wohnungen (sechs auf drei Fälle), Sachbeschädigungen von 100 auf 60 sowie von Vermögens- und Fälschungsdelikten (130 auf 119).

Die Schere bei den Tatverdächtigen geht weiter auseinander: 278 Männer und 74 Frauen wurden erfasst. Auffällig sei die Zahl der Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden. Ihre Zahl stieg von 72 auf 96. Unter den 352 Tatverdächtigen waren 108 nichtdeutsche, 14 davon Asylbewerber. "Wir hatten im vergangenen Jahr keinen Einsatz in den Flüchtlingsunterkünften der Stadt", sagte Effenberger.

"Intensiv" beobachten die Polizeibeamten allerdings die auffällige Zahl der Drogenfahrten. Während es 2014 gerade mal einen Fall gab, wurden im Jahr 2015 15 Verkehrsteilnehmer unter Drogeneinfluss erwischt. "Viele Junge haben einen unkritischen Umgang mit bestimmten Dingen wie ›Zaubertabak‹ oder Kräutermischungen." Dies hätten auch Einsätze im Schulzentrum gezeigt, wo Schüler offensichtlich die Mittagspause zum Kiffen genutzt hatten und dem Unterricht dann nicht mehr folgen konnten.

Insgesamt ging die Zahl der Unfälle im Revierbereich Oberndorf von 841 auf 819 zurück, ebenso die Zahl der Unfälle mit Personenschaden (114 auf 101). 18 Alkoholunfälle wurden verzeichnet, 2014 waren es noch 21. Einen leichten Rückgang gab es auch bei den Unfallfluchten (190 auf 183).

Knapp 40 Polizeibeamte leisten derzeit ihren Dienst im Klosterbau. Personell wird es im hiesigen Revier in diesem Jahr größere Veränderungen geben. Sechs Beamte gehen in den Ruhestand, und Revierleiter Effenberger hofft, zum nächsten Versetzungstermin entsprechenden Ersatz zu bekommen, um die entstehenden Lücken wieder schließen zu können.