Vor der natürlich verwitterten Fassade des Gemeindehauses in Sulzberg steht die Oberndorfer Delegation. Foto: rhu Foto: Schwarzwälder-Bote

Gemeinde- und Ortschaftsräte machen sich im Allgäu und in Vorarlberg über Gebäude aus Holz schlau

Oberndorf (rhu). Eine Halle aus Holz könnte auch in Beffendorf stehen. Bürgermeister Hermann Acker hat mit Gemeinde- und Ortschaftsräten sowie Vereinsvertretern im Allgäu und in Vorarlberg Gebäude aus dem nachhaltigen Rohstoff Weißtanne unter die Lupe genommen.

Ralph Loth und Holger Schütz vom Regierungspräsidium Freiburg hatten die Objekte in Ellhofen, Oberreute und Sulzberg ausgewählt und informierten mit dem Vertreter der Waldbesitzervereinigung Westallgäu, Andreas Täger, über den Baustoff Holz. Mitten in einem Wohngebiet hat die Gemeinde Ellhofen von August 2006 bis April 2008 für geschätzte 1,5 Millionen Euro Baukosten mit 8000 Festmetern Holz im ehemaligen Schulhaus Vereinsräume ausgebaut und daneben eine neue Halle mit 360 Sitzplätzen und integrierter Bühne errichtet.

550 000 Euro seien dafür aus dem LEADER-Fördertopf und 600 000 Euro aus dem Gemeindehaushalt geflossen, erklärte Bauamtsleiter Roland Schlechta. Die Vereine hätten 25 000 Arbeitsstunden "Frondienst" geleistet bei Elektroarbeiten und Innenausbau. Um eine Gewährleistung zu haben, hätten Handwerker das Tonnendach gefertigt. Die natürlich verwitternde Hallenfassade, "sägeraue" Wände und Böden überraschten manch einen. Der Boden, der übrigens nicht splittert, erntete seiner Gebrauchspuren wegen durchaus auch kritische Blicke.

Die Architekten Woll & Woll und den Statiker Helmut Plocher interessierten sich für Details an Treppen, Decken und Türen.

Durch das Oberreuter Generationenhaus führte Bürgermeister Gerhart Olexiuk. Die Gemeinde hatte 200 000 Euro der Baukosten von insgesamt 450 000 Euro übernommen. Und so staunte Ortsvorsteherin Ruth Hunds weniger über 4000 Stunden Eigenleistung als darüber, dass die Vereine ihre Energiekosten für Strom und Wärme – immerhin nur 1100 Euro im Jahr – selbst zahlen müssen. Jeder spare rigoros, hieß es. Gebaut wurde im Winter. Mit einem Heutrockner war die durch zu feuchtes Holz verursachte hohe Luftfeuchtigkeit reduziert worden.

Nach Freudenstadt hat der Landkreis Rottweil den höchsten Weißtannenanteil in Süddeutschland, erklärte Forstamtsleiter Uwe Sperlich. Er bedauerte, dass man ins Allgäu fahren müsse, um solche Bauobjekte besichtigen zu können und warb dafür, heimische Weißtannen zu verwerten.

Der Beffendorfer Ortschaftsrat, sagte Ruth Hunds, stehe hinter dem Projekt Halle mit Passivhausstandard aus Holz. Müssen die Wände astfrei sein und die Böden sägerau? Akzeptieren wir Naturvergrauung, vorvergrautes Holz oder doch eher eine behandelte Fassade? Brauchen wir Farbakzente? Offen werde man in Beffendorf diese Fragen mit Vereinen und interessierten Bürgern diskutieren, bevor der Ortschaftsrat entscheide.

Die Gemeinde Sulzberg im Vorarlberg versorgt bereits viele Haushalte über eine Hackschnitzelheizung mit Wärme. Natürlich vergraute Fassaden fügen sich dort in die Landschaft in 1000 Meter Höhe. Gemeindesekretär Erwin Steuerer zeigte Räume des Gemeindehauses mit Schindelfassade. Keine Risse oder Spaltengebe es, so Sägewerksbesitzer Manfred Giselbrecht, verarbeite man die nicht harzende Weißtanne bei einer Restfeuchte von nur acht Prozent. Nur wenige Sägewerke, etwa ein Sägewerk in Nordrach, könnten sägeraues Material herstellen, Industriesägewerke nicht.

Fazit von Stadtbaumeister Thiemann: "Durch die Verwendung heimischer Weißtanne können wir in Sachen Umweltrelevanz in Verbindung mit hohem Ausbaustandard sowie dem Standort im Ortskern ein tief in der aktuellen Klimaschutzdiskussion verankertes Modellvorhaben verwirklichen."

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