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Oberndorf a. N. Majestätischen Buchen geht das Wasser aus

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Statt mächtiger Buchen-Baumkronen zeigen sich unterhalb der Schillerhöhe dürre Äste. Foto: Schwarzwälder Bote

Selbst wenn diese Woche mit Regen gestartet ist – die anhaltende Dürre macht dem Wald zu schaffen. Sogar die Buchen scheinen der Trockenheit nicht länger Stand halten zu können. Auch im Oberndorfer Wald sind die Auswirkungen bereits zu sehen.

Oberndorf. Mit Karl-Heinz Schwarze waren wir auf dem Wanderweg zur Schillerhöhe hinauf unterwegs. Der Oberndorfer Zimmermeister ist kein Forstfachmann, aber dem Wald – schon von Berufswegen – sehr zugetan. Und was er dort in den vergangenen Wochen sieht, erschreckt ihn sehr, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet. Tatsächlich ragen aus den ehemals üppigen Kronen der mächtigen Buchen dürre Äste heraus.

Prägend für den Mischwald

Dass in ganz Baden-Württemberg Nadelbäume vertrocknen und dem Borkenkäfer keine Widerstandskraft mehr entgegenzusetzen haben, ist nichts Neues. Doch seit einigen Monaten beobachten Forstbesitzer landauf, landab schwerste Schäden selbst an Buchen, einer Baumart, die seit Jahrhunderten heimisch und prägend für den Mischwald im Lande ist, heißt es auch in einer aktuellen Pressemitteilung der Forstkammer Baden-Württemberg. Sie vertritt die Interessen der privaten und kommunalen Waldeigentümer des Bundeslandes.

"Überall lichten sich die Buchenkronen, haben ihr dichtes Blätterdach schon jetzt lange vor dem Herbst verloren", berichtet Forstkammer-Präsident Roland Burger. Selbst 50 bis 200 Jahre alte Buchen seien aufgrund der seit drei Jahren anhaltenden Dürre und dem starken Befall von Pracht- und Buchenborkenkäfer schwer geschädigt. Weil Buchenholz sehr schnell morsch werde, steige die Gefahr für Spaziergänger und Waldarbeiter durch herabstürzende Äste.

Auch unterhalb der Schillerhöhe liegen bereits große Äste am Waldboden. Ein Blick auf den gegenüberliegenden Kapf zeigt aus der Ferne "graue Flecken". Es sind die vertrocknenden Buchen, die aus den übrigen Bäumen herausstechen.

Auf Anfrage des Schwarzwälder Boten bestätigt Simon Köninger, der Leiter des Forstreviers Oberndorf: "Diese Entwicklung betrachten wir auch mit Sorge." Die Buchen reagierten auf die Trockenheit mit vorzeitigem Laubabfall und simulierten so einen verfrühten Herbstbeginn. Das könne bis zum vorzeitigen Absterben einzelner Kronenteile oder des ganzen Baums führen.

Allerdings sei die Lage "in unserer Gegend noch nicht so dramatisch wie in anderen Landesteilen". Trotzdem – wenn Kronenbereiche absterben, bestehe natürlich relativ rasch die Gefahr des Abbruchs. Vor allem bei starkem Wind. Die Gefahr für Waldbesucher sei dann erhöht, so Köninger. Eine Verkehrssicherungspflicht für den Waldbesitzer bestehe zunächst entlang der Wohnbebauung und an öffentlichen Straßen.

Astabbrüche entlang den Wanderwegen oder gar im Wald gehörten zunächst gemäß Rechtsprechung zu den "waldtypischen Gefahren". Hier könne der Waldbesitzer nicht für eventuelle Schäden verantwortlich gemacht werden. Wobei es immer Einzelfallentscheidungen seien, wenn was passiere.

"Auch wenn zuletzt mehr Regen fiel als in den Vorjahren, bleibt die Lage für die Bäume dramatisch. Neben den besonders anfälligen Monokulturen aus Fichten und Kiefern trifft es mittlerweile sogar die Buche", sagt der Bezirksvorsitzende der IG BAU Südbaden, Lukas Oßwald. Diese seit Jahrtausenden in Deutschland heimische Art leide zunehmend unter ausgetrockneten Böden und Pilzbefall. Um die Wälder für den Klimawandel zu wappnen, müssten zusätzliche Mischwälder angelegt und sogenannte trockenheits- und wärmeertragende Baumarten angepflanzt werden. "Das aber ist eine Mammutaufgabe, für die es viel mehr Förster und Forstwirte braucht als bislang. Betriebe sollten deshalb auch mehr ausbilden und Azubis übernehmen", betont der Gewerkschafter.

Die IG BAU und fordere daher zusätzliches Forstpersonal auch im Kreis Rottweil. Nur mit mehr Fachleuten könnten die Wälder für den Klimawandel gewappnet werden.

Für Karl-Heinz Schwarze sind seine geliebten Spaziergänge im Wald rund um Oberndorf derweil eine eher traurige Angelegenheit geworden. Jedes Mal, wenn er im Forst unterwegs ist, sieht er die Auswirkungen des Klimawandels. Ob die Buchen noch zu retten sind, wagt er zu bezweifelten. Er wüsste auch gar nicht wie. Denn wenn der Regen weiter ausbleibt, schreite das Absterben der majestätischen Bäume voran. Dabei sorgen sie mit ihren großen Blätterdächern für ein ausgeglichenes Mikroklima. Sterben die Baumkronen ab, wird es im Wald noch wärmer, das lebensnotwendige Wasser verdunstet schneller aus dem Boden – ein Teufelskreis.

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