Rainer Prewo Foto: Schwarzwälder Bote

Bürgerengagement: "1. Oberndorfer Tag der Baukultur" ist geplant / Veranstaltungsreihe im Sinn

Der "1. Oberndorfer Tag der Baukultur" findet am Donnerstag, 24. Januar, statt. Dank der Unterstützung durch die Bundesstiftung Baukultur in Potsdam sowie die Architektenkammer Baden-Württemberg wurde – so teilen die Veranstalter nun mit – "eine Reihe hoch qualifizierter Referenten gefunden".

Oberndorf (cel). Diese Initiative von Oberndorfern entstand zwar ursprünglich als spontane Reaktion auf ein umstrittenes Neubauprojekt neben dem Kameralamt und den Umgang damit in der Gemeinderatssitzung (der Schwarzwälder Bote berichtete). Doch der nun gefundene Name deutet darauf hin, dass die Initiatoren bereits darüber nachdenken, daraus eine Veranstaltungsreihe zu machen. Sie verstehen ihre Aktivität nach eigener Aussage auch als "Beitrag gegen die allgemeine Politikverdrossenheit und für mehr Bürgerbeteiligung", heißt es weiter.

Grundsätzlich solle der "Oberndorfer Tag der Baukultur" neutrale und sachliche Informationen bieten. Die Veranstalter wollen "ganz bewusst keine Emotionen schüren, ungeprüfte Behauptungen aufstellen oder Partei- und Klientel-Interessen vertreten". Stattdessen sollen ausgewiesene Experten Fakten vermitteln und ihre umfangreichen Erfahrungen aus vergleichbaren Städten oder Situationen teilen – und zwar mit allen interessierten Oberndorfer Bürgern. "Sobald der Veranstaltungsort feststeht, werden wir auch Gemeinderat, Stadtverwaltung und natürlich die lokalen Architekten persönlich einladen", erklären die Veranstalter.

Am 24. Januar wird Architekt Klaus Fehrenbach aus Karlsruhe unter anderem darüber berichten, dass sich zwar die ersten, reflexhaften Vorbehalte der Gegner von Gestaltungsbeiräten und Gestaltungssatzungen überall verblüffend ähnelten – aus diesen Gegnern angesichts der sichtbaren Erfolge aber irgendwann Befürworter würden.

Als Referent der Bundesstiftung Baukultur berichtet Patrick Schreib aus Baiersbronn. Er erläutert aus eigener Erfahrung, weshalb diese Instrumente keine Investitionshemmnisse seien, sondern im Gegenteil Investitionen anzögen und die Wirtschaft förderten.

Als dritter Referent wurde der Nagolder Alt-OB Rainer Prewo gewonnen. Die Architektenkammer vermittelte den Kontakt, weil in Prewos Stadt einer der ersten Gestaltungsbeiräte überhaupt eingesetzt wurde.

Sollte der "1. Oberndorfer Tag der Baukultur" die Erwartungen der Initiatoren erfüllen, könnte sich eine Folgeveranstaltung mit der Bedeutung von Oberndorfs Stadtbild prägenden, alten Bauten befassen. Solche Gebäude spielten als Identifikationsorte des "Heimatgefühls" ebenso eine wichtige Rolle wie als Ausgangspunkt für notwendige Ergänzungsbauten in geeigneter zeitgenössischer Architektur. In einer weiteren Veranstaltung würden zwei Architekturkritiker die Innenstadt aus ihrer Sicht erläutern und versuchen, ein neues Bewusstsein und neuen Stolz darauf zu wecken. Qualifizierte Referenten stünden schon bereit, lassen die Initiatoren verlauten.

In Kürze wollen die Veranstalter den Veranstaltungsort des "1. Oberndorfer Tages der Baukultur" bekannt geben sowie die Möglichkeiten, sich zu den Vorträgen und der Diskussionsrunde anzumelden.

Die Bundesstiftung Baukultur wurde 2006 vom Bundestag einstimmig ins Leben gerufen – unter anderem, um Baukultur in Kleinstädten zu fördern und dadurch das Wirtschaftsleben anzukurbeln. Sie hat ihren Sitz in Potsdam und fördert unter anderem Debatten über die Qualität öffentlicher und privater Bauprojekte sowie die gesellschaftliche Relevanz von Baukultur.

Gestaltungsbeiräte werden durch die Landesregierung Baden-Württemberg finanziell gefördert, weil sie sich als erfolgreiches Mittel zur Stärkung der lokalen Wirtschaftsstandorte erwiesen haben. Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut wünscht sich überdies, dass in den Städten dadurch "ein lokaler Dialog über Baukultur" entsteht. Ganz bewusst werden Architekturexperten in Gestaltungsbeiräte berufen, die keine wirtschaftliche Interessen verfolgen. Die örtlichen Architekten scheuen dabei in der Regel nicht das Urteil dieser besonders qualifizierten auswärtigen Kollegen – so die bisherigen Erfahrungen – sondern sehen darin eine Herausforderung zu noch besseren Leistungen. Gestaltungsbeiräte beraten lediglich über städtebauliche und architektonische Projekte, haben keine Entscheidungsbefugnis, fördern aber den öffentlichen Dialog und das Verständnis für Bauten.

Rainer Prewo wurde in Frankfurt promoviert, war Professor, von 1992 bis 2008 Oberbürgermeister von Nagold sowie von 2006 bis 2011 Landtagsabgeordneter und ist seither Vorstandsvorsitzender der Denkmalstiftung Baden-Württemberg. In Nagold wurde einer der ersten Gestaltungsbeiräte überhaupt eingesetzt. Entsprechend langfristig sind die Erfahrungen.

Klaus Fehrenbach ist Mitbegründer des Karlsruher Architekturbüros "ARCHIS" sowie von "amPuls", einer Arbeitsgruppe der Architektenkammer, deren Ziel die konstruktive Begleitung der kommunalen Planungspolitik ist.

Patrick Schreib ist Tourismusdirektor in Baiersbronn, wo 2016 ein Gestaltungsbeirat eingesetzt wurde. Er definiert Baukultur als einen "andauernden Prozess zur Erarbeitung von regionalen Qualitätsmerkmalen" durch die Reduktion von Leerständen und die Erhaltung Ortsbild prägender Gebäude.

Andi Schmider (geborene Brodbeck) aus Oberndorf und Bernd Kleiter, Oberndorf/Berlin stehen als namentliche Veranstalter für die Gruppe der Oberndorfer Initiatoren.

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