Zweites Meisterkonzert: diesmal mit Jonas Palm und Yukie Takai in der Oberndorfer Klosterkirche
Von Jens Sikeler
Oberndorf. Auch mit diesem Meisterkonzert in der Klosterkirche bewiesen die Macher der Konzertreihe am Wochenende: Klassik auf höchstem Niveau geht auch in der Provinz.
Mehr als anderthalb Stunden interpretierten der Cellist Jonas Palm und die Pianistin Yukie Takai Werke von Beethoven, Schubert Brahms und Rachmaninov und hinterließen ein restlos begeistertes Publikum.
Ihr Konzert begannen sie mit Ludwig van Beethovens sieben Variationen über das Duett "Bei Männern welche Liebe fühlen" aus Mozarts Oper die Zauberflöte. Ihnen gelang eine bemerkenswerte vielschichtige Annäherung an das Thema Liebe. Beethoven beschreibt sie in ihrem Überschwang aber auch in ihrer ganzen Zartheit. Die Unterschiede in den sieben Variationen sind oft nur sehr subtil. Dennoch gelang es dem Duo, die sehr schön herauszuarbeiten.
Palm und Takai treten häufig zusammen auf. Das merkt man. Sie harmonieren wunderbar. Das Spiel ist geprägt von gegenseitigem Verständnis. Palm ist der diesjährige Gewinner des deutschen Musikpreises. Auch sonst war schon bei vielen Wettbewerben erfolgreich. Takai ist Lehrbeauftragte für Korrepetition an der Musikhochschule Stuttgart und hat unter anderem den internationalen Friedrich Kuhlau Preis gewonnen.
Die Stücke des österreichischen Komponisten Franz Schubert sind oft von einer Traurigkeit, die einem durch und durch geht. Die Sonate "Arpeggione" ist da eine Ausnahme. Die Traurigkeit bricht der Komponist hier mit heiteren, lebensfrohen Passagen. Dieses Spannungsfeld setzte auch den Rahmen für das Spiel von Palm. Sein Spiel ist gekennzeichnet von schlichter Eleganz. Er setzte nicht auf Pathos, sondern auf Einfühlungsvermögen. Genau das macht sein Spiel so wirkungsvoll. Davon wich er auch im zweiten Satz dem Adagaio Allegretto, der etwas pathetischer und dramatischer daher kam, als das Allegro moderato, nicht ab.
Mit dem letzten Stück im Programm, der Sonate op. 99 von Johannes Brahms, rückte das Spiel von Takai stärker in den Vordergrund. In den vier Sätzen stellte sie eindrucksvoll unter Beweis, wie vielschichtig ihr Spiel ist. Es kann wuchtig sein, voller Kraft und im nächsten Augenblick dann wieder zurückhaltend, so als ob sie ganz allein im Raum wäre. Und Palm? Der spielt auch bei diesem Stück wieder so, dass man kein Hellseher sein muss, um zu prophezeien, dass er in nicht allzu ferne Zukunft auch größere Konzertsäle als die Klosterkirche füllen wird. Sein würdiges Ende fand das Konzert mit der Zugabe Sergei Rachmaninows "Vocalise".