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Oberndorf a. N. Historiker soll Geschichte von Heckler beleuchten

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Heckler & Koch in Oberndorf. Foto: von Dewitz

Oberndorf - Der Oberndorfer Waffenproduzent Heckler&Koch hat sich am Montag neuerlich zu Transparenz im Umgang mit der eigenen Firmengeschichte bekannt. Man werde einen renommierten Historiker damit beauftragen, die Rolle der Gründer des vor 70 Jahren entstandenen Unternehmens zu beleuchten, hieß es bei Heckler&Koch. Am Wochenende waren schwere Vorwürfe gegen Edmund Heckler, Prokurist und Werksleiter sowie einen der Firmengründer, bekannt geworden: Heckler soll tief in Unrecht des NS-Regimes verstrickt gewesen sein.

Nun will HK die Geschichte aller drei Gründer erforschen lassen. Neben Heckler sind dies Theodor Koch und Alex Seidel. Koch und Seidel waren vor dem Zweiten Weltkrieg beim Oberndorfer Rüstungsbetrieb Mauser tätig. Edmund Heckler war Prokurist und Werksleiter bei der Hugo Schneider AG (Hasag). In deren Diensten soll er im sächsischen Taucha KZ-Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen zur Montage von Panzerfäusten gezwungen haben. Überlebende schilderten nach Recherchen der "Bild am Sonntag" die grausame Behandlung von Zwangsarbeitern.

Anwalt Rainer Runte ist für das Kontrollgremium benannt worden

Nach Bekanntwerden der Recherchen forderte am Montag der Freiburger Friedensaktivist und H&K-Kleinaktionär Jürgen Grässlin die Umbenennung des Unternehmens. Ein "vormals führender NS-Scherge darf in einer ethisch und humanistisch geprägten Gesellschaft nicht länger Namenspatron eines Unternehmens sein", erklärte Grässlin. Zudem forderte er die Stadt Oberndorf auf, die bisherige "Heckler&Koch"-Straße nach einem Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime zu benennen.

Oberndorfs Bürgermeister Hermann Acker berief sich in einer ersten Reaktion darauf, die Straßenbenennung sei im Gemeinderat beschlossen worden. In dessen Zuständigkeit würden alle damit zusammenhängenden Fragen fallen. Die Straße selbst ist eine kurze Verbindung, die zum Firmengelände in Oberndorf führt.

Im Unternehmen vollzieht sich derweil eine bemerkenswerte Personalrochade. Der H&K-Vorstand habe den Anwalt und langjährigen Rechtsvorstand des Dialysespezialisten Fresenius Medical Care, Rainer Runte, für das Kontrollgremium benannt, teilte die Firma am Montag in Oberndorf mit. Es fehlt noch die gerichtliche Bestellung. Runte soll Aufsichtsratsvorsitzender werden. Damit würde er Nachfolger des ehemaligen Generalinspekteurs der Bundeswehr, Harald Kujat, der Ende August nach nur einem Jahr Amtszeit bei H&K zurückgetreten war.

Runte schied 2014 bei dem hessischen Dax-Konzern aus, danach war er unter anderem bei der Thyssenkrupp-Tochter Atlas Elektronik Generalbevollmächtigter. Aus dieser Tätigkeit kennt er den aktuellen H&K-Vorstandsvorsitzenden Jens Bodo Koch, der damals Geschäftsführer bei dem Bremer Hersteller von Sonarsystemen für U-Boote war.

Das neue Duo will aus Marktführer einen "Champion" machen

"Gute Governance und robuste Compliance sind für börsengelistete Unternehmen heutzutage von vitaler Bedeutung", sagt Rainer Runte und freut sich, für HK tätig zu werden. Der Anwalt möchte den Waffenhersteller gemeinsam zu einem "herausragenden internationalen Champion weiterentwickeln."

Aller Voraussicht nach zieht auch Klaus-Dieter Fritsche in das Gremium der schwäbischen Waffenschmiede ein. Der 67-Jährige war vor seiner Pensionierung unter anderem neun Jahre lang Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz und von 2009 bis 2014 Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Später hat er den österreichischen Innenminister Herbert Krickl (FPÖ) beraten.

"Als Unternehmen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie steht die Gesellschaft heute nach einigen turbulenten Jahren im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, und das obwohl es sich um einen Marktführer handelt, der durch die Grüne-Länder-Strategie hohe ethische Ansprüche erfüllt", betont Fritsche. Wie Runte ist es ihm ein Anliegen, die "nachhaltige Entwicklung dieses Champions zu begleiten".

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