Ein Sturmgewehr von Heckler & KochFoto: Murat Foto: Schwarzwälder Bote

Rüstung: Oberndorfer Waffenhersteller reagiert diplomatisch / Aktivisten fordern Produktionswechsel

Oberndorf (ce). Erst kürzlich berichtete unsere Zeitung über einen Appell von Greenpeace an die Rüstungsindustrie. Die Forderung: Statt Rüstungsgüter sollten sich die Unternehmen vielmehr auf die Produktion von dringend benötigtem medizinischem Material wie Beatmungsgeräte und medizinische Schutzkleidung fokussieren. Besonderes Augenmerk legten die Friedensaktivisten auf den Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern.

Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") wehren sich die betroffenen Unternehmen jedoch teils gegen diese Forderung – verweisen demnach auf ausgelastete Produktionsstätten oder fehlende Expertise.

Der Appell der Aktivisten erreichte auch Oberndorf im Kreis Rottweil: Der Waffenhersteller Heckler & Koch (HK) reagierte in einem offenen Brief, der unserer Zeitung vorliegt, diplomatisch auf den Vorstoß. Geschäftsführer Jens-Bodo Koch dankt Greenpeace für das zum Ausdruck gebrachte Engagement für die Oberndorfer Gesellschaft. "Sie sehen uns diesbezüglich vollständig an Ihrer Seite."

Auf die konkrete Forderung, die Produktion in Richtung medizinisches Material zu verlagern, geht Koch in dem Brief aber nicht ein. Vielmehr sieht er die Aufgabe von HK darin, "die Bevölkerung in Deutschland und unseren Partnerstaaten zu schützen". Hierzu leiste HK einen wichtigen Beitrag – in Form von ausstehenden Waffenlieferungen an die Bundespolizei und die Polizei in Sachsen.

Koch lobt die Arbeit der Organisation, die "menschenverachtende Verhältnisse in Staaten auch unter Gefährdung von Leib und Leben der eigenen Aktivisten immer wieder öffentlich zu machen". In diesem Punkt, versichert der Geschäftsführer, stehe HK auf der Seite der Friedensbewegung: "HK beliefert keine repressiven Staaten, sondern freiheitliche Demokratien, die unsere Werte teilen. Das entspricht unserem Verständnis von unternehmerischer und gesellschaftlicher Verantwortung. Wir nennen das die ›Grüne-Länder-Strategie‹."

Diese Aussage dürfte bei den Greenpeace-Verantwortlichen gemischte Gefühle auslösen, wurden doch im Februar vergangenen Jahres erstmals in der Firmengeschichte der Oberndorfer ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens wegen illegalen Waffenhandels schuldig gesprochen. Der Vorwurf: bandenmäßiger widerrechtlicher Waffenhandel mit Mexiko. HK selbst wurde bei der Urteilsverkündung zur Kasse gebeten. Verkaufserlöse in Höhe von 3,7 Millionen Euro sollten eingezogen werden.

Dennoch: "Sie können bei allen Meinungsverschiedenheiten im Detail versichert sein, dass HK am Ende die gleichen Ziele verfolgt wie Greenpeace. Sie wollen den Frieden sichern, wir wollen das. Sie wollen, dass Menschen in Freiheit leben können, wir wollen das." Es folgt eine Einladung nach Oberndorf, um den Dialog fortführen zu können – sobald die Pandemie überwunden ist.

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