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Oberndorf a. N. Grabung offenbart Spuren

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Klaus Kortüm war regelmäßig vor Ort und berichtete nun im Gemeinderat. Foto: Schwarzwälder Bote

Über die mittlerweile abgeschlossenen, umfangreichen Grabungsarbeiten im Gewerbegebiet Rankäcker in Bochingen referierte Klaus Kortüm vom Landesamt für Denkmalpflege vor dem Gemeinderat.

Oberndorf. 1993 startete eine der größten Schwerpunktgrabungen des Landes Baden-Württemberg auf dem Areal, das als Grabungsschutzgebiet eintragen war. Die Stadt Oberndorf war mit 270 000 D-Mark an der Finanzierung beteiligt.

Mit großem Personalaufwand wurde bis 2002 gearbeitet, der zweite Abschnitt dauerte von 2005 bis zu diesem Jahr. Das Projekt wurde kontinuierlich begleitet, doch von den ursprünglich involvierten Personen arbeitet mittlerweile niemand mehr für die Behörde, der aus eigenem Erleben auf die gesamte Ausgrabungszeit zurückblicken könnte. Der Grabungstechniker ist bereits in Rente, Kortüm selbst war nicht von Anfang an dabei.

Zuletzt wurde ein Straßenstück freigelegt, denn die Anbindung des Gutshofes an die Straße war lange Zeit unbekannt. Laut Kortüm handelte es sich bei der ersten von zwei Trassen um eine ungeschotterte Naturpiste mit Gräben zu beiden Seiten, die eher dem Geländeverlauf folgte. Eine gerade Römerstraße sei erst beim Ausbau nach der Etablierung des Standorts entstanden. Der Verlauf der heutigen Kreisstraße komme nicht von ungefähr. Vieles spreche für eine mehrfach umgebaute staatliche Anlage oder Raststation.

Seit dem 19. Jahrhundert war die Stelle als römischer Siedlungsplatz bekannt, doch die Qualität und der Grad der Erhaltung unter der Humusschicht an der Fundstelle überraschte selbst die Experten. Der architektonische Befund ergab einen mehrphasigen Gutshof mit Badegebäude, einen Säulengang, verschiedenen Nebengebäuden , Gräben und Umfassungen sowie Hinweise auf Einrichtungen für Nutz- und Abwasser.

Die Umgrenzung lässt auf eine weitläufige Anlage und viel Freiraum für wirtschaftliche Tätigkeiten schließen, Zäune auf die Viehhaltung. Große Gebäudeteile stürzten in den Keller des Hauptgebäudes. Es fanden sich Mauerreste samt Wandputz. Auch Fachwerk muss es gegeben haben. Übrig blieben nur die Unterlegsteine für die Balken. Ein kleiner Ofen diente wohl als Obstdarre bis hin zur Malzröstung für die Bierherstellung.

Hinweise auf die Eisenzeit

Die Stadtverwaltung hofft, eine Veranstaltung für die interessierte Öffentlichkeit durchführen zu können, sobald die wissenschaftliche Aufarbeitung und Dokumentation abgeschlossen ist. Das könnte noch geraume Zeit dauern, da die Person bei der Denkmalpflege noch nicht gefunden ist, die sich darum kümmert.

Das vermutliche Aussehen des Gutshofes wurde von einem Studenten an der Universität Freiburg in einer Master-Arbeit skizziert. Hoffnungen auf eine Fortsetzung in einer Dissertation erfüllten sich jedoch nicht.

Zunächst hatte man nur die Römer im Visier, doch ergaben sich auch Hinweise auf eine Siedlungsgeschichte in der Eisenzeit. Die letzten Reste eines großen Grabhügels reichten zurück ins sechste bis siebte Jahrhundert vor Christus. Grabplünderungen seien allerdings bereits durch die Römer erfolgt. Hinzu kamen ein einziges eingetieftes Grab aus der Altsteinzeit und der Anschnitt eines Abfallhügels aus der Jungsteinzeit. Jäger und Sammler waren circa 10 000 Jahre vor Christus unterwegs.

"Wir haben den Kreisel als künstlerische Aufarbeitung, doch was bleibt uns nach dieser langen Zeit für unser Archiv und das Museum?", wollte Reiner Emmering (SPD) wissen. Dieter Rinker (FWV) sprach den erhöhten Zeitdruck durch den geplanten Hotelbau an, der sich inzwischen wieder zerschlagen hat, und ob danach weitergeforscht werde. Kortüm verneinte. Es wurde so vollständig ausgegraben, dass gebaut werden kann. Wenn dringende Bauprojekte zum Graben zwingen, greife die gesetzliche Verpflichtung zur Erhaltung nicht mehr, obwohl die Zerstörung vermeidbar gewesen wäre. Mehr als erforderlich werde aus Kostengründen nicht gegraben.

Die Fundstücke befinden sich im archäologischen Landesmuseum Rastatt im Archiv, das sich für Ausleihen offen zeige. Vieles sei jedoch (noch) nicht in einem repräsentablen Zustand und die Restaurierung mühsam. Als Beispiele zeigte Kortüm ein Foto von einem restaurierten Gefäß und einer beschädigten Schale.

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