Initiative "27. Januar" erinnert an Zwangsarbeiter in Oberndorf
Von Elfi Roth Oberndorf-Altoberndorf. Zum dritten Mal fand am Donnerstag eine Gedenkfeier am "Buch der Erinnerung" in Altoberndorf statt. Eine Gruppe von zehn Oberndorfern, die Initiative "27. Januar", hat sich das Ziel gesetzt, regelmäßig an diesem offiziellen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern.
Trotz des frostigen Wetters umringten viele Bürger im Halbkreis die Gedenkstätte mit den Namen der 308 Zwangsarbeiter, die in Oberndorf ums Leben gekommen sind. Das "Buch der Erinnerung" steht auf dem Gelände des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers Linde, in dem vorwiegend Frauen aus der Sowjetunion lebten, wie Ulrich Pfaff als Mitglied der Initiative erzählte. Er selbst habe als Kind die elenden Gestalten gesehen, die, begleitet von bewaffneten Aufsehern mit Wachhunden, in einem langen Zug morgens zur Arbeitsstätte und abends wieder zurück ins Lager getrieben worden seien. "Ihrer wollen wir heute gedenken und unseren Beitrag leisten zu Frieden und Völkerverständigung."
Lydia Schüle und Helmut Engisch berichteten über das Schicksal der Medizinstudentin Tatjana Muchina, die am 1. Dezember 1944 nach der Entbindung eines Mädchens im Lager Linde starb. Die Tochter überlebte dank der Fürsorge einer Freundin. Klaus Laufer lernte 1970 zufällig die Tochter kennen, die ihren Geburtsort aufsuchte. Später recherchierte Laufer die Hintergründe und dokumentierte detailliert die Geschichte. Erika Ramuschkat rezitierte das Gedicht "An die Nachgeborenen" von Berthold Brecht.
Wer bei Gedenk- und Erinnerungsaktivitäten in Oberndorf mitwirken möchte, kann beim nächsten Treffen der Initiative am Mittwoch, 16. März, ab 19.30 Uhr im Alten Rathaus Kontakt aufnehmen.