Ausgelassenes Fastnachtstreiben wie hier in Villingen soll es im kommenden Jahr möglichst auch wieder geben. Doch haben es die Verantwortlichen bei der Organisation nicht ganz so einfach. Bei der Straßenfastnacht gibt es viele offene Fragen. Foto: Kienzler

Gute Nachrichten für alle Narren: In der nächsten Saison soll die fünfte Jahreszeit nicht ausfallen. Darauf haben sich Sozialministerium, Narrenverbände und Städte- und Gemeindetag geeinigt. Aber bei den Narren sind weiterhin noch viele Fragen offen.

Oberndorf - In der kommenden Saison können Narren in Baden-Württemberg wieder Fastnacht, Fasnet und Fasent feiern. Sowohl in Innenräumen als auch auf der Straße sollen Veranstaltungen mit Hygienekonzept möglich sein, teilte das Sozialministerium am Freitag mit. Wer geimpft oder genesen ist, dürfe im Saal feiern. Für Veranstaltungen im Freien soll eine Arbeitsgruppe noch genaue Konzepte entwickeln. Narren könnten beispielsweise auf Straßenumzügen Masken tragen und auf Abstand achten.

"Wir alle brennen für Fasnet und Karneval – diese Tradition kann aber nur überleben, wenn die Menschen im Land sie auch ausleben dürfen", betonte Roland Wehrle, Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte. "Vor allem mit der festen Zusage der Saalveranstaltungen können wir jetzt in die konkrete Planung einsteigen." Aber was sagen die Verantwortlichen in den Narrenhochburgen zu den neuen Plänen? Unsere Redaktion hat nachgefragt.

Die ersten Reaktionen der großen Zünfte in der Doppelstadt Villingen-Schwenningen fallen gemischt aus: Auf der einen Seite ist man froh, dass nun eine erste Marschroute in Sachen Saal- und Straßenfastnacht vorgegeben ist. Auf der anderen Seite stufen die Chefs der Historischen Narrozunft Villingen sowie der Schwenninger Narrenzunft die 2G-Regelung als problematisch für beliebte Veranstaltungen wie Zunftball oder Oberbürgermeister-Verhaftung ein. Denn ausschließen wolle man keinen Narren. Auch bei der Umsetzung des Hygienekonzepts bei den großen Umzügen sieht der Schwenninger Zunftmeister Lutz Melzer organisatorische Hürden auf Zunft und Stadt zukommen.

Bei der traditionsreichen Narrenzunft Rottweil freut man sich indes über das positive Signal aus dem Ministerium. Dies erleichtere nun den Einstieg in die Vorbereitungen, erklärt Narrenmeister Christoph Bechtold. Von Anfang an seien Stadt und Polizei mit im Boot, um sich den Fragen der Umsetzung nun langsam anzunähern.

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Im benachbarten Schramberg, bekannt unter anderem für die Bach-na-Fahrt, ist die Zunft bestrebt "das richtige Maß an Kultur, Geselligkeit und Infektionsschutz" zu finden. Verschiedene Ausschüsse wurden bereits gebildet, die die Rahmen- und Umsetzungsbedingungen laufend im Blick behalten. Und in Wellendingen beispielsweise freut sich die Zunft darauf, alles im vorgegebenen Rahmen umzusetzen. Die Vorfreude ist bei allen groß – die Auflagen werden deshalb gerne in Kauf genommen.

Veranstalter wägen das Risiko ab

Im Vergleich zu Fastnachts-Hochburgen wie Rottweil hat der Kreis Calw zur fünften Jahreszeit indes weniger zu bieten. Eine der Ausnahmen stellt der Calwer Nachtumzug am Rosenmontag dar, zu dem seit Jahren Tausende Hästräger und Zuschauer pilgern. Doch ein Nachtumzug mit Hygienekonzept? Schon jetzt, so sagt Nicol Meyer, Zunftmeisterin der 1. Calwer Narrenzunft 04, sei es nicht immer einfach gewesen, genügend Helfer für die Großveranstaltung aufzubieten. Immerhin muss wegen des Eintritts praktisch an allen Zugängen zur gesamten Innenstadt kontrolliert werden – nicht zu vergessen das Sicherheitspersonal. Aber: "Wir planen einfach mal, als würde es eine Kampagne geben", erklärt Meyer. Was dann tatsächlich möglich sei, müsse man sehen.

Mit Erleichterung hat der Präsident des Narrenfreundschaftsrings Zollernalb, Walter Sieber, die Einigung von Politik und Narrenvereinigungen zur Fastnacht 2022 aufgenommen. Es sei zwar gut, dass man alles daran setze, dass die Fastnacht nicht wieder ausfallen müsse. Sieber allerdings hält die Regelungen für kaum umsetzbar, vor allem, was die Fastnacht im Freien betreffe – etwa bei großen Umzügen. "Das Risiko nimmt kein Veranstalter auf sich." So habe man das geplante Ringtreffen in Benzingen schon reduziert auf einen Tag mit Umzug. Ob der stattfinden wird, sei aber noch unklar.

Erleichtert und froh zeigt sich auch der Zunftmeister der Narrenzunft Schömberg (Zollernalbkreis), Bernhard Wuhrer, über die Vorgaben. Aber auch er ist sich bewusst darüber, dass "da noch einigens passieren kann". Die Schömberger Zunft will 2022 das Landschaftstreffen Neckar-Alb ausrichten.

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In der Region rund um Lahr (Ortenaukreis) war die Freude am Freitag groß. Besonders bei der Eulenzunft in Seelbach, die Anfang Februar ihr 55-jähriges Bestehen feiert. "Das sind gigantische Nachrichten", sagte Oberzunftmeisterin Christiane Kupfer. Bislang sei sie nicht sicher gewesen, ob alles, was geplant ist, auch umsetzbar sein werde. Unter anderem soll es in der Schuttertal-Gemeinde einen Umzug mit mehr als 3500 Hästrägern geben. "Da können wir jetzt in die Detailplanung einsteigen", sagte Kupfer.

"Wir möchten grundsätzlich feiern", sagt Marco Glöde, Vorsitzender des Hamperlevereins aus Bad Rippoldsau-Schapbach (Kreis Freudenstadt). Er freue sich jedenfalls für die Geimpften und Genesenen, sei durch die Maßnahmen aber auch ein wenig hin- und hergerissen. "Es wird nicht so sein wie sonst. Die Lockerheit wird den Menschen wahrscheinlich fehlen", sagt Glöde. "Wie wir feiern dürfen, werden wir vorgegeben kriegen. Wir werden uns in jedem Fall an die Vorgaben der Politik halten."