Ben Kim erspielt sich gekonnt die Sympathien des – leider sehr spärlich erschienen – Publikums, Foto: Weber Foto: Schwarzwälder-Bote

Meisterkonzert mit dem Leipziger Sinfonieorchester und Solist Ben Kim begeistert

Von Alwin Weber

Oberndorf. Wenn sich auch nicht allzu viele Besucher in der ehemaligen Klosterkirche zum Meisterkonzert eingefunden hatten, um sich von Dirigent Georg Mais in die Werke einführen zu lassen, konnte man bei dieser Gelegenheit Interessantes erfahren.

Kurz wurde auch das Leipziger Sinfonieorchester als "kleiner Bruder des Gewandhausorchesters" vorgestellt – wie es sich herausstellen sollte, ein Klangkörper überragender Güte.

Die Ouvertüre zu Mozarts "Die Hochzeit des Figaro" ließ von Anfang an aufhorchen. Schon die ersten Takte machten das Zuhören leicht; sie gaben dem Orchester sofort die Möglichkeit seinen vollen, runden Klang zu entfalten.

Eine Sternstunde der klassischen Musik sollte der Auftritt Ben Kims, eines Amerikaners mit koreanischen Wurzeln im Klavierkonzert G-Dur von W. A. Mozart werden. Locker, mit seinen 28 Jahren voll jugendlicher Ausstrahlung, nahm er am Bechstein-Flügel Platz.

Die wunderschöne Einleitung des Orchesters im ersten Satz (Allegro) führte er nun bruchlos fort. Das Zusammenwirken von Solist und Orchester könnte nicht besser sein. Herrliche Läufe und dynamisch fein abgestuftes Spiel zeichnen Ben Kim hier aus.

Im Andante brilliert das Soloklavier mit einer herrlichen Melodie, die vom Orchester weitergeführt wird. Gerade hier leuchtet die Musikalität Ben Kims hell auf. Wiederum war die Ausgewogenheit zwischen Orchester und Solist, von Georg Mais sicher geführt, beispielhaft.

Das folgende Allegretto beginnt mit einem Thema "typisch Mozart". Der Klavierpart scheint wie ein musikalisches Lächeln, neckisch, spitzbübisch. Die Solostellen waren nicht nur ein Aufblitzen des Talentes, sondern strahlendes Leuchten.

Geniales Spiel Klavier–Bläser wurde im abschließenden Allegro demonstriert – ohne die anderen Register hintan setzen zu wollen. Ben Kim wurde von "Ersatz" immer mehr zum Glücksfall. Riesiger Applaus lohnte diese Leistung. Währen der Zugabe – der zweite Satz der Mozart-Sonate F-Dur, KV 280, hätte schon das Husten einer Maus die Stille gestört.

Nach der Pause dann die 7. Sinfonie A-Dur op. 92 von Ludwig van Beethoven. Dieses Werk war bei Musiker-Kollegen heiß umstritten. Der erste Satz mit mächtigen Tuttischlägen und drauf ruhig fließender Melodie stellt in immer wechselnden Register das Thema vor. Gut abgestuft waren hier die Wechsel zwischen Piano und Forte. Fast schien es, als sei hier ein fortwährendes Suchen dargestellt. An Fortissimostellen ließ Georg Mais den "Titanen" blitzen und donnern. Zuhören war ein Genuss, denn hier konnte das Orchester erneut seine ganze Klangfülle und -schönheit zeigen.

Auch der zweite Satz, ein Allegretto, in fast marschmäßigem Rhythmus, fand t von elegischen Passagen immer wieder zum melodischen Gegensatz.

Das Scherzo mit anschließendem Presto zeigt einen fulminanten Beginn und entwickelt sich zu einem temperamentvollen, fast tänzerisch heiteren Satz.

Das abschließende Allegro con brio wurde wirklich con brio geboten. Heller kann ein Orchester schwerlich strahlen. Abrupte Wechsel der Dynamik stellten noch einmal hohe Ansprüche an Orchester und Dirigent ehe das Werk in großen, strahlenden Akkorden endet.

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