Starken Applaus als verdienter Lohn für ein fantastisches Musikerlebnis erhielten der zierliche Violinsolist Stefan Picard sowie das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim mit seinem Gastdirigenten Georg Mais. Foto: Weber Foto: Schwarzwälder-Bote

Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim und Stefan Picard bescheren ein Musikerlebnis

Von Alwin Weber

 

Oberndorf. Es war einmal mehr ein außergewöhnliches Musikerlebnis, das die Zuhörer in der Klosterkirche geboten bekamen: Das Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim unter der Leitung von Georg Mais und Stefan Picard, ein Geiger der internationalen Spitzenklasse, bescherten ihnen einen unvergesslichen Abend.

Trotz winterlicher Straßenverhältnisse und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt war die Klosterkirche zum dritten Meisterkonzert ziemlich gut besucht.

Am Anfang stand "Ahnung", ein Albumblatt für Klavier von Robert Schumann. Es wurde, wie es im Programm heißt, "vervollständigt und für Orchester gesetzt von Georg Mais". Es ist dem Dirigenten des Abends gelungen, das Wesen dieses Klavierwerks auf die Familie der Streichinstrumente zu übertragen. Hier hatte auch das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim Gelegenheit, sich vorzustellen und seine klanglichen Qualitäten zu zeigen. Diese Klangfülle kam der Serenade für Streicher C-Dur op. 48 von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky sehr entgegen, denn der Komponist baut weite Melodiebögen, die dieses Orchester mit Spannung erfüllt. Ist der Walzer auch ein Ohrwurm, so wurde diese kompliziert aufgebaute Musik glasklar gespielt. Die Elegie verklang in feinstem Piano. Das Ende der gesamten Serenade, das Orchester von Georg Mais mit beredter Körpersprache geführt, war ein mächtiger "Tuttiklang con brio".

Nach der Pause wurde das Publikum mit "Die vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi musikalisch "in nuce" durch einen gesamten Jahreslauf geführt. Im Mittelpunkt der Aufführung stand Violin-Solist Stefan Picard, zierlich von Gestalt, doch ein Riese an der Violine, dessen Spiel bei vielen Besucherinnen und Besuchern lange in Erinnerung bleiben wird. Schon beim Allegro des "Frühlings" wurde klar, dass hier ein Ausnahmegeiger musiziert. Vom Orchester, unter kluger Leitung von Mais, wurden die ersten Takte des "Sommers" in ihrer Hitze nacherlebbar. Die auf der Violine von Picard dargestellten Vogelstimmen bezauberten. Bezwingend das losbrechende Sommergewitter wie auch die Jagd im "Herbst". Die Kälte des "Winters" in Satz eins und die Behaglichkeit, die der zweite Satz ausströmt, standen in tiefem – gewollten – Kontrast. Riesenapplaus gab es für Stefan Picard, das Orchester und Georg Mais. Die Wiederholung des zweiten "Wintersatzes" wurde gerne gewährt.