Fans und Skeptiker informieren sich am Mittwochabend über das Nationalparkprojekt im Schwarzwald. Fotos: Schnekenburger Foto: Schwarzwälder-Bote

Wolfgang Schlund leuchtet im Schwedenbau die Geschichte und das Ziel eines Nationalparks Schwarzwald aus

Von Bodo Schnekenburger

Oberndorf. Die Wogen schlagen hoch, am oberen Neckar nicht ganz so hoch wie im Nordschwarzwald, doch auch hier ist das Thema Nationalpark eines. Volkshochschule und BUND/Nabu-Ortsverein haben jetzt zu einem Vortrag eingeladen.

An die 60 Interessenten sind der Einladung in den Schwedenbau gefolgt – Befürworter, Kritiker, Skeptiker, Fans und Gegner des Projekts, wie bei der anschließenden Fragerunde deutlich werden sollte. Im Titel gab man sich erst gar nicht die Mühe, Parteilosigkeit zu suggerieren: "Ja zum Nationalpark Schwarzwald – Gewinn für Mensch und Natur" war die Veranstaltung überschrieben. Referent Wolfgang Schlund, Geschäftsführer des Naturschutzzentrums Ruhestein, ließ keinen Zweifel daran, dass er sich auf den Park freut, so er denn kommen wird. Der Vortrag war indes nicht eindimensional auf die Beförderung der Realisierung ausgerichtet. Schlund legte zunächst die Zeitschiene dar, die deutlich weiter zurückreicht als zum Regierungswechsel im Land. Die Konzepte, die der Biologe Schlund für den Naturschutz und der Forstwissenschaftler Thomas Waldenspuhl, Leiter der Abteilung Natur und Gesellschaft bei der forstlichen Versuchsanstalt, entwickelt haben, sind älter. Ideen zum Nationalpark Schwarzwald habe es bereits in den 1990er-Jahren gegeben, wiederbelebt 2009, als Bemühungen zur Errichtung eines Biosphärengebiets im Südschwarzwald nördlich der Kinzig die Frage aufwarfen, ob dieser Teil des Schwarzwalds "leer ausgehen" solle. Die Touristiker hätten die Frage aufgeworfen, ob ein Nationalpark das Richtige sei. Viel wurde inzwischen geplant, geforscht, geredet und Schritt für Schritt auf dem Weg zu einer effektiven Umsetzung eines möglichst konsensfähigen Konzepts gegangen. Beschließen wird der Landtag, der für den Nationalpark ein Gesetz erlassen muss. Am 28. November geht die Vorlage in Stuttgart in die zweite Lesung.

Der Prozess ist also schon weit fortgeschritten. Schlund legte die rechtlichen Voraussetzungen, die Idee der Nationalparks überhaupt, die es in der Mehrzahl der Länder weltweit mit allen möglichen ideologischen Ausrichtungen und Regierungsformen gibt, und die Überlegungen, die zur Verortung möglicher Flächen geführt haben, mit Pro und Contra dar. Der Schutz der Artenvielfalt auf der Gebirgsrückenlandschaft soll, auch das machte er klar, nicht auf dem Rücken von Waldbauern und Sägern erfolgen, was letztlich zu der konkreten Gebietskulisse und einem Schutzkonzept – Stichwort "Borkenkäfer" – führte. Orientiert ist es an der Granit/Gneis- und Buntsandsteingrenze im Staatswald – plus Baden-Badener Stadtwald – und dort, wo ohnehin schon umfangreiche Naturschutzflächen verschiedener Kategorien ausgewiesen sind. Für Abnehmer des Holzes aus der Nationalparkkulisse soll es Ersatz aus benachbarten Revieren geben.

Und dann ist der Park auch kein Tabu. Dann hätte er kaum Akzeptanz, Über ein intelligentes Leitkonzept soll er für Menschen erschlossen werden. Daran zweifelten die Besucher auch nicht. In der Diskussion äußerten sie vielmehr Sorge, ob der Naturwald nicht eine Verschlechterung der Ökobilanz mit sich bringe, ob der Aufwand für ein paar Pflanzen und Tiere notwendig ist, ob es sich das Land überhaupt erlauben könne auf den Holzertrag zu verzichten. Kann es, rechnete Schlund vor, und weil die Bäume in ihrem natürlichen Lebenszyklus viel länger stehen und Kohlendioxid binden, dürfen sie in den paar Jahren, in denen sie vergehen, auch etwas abgeben.

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