Peter Maffay wuchs bei seinem Konzert in Freiburg sprichwörtlich über sich hinaus. Foto: Deckert Foto: Schwarzwälder-Bote

Peter Maffay zieht in Freiburg das Publikum in seinen Bann / Konzertprogramm mit rockigem Akzent

Von Ralf Deckert

 

Freiburg. Ist er Schlager, ist er Rock, oder ist er beides? Nein, er ist mehr, dieser Peter Maffay, der in der rappelvollen Freiburger Rothausarena am Dienstagabend ein umjubeltes Konzert gab.

Vom solo und akustisch dargebotenen "Steppenwolf" zum Auftakt, gespielt auf einer Minibühne mitten in der Halle, über krachende Rocker wie "Sonne in der Nacht" und "Eiszeit" bis hin zu Schlager wie "Du" und "Es war Sommer" löste der 61-jährige sein Versprechen ein, das Publikum auf eine Zeitreise durch seine vier Jahrzehnte dauernde Karriere mitzunehmen.

Dabei verzichtete er zugunsten der Rockigkeit auf überproduzierten Bombast, der seine letzte Platte "Tattoos", deren Titel nun auch Tourneemotto ist, eher schwer genießbar machte. Das Publikum feierte seinen Star vom Start weg mit lautem Jubel, schon nach kurzer Zeit gab es für "Es war Sommer" die ersten stehenden Ovationen in der bestuhlten Halle.

Mit der Harley aufdie Bühne gebraust

Bescheidenheit ist nicht Maffays Ding: Er kommt mit der Harley auf die Bühne und hat drei Gitarristen am Start, darunter seinen langjährigen musikalischen Partner und Produzenten Carl Carlton, dessen Slide-Gitarre "So bist Du" vom Schlager zur gefühlvollen Rockballade mutieren lässt. Ebenfalls dabei sind die Maffay- und Lindenberg-Urgesteine Bertram Engel am Schlagzeug und Jean-Jacques Kravetz am Klavier, sowie dessen Sohn Pascal an Gitarre und Keyboards, Bassist Ken Taylor und Gitarrist Peter Keller – alle schütteln sie ihr Handwerk locker und routiniert aus dem Ärmel.

Maffay hat ein über 30-köpfiges Orchester dabei, das man zwar über weite Strecken hinter der Band nur sieht und kaum hört, das aber Akzente setzt, sei es in der rein orchestralen Begleitung von "Ewig" oder auch zu Beginn des Abends, wo es sich für den Vorspann eines Science Fiction Films mit entsprechendem Bombast empfiehlt.

Gänsehautfeeling für Publikum und Musiker

Und: Das Publikum ließ zum Beispiel bei "Über sieben Brücken musst du gehen" auch die Musiker nicht unberührt. Dieses Lied, so Maffay nach dem Song, habe nie seine Kraft verloren: "Es wächst!"

Die besten Momente bietet jedoch Maffays Ausflug ins Akustik Metier: Auf der kleinen Bühne in der Hallenmitte gibt er dem Publikum, mit dem er gern und sympathisch plaudert, Einblicke in seine Songwerkstatt, spielt mit Carlton, Keller und dem hervorragenden Mundharmonikaspieler Chris Kramer seine Songs, darunter den aktuellen Bluesfetzer "Ich bin nur ein Mann", so, "wie sie entstehen".

Hier, ohne Band und Orchester, beeindruckt Maffay, dessen Stimme so unverbraucht ist wie seine durchtrainierten Oberarme beeindruckend sind, als puristischer Bluesrocker, der mit frenetischem Applaus gefeiert wird.

Dass nach diesem kurzen Ausflug zu den Wurzeln die Maffay-Band mit Rockklassikern ihrer Wahl, darunter "Radar Love" von Golden Earring oder "Saturday Night´s Alright For Fighting" von Elton John ihren großen Moment des Abends hat, irritiert dann fast schon.

Am Ende der fast drei Stunden übernimmt wieder Peter Maffay das Ruder – mit Klassikern wie "Josie" und "Nessaja" klingt der Abend aus.