Verwaltungsspitze, städtische Amtsleiter und Mitglieder des Gemeinderatsausschusses für Technik und Umwelt sehen sich im ehemaligen evangelischen Lehrerwohngebäude um. Foto: Danner

Ausschuss für Technik und Umwelt besichtigt das Gebäude Wasserfallstraße 41. Mit Kommentar

Oberndorf - Kein Schimmelgeruch, keine vom Einsturz bedrohten Wände – beim Besichtigungstermin mit den Mitgliedern des Gemeinderatsausschusses für Technik und Umwelt (TUA) präsentierte sich das Gebäude Wasserfallstraße 41 zwar nicht in einem Top-Zustand. Einen maroden Eindruck in seiner Bausubstanz machte es allerdings auch nicht.

 

Im laufenden Haushalt der Stadt Oberndorf sind für den Abriss des ehemaligen evangelischen Lehrerwohnheims 55.000 Euro eingestellt. Auf Antrag der SPD-Fraktion ist der Posten derzeit noch mit einem Sperrvermerk versehen. Fraktionssprecherin Ruth Hunds hatte um eine Besichtigung des Gebäudes gebeten. Diese fand nun am Mittwoch mit dem TUA statt.

Vergangene Woche hatte der Schwarzwälder Bote darüber berichtet, dass ein Fachmann auf Eigeninitiative in dem Haus war und es unter die Lupe genommen hat. Der Zimmermeister fand eine intakte Bausubstanz und kaum Schimmel vor.

Bürgermeister Hermann Acker verwahrte sich nun bei der Besichtigung mit den Stadträten dagegen, er habe ihnen "Lügen aufgetischt". Zwar habe er von einem maroden Zustand gesprochen. Zum Thema Schimmel hätte sich jedoch nicht die Verwaltungsspitze, sondern der Leiter des Hochbauamts, Harald Ginter, geäußert. Auch er war beim Ortstermin dabei und betonte, damit habe er keinen aktuellen Schimmelbefall gemeint. Jedoch habe es bereits mehrfach Schimmelsanierungen in dem Haus gegeben. Ginter hatte Fotos vom Zustand vor den Sanierungen dabei, die in der Tat Sporenbefall zeigten.

Er habe deshalb auch eine Überprüfung im Hinblick auf Gesundheitsgefährdung für angezeigt gehalten, bevor jemand das Haus für eine Besichtigung betrete. Es habe einen Wasserschaden gegeben. Schimmelausblühungen könnten jederzeit wieder auftreten.

Die Fachfirma scheint bei der Sanierung gute Arbeit geleistet zu haben. Denn am Mittwoch hielt sich der Anblick von Schimmel doch sehr in Grenzen.

Die Stadt habe das Gebäude 2013 von der OWO übernommen, die nicht mehr bereit gewesen sein, darin zu investieren. Dies sei von vorneherein mit dem Ziel geschehen, es irgendwann einmal abzureißen, um eine Erweiterungsfläche für das Wasserwerk zu haben, erläuterte Acker den Standpunkt der Verwaltung. Und dieser Zeitpunkt sei jetzt eben gekommen.

Der Bauhof zieht vom Schwedenbau ins Jetter-Areal. Für die Flaschnerei gebe es dort aber keinen Platz. Der Bürgermeister möchte sie neben dem Wasserwerk stationiert wissen.

Bis zum Sommer waren in der sogenannten Härdtner’schen Villa Flüchtlinge untergebracht. Nachdem jedoch die Heizung kaputt gegangen war, und man aufgrund ihres Alters keine Ersatzteile mehr habe beschaffen können, habe man die Menschen in die "Linde" nach Hochmössingen und in das Gebäude Wettestraße 5 umgesiedelt. Ein Wasserschaden in einem der Bäder habe ein Übriges getan.

Laut Acker bedeute eine Sanierung des Gebäudes einen Rückbau bis auf den Rohbau. Alle Leitungen – sanitär und elektrisch – müssten erneuert werden. Nach der Erfahrung mit dem Schuhmarktplatz 13 werde man das ganz sicher nicht in Angriff nehmen. "Wir wollen nicht noch einmal solche Prügel beziehen", so Acker.

"Vielleicht ist das Gebäude erhaltenswert. Aber wenn man saniert, dann ist eine Million weg", meinte CDU-Stadtrat Ralf Heinzelmann. Den Dachstuhl hält er, selbst Zimmermann, für intakt.

Freie-Wähler-Stadtrat Nicolas Pfisterer kam auf das Thema "Erhaltung alter Baukultur in der Stadt" zu sprechen. Das Wasserwerk sei doch ohnehin zu groß dimensioniert.

Sein Vorstoß, sich eventuell nach einem Investor umzusehen, lief beim Bürgermeister jedoch ins Leere. Kein Betrieb würde sich auf "alle Zeiten die einzige Möglichkeit einer Erweiterung" nehmen lassen, so Acker.

"Wenn das Grundstück erst mal verkauft ist, dann ist es weg."

Kommentar: Zweierlei Maß?

Von Marcella Danner

"Es wäre schon schad’ drum." "Der Dachstuhl ist völlig in Ordnung." "So schlimm sieht’s ja gar nicht aus." Die leisen Kommentare einiger Stadträte im Anschluss an die Besichtigung des Gebäudes Wasserfallstraße 41 lassen es erahnen: Glücklich wären sie über den Abriss des Hauses nicht. Auf die während der Besichtigung gestellte Frage von FWV-Stadtrat Nicolas Pfisterer zum Thema "alte Baukultur in der Stadt erhalten" und "vielleicht doch mal nach einem Investor suchen" gab es von Bürgermeister Hermann Acker eine klare Absage.

Das Grundstück, auf dem das Haus steht, sei die einzig mögliche Erweiterungsfläche für das Wasserwerk. Das gilt allerdings schon jetzt als überdimensioniert. Als es darum ging, den "Mauserparkplatz" an die Firma Aldi zu veräußern, hatte man weniger Bedenken. Obwohl Landschaftsarchitektin Elke Ukas in ihrem viel gelobten Rahmenplan für das "Grünprojekt 2035" diese Fläche für einen zusammenhängenden "grünen Gürtel" vorsieht.