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Oberndorf a. N. Die Förster haben alle Hände voll zu tun

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Aufmerksam lauschen die "Bürger für Bürger" Forstrevierleiter Simon Köninger (Dritter von rechts, vorne).Foto: Wolf Foto: Schwarzwälder Bote

"Ich sehe es als meine vorrangige Aufgabe an, den Wald zu retten. Die Betriebswirtschaft kommt erst an zweiter Stelle", bekräftigte Simon Köninger, der Leiter des Forstreviers Oberndorf, beim Begang des Waldes rund um die Wisoch-Hütte.

Oberndorf. Die "Bürger für Bürger" hatten im Rahmen ihres Programms "Unser Leben – unser Klima – unsere Umwelt – unsere Zukunft" noch vor dem Versammlungsverbot dazu eingeladen.

Wie sehr die "Bürger für Bürger" mit ihrem Informations- und Exkursionsprogramm auf das Interesse der Oberndorfer stoßen, zeigte sich erneut. Mehr als 30 Teilnehmer hatten sich bei der Wisoch-Hütte eingefunden, obwohl es zuvor tagelang geregnet hatte und das Wetter auch an diesem Nachmittag nicht gerade einladend war. Dass den Oberndorfern ihr Wald und dessen Zustand am Herzen liegt, bewiesen die Teilnehmer, indem sie den Förster geradezu mit Fragen eindeckten.

Weiteres Katastrophenjahr

Köninger machte deutlich, dass der Wald trotz der recht nassen Monate immer noch unter den Folgen der extremen Trockenheit 2018 leidet. "Nach den Prognosen der Forstverwaltung droht uns auch 2020 für den Wald nochmals ein Katastrophenjahr." Der Borkenkäfer und solche extremen Stürme wie "Sabine" und "Bianca" setzten den durch die lange Trockenheit geschwächten Bäumen besonders zu. Wie Köninger erklärte, hätten sich bei den Tannen, Fichten und Laubbäumen in den Trockenjahren 2018 und 2019 die Wurzeln soweit zurückgebildet, dass sie selbst jetzt nach den Regenmonaten Schwierigkeiten mit einer ausreichenden Wasseraufnahme hätten.

Derzeit könnten die Förster und Waldarbeiter nicht über mangelnde Arbeit klagen, vielmehr sei das Gegenteil der Fall, machte Köninger deutlich. So hätten die beiden Stürme Sabine und Bianca allein 2500 Festmeter Sturmholz geworfen. Das sei ein Drittel der geplanten Jahreseinschlagmenge. Es dürfte bis Ende Juni dauern, bis das Sturmholz vollständig aufgearbeitet worden sei.

Sorge bereitet dem Förster nun aber vor allem der Borkenkäfer. Er hoffe deshalb auf ein nasses und kühles Frühjahr. Das bremse die Käferpopulation am besten. Außerdem seien die Bäume widerstandsfähiger, je mehr sie Wasser aufnehmen könnten.

Wie Köninger bekräftigte, setzen die Forstbehörden im Wald direkt keine chemische Keule in der Bekämpfung des Borkenkäfers ein. "Allein wenn das Holz auf Poldern liegt, kommen wir nicht umhin, mit chemischen Mitteln zu spritzen. Natürlich stehen wir unter einem gewissen betriebswirtschaftlichen Druck und müssen daher planvoll vorgehen", unterstrich Köninger.

Priorität habe aber die Rettung des Waldes. Köninger verwies auf das Eschen-Sterben und die Rußrindenkrankheit, die gerade den Ahorn bedrohe. So werde die Forstwirtschaft bei der Aufforstung zukunftsträchtige standortgeeignete Baumarten anstatt der Fichte, beim Nadelholz beispielsweise die Douglasie, pflanzen. Der Wald werde sich generell eher Richtung Laubbäume entwickeln.

"Wir setzen aber auch stark auf die Naturverjüngung, zum Beispiel bei der Tanne", stellte Köninger fest. Dabei bereite ihm allerdings der häufig zu hohe Wildverbiss Kopfzerbrechen. Der Aufwand für chemischen beziehungsweise mechanischen Verbissschutz sei hoch und recht kostenintensiv. Aus diesem Grund würden "gute Jagdpächter", die ihre festgelegten Abschusszahlen voll erfüllten, belohnt, indem sie in die Verbissklasse eins eingestuft würden. Damit müssten sie nur einen Euro pro Hektar für ihre Jagdpacht zahlen, in der Verbissklasse zwei seien es bereits 7,50 Euro und in der Verbissklasse drei gar 15 Euro pro Hektar.

Natürliches Refugium

Köninger ging kurz auf das Alt- und Totholzkonzept in Oberndorf ein, bei dem auf einer Fläche von insgesamt 70 Hektar im Neckartal forstwirtschaftlich nichts mehr gemacht werde. Das Ziel sei, dort einen Urwald zu schaffen. "Die Stadt möchte damit Ökopunkte sammeln, ich will hier Naturschutz beziehungsweise ein natürliches Waldrefugium", machte Köninger die unterschiedlichen Beweggründe deutlich.

Nach dem zweistündigen Waldrundgang bedankte sich "Grünkappen"-Chef Robert Häring bei Revierleiter Köninger für seine Ausführungen.

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