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Oberndorf a. N. Dauerlösung ist beschlossene Sache

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Die evangelische Kirchengemeinde hat der Stadt gestattet, eine Boller Kindergartengruppe übergangsweise im Erdgeschoss des Gemeindehauses unterzubringen. Foto: Cools Foto: Schwarzwälder Bote

Erleichterter Applaus zahlreich erschienener Eltern füllte die Klosterkirche am Dienstagabend, als im Gemeinderat die Entscheidung für eine dauerhafte Lösung bei der Kindergarten-Erweiterung Boll fiel. Von einer einstimmigen Entscheidung war der Rat jedoch ein ganzes Stück weit weg.

Oberndorf. Nachdem bereits im Ausschuss für Technik und Umwelt bekannt geworden war, dass aus dem Modulbau für den evangelischen Kindergarten in Boll nichts wird und stattdessen ein konventionelles Gebäude für rund eine halbe Million Euro erstellt werden soll, gab es im Gemeinderat reichlich Redebedarf zur Neuentwicklung.

Eines machte Ruth Hunds (SPD) zu Beginn deutlich: Wenn es während einer Ausschreibung zu Problemen komme oder eine enorme Kostensteigerung zu erwarten sei, müssten die Fraktionen künftig vorzeitig darüber informiert werden und nicht erst in der Sitzung. Bürgermeister Hermann Acker räumte ein, dass er den Unmut nachvollziehen könne. Hunds meinte zudem, dass sich die Stadt früher hätte an die Arbeit machen müssen: "Wenn eine Modulbauweise als echte Alternative zum Massiv- oder Fertigbau angestrebt worden wäre, hätte dies sicher einer längeren Vorbereitungsphase bedurft."

Ein Beigeschmack bleibt

Dennoch stehe man zum Beschluss, dass in Boll Plätze geschaffen werden, auch wenn die Bedingungen, die die Kirche an die Stadtverwaltung gestellt habe, einen unguten Beigeschmack hätten. Die evangelische Kirchengemeinde hat als Provisorium die Räumlichkeiten im evangelischen Gemeindehaus zur Verfügung gestellt, in Erwartung, dass der ursprünglich geplante Modulbau dann auch am Standort Boll errichtet wird

Dass letztlich nur die Möglichkeit der konventionellen Bauweise bleibt, habe nicht an der Ausschreibung gelegen, machte Acker deutlich. Man habe alles zugelassen und explizit nach einer versetzbaren Lösung gesucht. Letztlich habe der Markt das aber nicht hergegeben, so dass das Angebot der Zimmerei Heinzelmann für eine konventionelle Bauweise das günstige war – auch wenn die Gesamtkosten damit auf 480 000 Euro statt der ursprünglich geplanten 200 000 Euro steigen.

"Wenn wir die Vergabe heute nicht tätigen, müssen wir sie aufheben und neu ausschreiben. Dann reicht es auf keinen Fall bis zum nächsten Kindergartenjahr", gab Acker zu bedenken. Er halte die dauerhafte Lösung inzwischen für nachhaltiger und besser zur Entlastung.

"Aistaiger Modell" im Kopf

Wolfgang Schittenhelm (FWV) erkundigte sich nach Zuschüssen. Anders als bei der Containerbauweise könnte man für den konventionellen Bau eine Förderung von bis zu 130 000 Euro bekommen, stellte Acker in Aussicht. Die Nachfrage nach den Mitteln sei aber immer sehr groß.

Mancher Stadtrat habe sich an der "Aistaiger Lösung" – dort wurde das Unterbringungsproblem über einen Modulbau gelöst – festgebissen, meinte Dieter Rinker (FWV). Letztlich sei der konventionelle Bau auch mit Blick auf die Kosten, die bei einem Container ebenfalls hoch gewesen wären, die bessere Lösung – mit Zuschuss sowieso, fand er.

Bochingens Ortsvorsteher Martin Karsten (CDU) sah das anders. Im Juli habe man beschlossen, den Kindergarten in Boll vorübergehend zu erweitern, und nun spreche man über eine endgültige Erweiterung dort ohne eine langfristige Bedarfsermittlung als Basis, kritisierte er. Während 2020 in Bochingen 22 Kinder geboren wurden, seien es in Boll gerade einmal acht gewesen. Eigentlich hätte die vorübergehende Lösung nach Bochingen gehört – auch, weil die Bedingungen dort besser seien, meinte er.

Dem Provisorium am Standort Boll habe man nur vor dem Hintergrund zugestimmt, dass auch eine Erweiterung in Bochingen weiter vorangetrieben wird.

"Ich bin gottfroh, dass die Kinder dank der Kirche dieses Jahr untergebracht werden konnten", sagte Acker. Diese Möglichkeit habe es nur zu der Bedingung gegeben, dass auch die Erweiterung in Boll geplant wird. Dass es in Bochingen Bedarf gebe und man danach ebenfalls schauen müsse, sei klar.

Gesamtstädtische Lösung

Acker appellierte an das Gemeinschaftsgefühl für eine gesamtstädtische Lösung. "Wir sollten nicht als Boller oder Bochinger denken, sondern als Gesamtstadt. Die Eltern sollen auf der Basis des Angebots wählen, wohin sie ihre Kinder schicken. Es wäre fatal, wenn nur Bochinger in Bochingen und nur Boller in Boll wären. Wir möchten die Angebotsvielfalt erhalten."

Schittenhelm sagte, dass es keine Rolle spiele, ob der Bochinger Ortschaftsrat dagegen sei. Dort, wo es Bedarf gebe, müsse man Plätze zur Verfügung stellen. Man trage die Verantwortung zum Wohl der Kinder. Jens Glatthaar (FWV) meinte zudem, eine dauerhafte Lösung für Boll abzulehnen, könne man den Bürgern nicht vermitteln. Peter Gaberle (CDU) bezeichnete die Absicht, einen dreigruppigen Kindergarten in drei Gebäuden einzurichten, hingegen als "Steuerverschwendung in höchstem Grad".

Vor der Abstimmung wollte Wolfgang Hauser (CDU) noch wissen, ob man den Beschluss an die Bedingung einer Zusage für die Förderung knüpfen könne. Hans-Joachim Ahner, Amtsleiter für Kultur, Bildung und Sport, machte aber deutlich, dass vor März 2021 keine Zusage zu erwarten und es dann folglich zu spät sei, um den Bedarf rechtzeitig decken zu können.

Die dauerhafte Lösung am Standort Boll mit einem konventionellen Gebäude wurde mit zwölf Ja-Stimmen beschlossen.

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