Leidenschaft: Ballerina Kristina Metova wurde fünf Monate nach der Geburt ihrer Tochter Europameisterin
Vor fünf Jahren kam Kristina Metova aus Moskau, wo sie berühmt war, nach Oberndorf. Die Sprachbarriere und die Sehnsucht nach der Heimat ließen sie zunächst an ihrer Entscheidung zweifeln. Doch nun, fünf Monate nach der Geburt ihrer Tochter, zeigt Metova, dass mit Willenskraft einiges möglich ist.
Oberndorf. "Bis zum letzten Tag vor dem Wettkampf wusste ich nicht, ob ich fahren würde", verrät die Ballerina und schaukelt ihre Tochter Kana Maria auf dem Schoß. Kana ist eine Kombination der Vornamen von Metovas Eltern: Kai und Natalia. Die Kleine ist erst fünf Monate alt, dennoch hat Metova bereits ihre alte Figur zurück. Doch nicht nur das. "Ich bin auch Europameisterin in der Rubrik Classic/Ballet geworden", sagt sie stolz. Es ist der erste Titel dieser Art für Metova, die in Moskau im Ballett "La Classique" tanzte, ihre eigene Truppe gründete, ein eigenes Lied aufnahm und parallel noch modelte.
Das Tanzen liegt der Russin im Blut. Auch in Deutschland verdient die 30-Jährige ihr Geld als Trainerin für rhythmische Sportgymnastik sowie mit Model- und Tanzkursen, bei denen sie Kindern vor allem Natürlichkeit, Körperspannung und Selbstbewusstsein vermitteln will.
Selbst in der Schwangerschaft verlor sie die Lust am Ballett nicht. "Das Tanzen hat mir sehr geholfen, ich hatte keinerlei Beschwerden", sagt sie. "Ich will nach der Geburt so schnell wie möglich wieder starten. Sport ist gut für die Beweglichkeit und für den Kopf", hatte sie zu Beginn ihrer Schwangerschaft angekündigt – und offenbar auch durchgezogen.
Kurse für Kinder
In der Ballett- und Tanzschule Dance Performance in Reutlingen trainierte sie nach der Geburt und gab auch Kurse für Kinder. "Im April fragten sie mich, ob ich an der Europameisterschaft teilnehmen will", erzählt sie. Für sie sei es eine gute Motivation gewesen, schnellstmöglich wieder in Form zu kommen. "Man braucht ein Ziel." Bei der Betreuung der kleinen Kana wurde sie nicht nur von ihrem Mann, sondern auch von ihrer Oma aus Moskau unterstützt. "So hatte ich täglich ein paar Stunden, die ich dem Sport widmen konnte", erzählt Metova. Auch zwei ihrer Schützlinge waren für die "European Championships in Musical and Showdance" gemeldet – eine zusätzliche Herausforderung. "Ich war wegen der Mädels aufgeregter als wegen der Jury. Ich bin ja ihre Lehrerin", meint die Ballerina. Sie hatte zwar die German Open verpasst, bei denen man sich für den europäischen Wettbewerb qualifiziert, durfte aber an einer Präqualifikation in Spittal an der Drau (Österreich) teilnehmen. "Ich habe drei Tage lang quasi nur getanzt – Qualifikation, Halbfinale und Finale", erzählt Metova lachend. Das alles habe sie sehr angestrengt. Sieben Stunden Fahrt, trainieren, die Kinder coachen, die Kleinen vorbereiten, schminken und nebenher noch Töchterchen Kana bespaßen. Metova zeigte der Jury einen Tanz aus dem Ballett Esmeralda. Von eigenen Choreographien hält sie nicht viel. "Klassik muss für mich Klassik sein", sagt die 30-Jährige. Damit holte sie den Titel.
Und auch ihre Schützlinge wurden in der Kategorie Ballett Sieger. "Nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Da starte ich aber dann ganz normal zuerst bei den German Open", kündigt Metova schon an.
Auch ihre Idee eines Mutter-Kind-Kurses hat die russische Tänzerin in Sulz bereits umgesetzt. "Ein Kind motiviert einen, Neues zu versuchen und sich auf Dinge einzulassen", erklärt sie ihren Tatendrang. Ganz perfekt sei ihre Leistung bei der EM noch nicht gewesen, merkt Metova trotz der Freude über den Titel noch an. "Ich bin sehr kritisch und werde weiter hart arbeiten", sagt sie. Und bei der jungen Frau wirkt es tatsächlich als sei es ziemlich einfach, Arbeit, Sport und Muttersein unter einen Hut zu bekommen – wenn man alles gibt.