Edeltraud Schreiber und ihre Tochter Martina Schreiber-Kopp schließen im März den Laden. Die "Maskottchen" Fini und Filou dürfen auf dem Foto natürlich nicht fehlen. Foto: Danner Foto: Schwarzwälder Bote

Handel: "Textil Schreiber" schließt im März

Oberndorf-Bochingen. Edeltraud Schreiber ist mit ihren 77 Jahren schon lange im Rentenalter. Nichtsdestotrotz betreibt die agile Geschäftsfrau ihren Laden in der Balinger Straße in Bochingen immer noch mit viel Herzblut und voller Elan. 1972 hat sie ihn gegründet. Eigentlich wollte sie die "50" noch voll machen.

Doch seit die L 415 gesperrt ist –­ und es wohl bis Ende April bleiben wird –­ ist der gelernten Damenschneiderin die Lust vergangen. Gemeinsam mit ihrer Tochter Martina Schreiber-Kopp, die seit vielen Jahren als Fachkraft bei ihr beschäftigt ist, hat sie sich nun entschlossen, im März zu schließen. Leicht fällt ihr das nicht. Denn "das Geschäft ist mein Leben".

Einst betrieb sie in Witterhausen eine florierende Nähstube mit Stoffverkauf. Weil sie aber keinen Meistertitel vorweisen konnte – schließlich hatte sie sich auch noch um ihre beiden Kinder zu kümmern – gab sie diese schweren Herzens auf und suchte eine neue Herausforderung. Für das Ladengeschäft in Bochingen entschied sie sich wegen seiner guten Lage an der Durchgangsstraße. Seit der andauerenden Baustelle an der L 415 und der damit verbundenen Umleitung ist diese nun flöten.

Bis 1985 war Edeltraud Schreiber im Gebäude zur Miete, dann wurde sie Eigentümerin. Ihr Mann Harald, ein gebürtiger Hannoveraner, stieg schließlich mit ins Geschäft ein. Vor zehn Jahren starb er. Seither wuppt sie "Textil Schreiber" alleine, tatkräftig unterstützt von ihrer Tochter.

Martina Schreiber-Kopp ist gelernte Textilgroßhandelskauffrau und vielen auch noch von ihrem Laden "Tinas Modetreff" auf dem Lindenhof bekannt. Langjährige Mitarbeiter wie eine Schneiderin, eine Dekorateurin und eine Reinigungskraft komplettierten das Team.

Ihre Kundinnen wissen den Service und die Beratung zu schätzen, betont Edeltraud Schreiber. Denn Änderungen, zugeschnitten auf "Problemfiguren" auch für Menschen mit Behinderung, gehören zum Tagesgeschäft. Viele ältere Stammkunden kommen auch von weit her. Um sie tut es der Chefin besonders leid. "Wo finden sie denn noch so ein Geschäft wie das unsere?" Mit einem Räumungsverkauf verabschieden sich Edeltraud Schreiber und Tochter Martina Schreiber-Kopp nun von ihrer Kundschaft – ­und mit einer Träne im Augenwinkel.

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