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Oberndorf a. N. Auf Sportplatz gedriftet: Dauerarrest für 19-Jährigen

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Ein Bild der Zerstörung mit einem Schaden in Höhe von rund 800 Euro haben zwei heranwachsende im Februar auf dem Sportplatz in der Dollau angerichtet. Foto: Privat

Oberndorf - Zwei Heranwachsende, die mit ihren Autos auf dem Sportplatz in der Dollau gedriftet sind und großen Schaden angerichtet haben: Fälle wie diese sind keine Seltenheit, weiß Amtsgerichtsdirektor Wolfgang Heuer. Zu leiden habe darunter meist der Steuerzahler.

"Manche müssen erst am Boden ankommen, um zu merken, was los ist", meinte Wolfgang Heuer, als er am Oberndorfer Amtsgericht einen 19-Jährigen aus dem Kreis Rottweil zu zwei Wochen Dauerarrest verurteilte. Er war mit einem Kumpel im Februar mit seinem Auto über den Rasenplatz gedriftet und hatte dabei ein Bild der Zerstörung mit einem Schaden in Höhe von rund 800 Euro hinterlassen.

Außerdem war er im Oktober zuvor mehrmals beim Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie mit einem Auto ohne Haftpflichtversicherung und mit falschen Kennzeichen von der Polizei aufgegriffen worden.

Angeklagte geständig

Zur Aufklärung des Sachverhalts halfen die Aussagen der Polizeibeamten. Weitere geladene Zeugen konnten nur marginal dazu beitragen, zumal einer nicht einmal sagen konnte, wie die letzte Schule hieß, die er selbst besucht hatte. Die beiden Angeklagten waren jedoch geständig, so dass das Gericht sich auf ihre Aussagen stützen konnte.

An jenem Abend habe jemand auf dem Sportgelände seinen Geburtstag gefeiert, berichtete der 19-jährige Angeklagte. "Also habt ihr die Sau rausgelassen?", fragte Richter Heuer. "Wir haben einfach nicht nachgedacht. Das war Leichtsinn", erwiderte der Angeklagte. Er habe nur angeben wollen, gab er zu.

Das Auto habe er sich gekauft, um es herzurichten und später seinen Führerschein zu machen. Dieser Wunsch rückt nun durch das Urteil in weite Ferne.

Junger Mann hat bereits einige Vorstrafen

Der gleichaltrige Kumpel des 19-Jährigen besaß zumindest eine Fahrerlaubnis und wurde lediglich zu 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. "Von jemandem, der einen Führerschein hat, erwartet man verantwortungsvolles Verhalten", machte Heuer klar.

Dennoch: Auch wenn der junge Mann einige Vorstrafen habe, unter anderem wegen Körperverletzung und Betäubungsmitteln, so sei seine Mühe, einen Job zu finden und sein Leben auf die Reihe zu bekommen, glaubhaft, attestierte ihm die Jugendgerichtshilfe. Die Tat sei eine jugendtypische Verfehlung und eine Arbeitsauflage ausreichend angesichts der Tatsache, dass er in seiner Entwicklung schon große Schritte getan habe.

Wieder ohne Führerschein

Anders sah die Jugendgerichtshilfe das bei dem 19-Jährigen ohne Führerschein. Auch er wies schon einige Eintragungen im Bundeszentralregister auf, etwa wegen Bedrohung und Betäubungsmitteldelikten. Er habe mit seinem Drogenkonsum und Depressionen gekämpft, mittlerweile aber seinen Weg gefunden, versicherte der 19-Jährige. Ein Freund helfe ihm dabei. Eine Arbeitsstelle habe er seit einem Jahr nicht mehr gehabt, wolle aber nun eine Ausbildung beginnen.

Die Jugendgerichtshilfe schätzte die Beteuerungen des jungen Angeklagten als nicht aussagekräftig ein. Trotz eines bereits laufenden Verfahrens sei er wieder ohne Führerschein gefahren und scheine das Unrecht seines Tuns gar nicht verstanden zu haben. Im Gegenteil: Der 19-Jährige verharmlose seine Tat. Sich Hilfe zu nehmen, sehe er als Schwäche. Bei einem großen Drogenproblem wie diesen schaffe man es aber nicht allein, davon wegzukommen, war sich der Vertreter der Jugendgerichtshilfe sicher. Ein professioneller Helfer sei nötig. Zudem wurde die Gefahr, dass der 19-Jährige sein Auto wieder benutzt, als sehr groß eingeschätzt. Die Jugendgerichtshilfe schlug eine Therapie vor.

"Therapie für Uneinsichtige ist verlorene Zeit"

Richter Heuer war da anderer Meinung. Etliche Gespräche mit Experten über Jahre hinweg hätten ihm klar gemacht: "Eine Therapie für Uneinsichtige ist verlorene Zeit." Zu sagen, dass Drogen gefährlich sind, bringe in so einem Fall nichts mehr. Stattdessen müsse man den Leidensdruck so erhöhen, dass der 19-Jährige keine andere Wahl habe als umzudenken.

Ein unversichertes Auto zu fahren, sei brandgefährlich. Wenn Unfälle entstünden, könne niemand die Kosten tragen, denn der Angeklagte verfüge ja über keinerlei Geld, so Richter Wolfgang Heuer. Ein Dauerarrest sei die letzte Möglichkeit, die der 19-Jährige habe, bevor es für ihn langfristig ins Gefängnis gehe.

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