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Oberndorf a. N. Anwohnerin hat die Nase voll von Rasern

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Sabine Ziehen hat die Nase voll. Sie will stressfrei aus ihrer Einfahrt kommen. Foto: Cools

Oberndorf-Altoberndorf - Anfangs ist es ihr kaum aufgefallen, mittlerweile ärgert sie sich täglich darüber. Sabine Ziehen wohnt zwischen Epfendorf und Altoberndorf und nimmt für ihre Sicherheit Umwege in Kauf.

Dass das Thema Verkehr in Altoberndorf ein heikles ist, ist nichts Neues. Richtig heikel wird es für die Bürgerin Sabine Ziehen aber auch, wenn sie versucht, aus ihrer Einfahrt herauszukommen.

Ziehen hat vor gut vier Jahren das freistehende Haus an der ehemaligen B 14 zwischen Epfendorf und Altoberndorf "Am Steinbrünnle" gekauft. Keine Nachbarn, die einem auf die Pelle rücken und viel Platz für die Hunde, die in ihrer Pension unterkommen. Ebendiese "Abgeschiedenheit" wird ihr aber nun offenbar zum Verhängnis.

"Anfangs ist es mir nicht aufgefallen", sagt Ziehen. Die morgendliche Fahrt zur Arbeit ist für sie jedoch inzwischen zur Zerreißprobe geworden. "So schnell, wie alle an mir vorbeibrausen, habe ich keine Chance, aus meiner Einfahrt zu kommen." Den Fahrern macht sie dabei keinen Vorwurf. Es liege schlichtweg an der Beschilderung. Wer als Fahrer aus Richtung Oberndorf kommt, der ist auf Höhe der Ortschaft Alt­oberndorf dazu angehalten, maximal 60 Stundenkilometer zu fahren. Kurz nach der Einmündung, die in die Ortsmitte führt, ist die Geschwindigkeitsbegrenzung aufgehoben. "Mein Haus liegt 175 Meter von dieser Stelle entfernt. Die Fahrer haben also so lange Zeit zu beschleunigen", sagt Ziehen.

Antrag schon im September 2016 gestellt

Auf der anderen Spur kämen die Autofahrer aus Epfendorf mit mindestens 100 Stundenkilometern – aufgrund der langgezogenen Kurve auch gern mit bis zu 130 – angebraust. Das Schild, das den Autofahrer anweist, maximal 80 km/h zu fahren, kommt erst auf Höhe ihres Hauses. "Die Leute bremsen natürlich nicht schon vorher, sondern erst, wenn sie am Schild sind und sehen, dass es 175 Meter später sogar auf 60 runtergeht", sagt Ziehen.

Zu Stoßzeiten, etwa morgens, wenn Sabine Ziehen zur Arbeit nach Böhringen fahren will, sei es somit quasi unmöglich, aus der Einfahrt herauszukommen. "Bis ich eine Lücke gefunden und beschleunigt habe, hängt mir einer im Kofferraum."

Um ein möglichst kleines Risiko einzugehen, biege sie deshalb lieber nach rechts ab, um über Epfendorf zu fahren. "Und ich bin kein unsicherer Fahrer." Doch selbst, wenn sie rechts auf ihr Grundstück abbiegt, kommt sie ins Schwitzen. "Wenn ich von Oberndorf komme, fahre ich logischerweise auch nach dem aufgehobenen Tempolimit noch 60, weil ich ja gleich abbiegen muss. Ich blinke auch frühzeitig", sagt die Altoberndorferin. Die Reaktion der Autofahrer: dicht auffahren, hupen, überholen.

Im September 2016 habe sie deshalb den Antrag gestellt, das 80er-Schild ein Stück Richtung Epfendorf zu versetzen, damit die Autofahrer früher zu bremsen beginnen. "Erst einmal habe ich ewig keine Antwort bekommen. Zweimal bin ich zur Gemeinde gegangen, dann kam die Rückmeldung, dass mein Antrag abgelehnt wurde." Und das in Form eines Schreibens der Stadt, das sich auf etwas bezog, was Ziehen gar nicht gefordert hatte: die Tempo-60-Aufhebung weiter Richtung Epfendorf zu versetzen.

Begründung macht die Altoberndorferin wütend

In einer Mail teilte Jens Hartmann von der Oberndorfer Straßenverkehrsbehörde mit: "Das Landratsamt kommt in seiner Begründung zum Schluss, dass aufgrund der fehlenden zusammenhängenden Bebauung zu den Nachbarhäusern eine Ausweitung der Geschwindigkeitsbegrenzung über Ihr Anwesen hinaus nicht zwingend geboten erscheint. Ferner weist es darauf hin, dass die Sichtweiten zur Ausfahrt aus dem Grundstück bezogen auf 100 Stundenkilometer mit 200 Metern ausreichend bemessen sind."

Das sieht Sabine Ziehen anders. Sie hat das Ganze ausgerechnet: Wenn jemand aus Epfendorf mit 100 Stundenkilometern ankommt, hat sie rund sieben Sekunden Zeit, um zu schauen, aus ihrer Einfahrt zu kommen und zu beschleunigen. Aus der anderen Richtung sind es etwa neun Sekunden. Am meisten stößt ihr aber die Begründung auf. "Wegen einer Person wird also nichts gemacht. Bin ich niemand? Außerdem sind die anderen Autofahrer ebenso gefährdet, wenn sie in mich hineinbrettern."

Ein Blitzer sei ebenfalls eine Option. "Den dürfen sie gern in meiner Hecke verkabeln. Hauptsache, es tut sich etwas", sagt Ziehen. Wer wisse, dass dort oft ein Blitzer stehe, der fahre automatisch langsamer.

Generell gelte, dass eine Geschwindigkeitsbeschränkung nur dann angeordnet werden kann, wenn aufgrund besonderer Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht. Diese könnte etwa im Ausbauzustand der Strecke oder in der Verkehrsbelastung bestehen, so Corinna Bettinger von der Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes Rottweil auf Anfrage des Schwarzwälder Boten.

Anordnung bisher nicht nachgekommen

In diesem konkreten Fall sei bei einer Verkehrsschau im Dezember 2016 festgestellt worden, dass die Anfahrsicht von der Ausfahrt der Anwohnerin aus eingehalten sei. Aufgrund des vorhandenen "Geschwindigkeitstrichters" von Epfendorf kommend (erst Reduzierung auf 80, dann auf 60 km/h) sei Ziehens Wunsch dennoch entsprochen worden, so die überraschende Antwort.

Mit Verfügung vom 21. Dezember 2016 habe das Landratsamt angeordnet, das Verkehrszeichen 274-80 (zulässige Höchstgeschwindigkeit 80 km/h) um 50 Meter Richtung Epfendorf zu versetzen. Verwunderlich für Sabine Ziehen, denn passiert sei noch nichts. "Ich habe das Haus im Oktober 2015 gekauft. Seitdem stehen die Schilder so."

Kürzlich meldete sich auch die Bußgeldstelle bei ihr. "Mir wurde erklärt, dass es schwierig ist, von Epfendorf kommend zu blitzen, weil der Blitzer 150 Meter nach dem Schild stehen muss. Da ist man fast im Ort", sagt sie und hofft, dass wenigstens die angeordnete Versetzung des Tempo-80-Schildes zeitnah erfolgt.

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