Herrlich erfrischend zeigt sich die Musik der Studenten. Olga Miljuta (rechts) ist den Oberndorfern mittlerweile richtig ans Herz gewachsen. Fotos: Wagner Foto: Schwarzwälder-Bote

Die junge Philharmonie aus der Ukraine bietet einen musikalischen Hochgenuss der Extraklasse

Von Hans-Dieter Wagner

 

Oberndorf. Einen musikalischen Hochgenuss der Extraklasse gönnten sich am Mittwochabend viele Oberndorfer, um das neue Jahr zu beginnen.

Waren es jahrelang die Musiker der jungen Philharmonie Weißrussland mit ihrem Dirigenten Michail Kosinez gewesen, die den musikalischen Terminkalender Oberndorfs zum Jahresbeginn eröffneten, waren die Besucher gespannt, was die jungen Musiker aus der Ukraine wohl zu bieten hatten. Erstmals gastierte die junge Philharmonie Ukraine aus der ehemaligen habsburgischen Metropole Lemberg, dem heutigen Lviv mit ihrem musikalischen Leiter Juri Berwetzki in Oberndorf – und hatte sehr wohl einiges zu bieten.

Herrlich erfrischend war die Musik der jungen Musikstudenten, die bereits mit einer sehr erfolgreichen Tournee durch China auf sich aufmerksam gemacht hatten. Schon bei der Ouvertüre aus der "Fledermaus" zeigten die Musiker, dass Juri Berwetzki hier ein Ensemble geformt hat, das an Harmonie kaum zu überbieten ist. Die Musiker präsentierten sich in blendender Spiellaune, und jeder in der ausverkauften Klosterkirche spürte die Spiel-Freude der jungen Menschen. Mit Olga Miljuta stellte sich eine alte Bekannte vor. Mit Stücken aus "Norma" und "Cast diva" von Vinzenco Bellini begeisterte die Sopranistin das Publikum wie bereits in den Jahren zuvor. Wie sehr die junge Künstlerin den Oberndorfern ans Herz gewachsen ist, zeigten diese durch ihren Applaus. Olga Miljuta bedankte sich dafür auf ihre Weise. Mit der Arie "Oh zittre nicht mein lieber Sohn" aus Mozarts "Zauberflöte" bewies sie mit Koloraturen in extrem hoher Stimmlage ihre stimmliche Flexibilität und Klasse. Nach den ungarischen Tänzen von Brahms und Stücken von J. Strauß verabschiedeten sich die Musiker in die Pause, begleitet von einem Beifall der Zuhörer, der bereits jetzt eine Zugabe wert gewesen wäre.

Johann Strauß war auch der Komponist, mit dem die junge Philharmonie den zweiten Teil eröffnete. Der "Ägyptische Marsch" fand ebenso wie die "Tik Tak Polka" den Geschmack des Publikums. Wieder war es Olga Miljuta, die mit ihrer herrlichen Sopranstimme und "Meine Lippen die küssen so heiß" aus der "Giudetta" von Franz Lehár einen weiteren Höhepunkt setzte.

Nicht fehlen darf seit Jahren beim Neujahrskonzert der "Radetzky Marsch" von Johann Strauß Vater. Bereits bei den ersten Takten klatschten die Zuhörer mit, standen auf, und zum Ende des Stücks spielten die Musiker stehend auf der Bühne und genossen den frenetischen Beifall der Oberndorfer, die einen, zumindest musikalisch, fulminanten Auftakt des neuen Jahrs erlebt hatten.

Siegfried Maier, Realschullehrer und absoluter Musikfachmann, blieb am Ende der Veranstaltung nur die Bemerkung: "Das war das Beste, was ich je in der Klosterkirche gehört habe."