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Oberndorf a. N. A  81: Betonplatte gegen Löcher

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Arbeiter haben an der A81-Baustelle eine 130 Meter lange und 40 Zentimeter dicke Platte betoniert. Foto: sb

Kreis Rottweil - Tempo 60: Schneller geht es auf der Autobahn 81 bei Oberndorf seit kurz vor Ostern nicht vorwärts. Die Baustelle soll am 30. November fertig sein. Zumindest in Fahrtrichtung Singen.

Bei diesem Projekt sind es die Zahlen, die für sich sprechen: eine 130 Meter lange Betonplatte, 13,15 Meter breit und 40 Zentimeter stark, in die 140 Tonnen an Stahl-Rohren versenkt werden. Die wichtigste Zahl aber ist der 30.11. Dann nämlich, Ende November, soll die Baustelle auf der Autobahn 81, in Fahrtrichtung Singen, kurz vor der Anschlussstelle Oberndorf, fertig sein.

Verkehr wird auf Tempo 60 heruntergebremst

Endlich, dürfte mancher Autofahrer denken. Schließlich sind alle vier Fahrstreifen auf die Gegenseite umgelegt worden, das Tempolimit liegt bei 60 Stundenkilometern. Das ist seit kurz vor Ostern so. Grund: Unter der Fahrbahn gibt es Hohlräume. Eines dieser großen Löcher tat sich – glücklicherweise unter dem Standstreifen – kurz vor der Oberndorfer Ausfahrt auf. Damals befanden Geologen: "Sofort sperren"! Denn senkt sich plötzlich die Fahrbahn ab, weil darunter ein Hohlraum zusammenstürzt, bedeutet das Lebensgefahr für die Verkehrsteilnehmer.

Die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Rottweil richteten also die Umleitung ein. Und dann tat sich erst mal nichts. Zumindest nicht an der Baustelle, berichtet Michael Waidele, Projektleiter vom Baureferat Ost des Regierungspräsidiums Freiburg (RP). Das wiederum regte viele Verkehrsteilnehmer auf. Warum absperren, und dann gar nichts machen? Gearbeitet wurde immer, betonen die Experten vom RP, aber eben im Hintergrund.

So wurden zunächst Bohrungen bis in 15 Meter Tiefe vorgenommen, um zu sehen, wo und wie viele Löcher es gibt. Ergebnis: Unter der Fahrbahn befinden sich mehrere Hohlräume. Einer etwa beginnt in 7,10 Meter Tiefe und reicht 70 Zentimeter nach unten. Stürzt dieser zusammen, geht die Fahrbahn hinterher.

"Das mit diesen Senkungen hatten wir noch nie", sagt Waidele. So etwas habe es in Baden-Württemberg noch nicht gegeben, fügt Yvonne Blum, ebenfalls vom RP, hinzu. Die Probleme resultieren aus Setzungen des Untergrunds.

Weil eine Autobahn möglichst gerade und eben verlaufen soll, wurde das Gelände beim Bau der A 81 vor rund 40 Jahren an manchen Stellen abgetragen, an anderen aufgeschüttet. In dem Bereich kommt allerdings Gipskeuper vor: Wird er feucht, dehnt er sich aus. Darüber hinaus kommt es zu Ausspülungen.

Zunächst war gar nicht klar, wie die Bauingenieure das Problem anpacken können. Was auf die Sperrung folgte, waren ein weiteres Bodengutachten, viele Überlegungen und Planungen, und am Ende die Ausschreibung. Bis Ende September die tatsächlichen Bauarbeiten losgingen.

"Die Lösung ist jetzt zwar gewaltig, aber sinnvoll", sagt Yvonne Blum. Denn statt die Löcher immer wieder zu stopfen, hat sich das RP entschieden, eine riesige Betonplatte über den betroffenen Bereich zu legen.

"Man kann sich vorstellen, dass das hält"

Am Freitag haben die Arbeiter die 130 Meter lange und 40 Zentimeter dicke Platte betoniert. Gesamtkosten: rund eine Million Euro. "Man kann sich vorstellen, dass das hält", sagt Waidele. Eine Gefahr für die Verkehrsteilnehmer könne man nun eigentlich ausschließen.

21 Betonmischer waren gestern unterwegs, um die Baustelle pausenlos zu beliefern. Denn spätestens nach 90 Minuten muss der Beton verarbeitet sein, erklärt Hans Dieter Wölk, der Leiter der Autobahnmeisterei Rottweil. Über Rohre wurde der Beton dabei aus den Lastwagen über die Fläche befördert und dort verteilt. Am anderen Ende fuhren bereits zwei Männer mit sogenannten Flügelglättern über die Platte, um die Oberfläche zu ebnen. Das mache sie widerstandsfähiger, sagt Waidele. Dazu erklärt er noch, dass Beton nicht trockne, wie es landläufig oft heißt, sondern Wasser chemisch anlagere. Dieser Vorgang nennt sich Hydratation. "Der Beton will Wasser", sagt der Projektleiter. Deshalb härte er unter Wasser sogar besser aus als an der Luft.

Noch am Freitag sollte die Betonplatte auf der A 81 fertig sein. Eine Arbeit, die nicht so schnell geschafft ist, sind die Fräsarbeiten an der Fahrbahn an der Oberndorfer Ausfahrt, in Fortsetzung der Platte. Denn dort haben es die Bauarbeiter mal wieder mit einem anderen, dafür wohl bekannten Problem zu tun. Neben den Senkungen kommt es auch dem Autobahnabschnitt immer wieder zu Hebungen. Auch diese sind dem Gipskeuper zu verdanken. Mit dem Boden hebt sich die Fahrbahn.

Das ist zwar weniger dramatisch als plötzliche Absenkungen, allerdings bedeutet es regelmäßig Arbeit. Die auf der Fahrbahn entstandenen "Hügel" werden abgefräst. Das letzte Mal war dies 2012 der Fall. Manchmal reicht das jedoch nicht: Irgendwann ist alles abgefräst, dann benötigt die Fahrbahn wieder eine neue Asphaltschicht. Eine Daueraufgabe.

Beim Bau der Autobahn hätten die Ingenieure noch damit gerechnet, dass sich das Problem mit dem quellenden Gipskeuper nach 20 Jahren erledigt haben wird. Heute weiß Waidele: Dem ist nicht so. Trotzdem sagt er, sei die Dauer-Reparatur im Rückblick die billigere Variante. Denn wäre beispielsweise eine Pfahlkonstruktion über die 1,2 Kilometer lange "Sorgenkind"-Strecke gebaut worden, eine Art unterirdische Brücke also, hätte dies mit 100 Millionen Euro zu Buche geschlagen, schätzt der Bauleiter. Dafür kann man lange Fräsen.

Zurück zur erfreulichen Nachricht, dass die Baustelle am 30. November fertig sein soll. Dann fließt der Verkehr Richtung Bodensee wieder in Normaltempo. Dass dies eine rundum gute Nachricht ist, scheint aber eher fraglich zu sein: Denn wie es an derselben Stelle unter der Fahrbahn in Richtung Stuttgart aussieht, ist noch unklar. Das sollen Bohrungen ergeben, die erst nach Freigabe der anderen Seite vorgenommen werden.

Immerhin: Dafür werden wohl nur Tagesbaustellen eingerichtet werden müssen, bei denen dann lediglich ein Fahrstreifen gesperrt wird. Trotzdem wird in dem Bereich vorerst ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern gelten. Die Experten gehen nämlich davon aus, auch auf dieser Seite auf Löcher zu stoßen. Wahrscheinlich wird also eine zweite Betonplatte benötigt – selbes Spiel, andere Seite.

Apropos Betonplatte: Kommende Woche tut sich auf der Baustelle erst mal nichts. Der Beton muss planmäßig aushärten, erklärt Michael Waidele. Die Pause hat also nichts mit Untätigkeit zu tun.

Ihre Redaktion vor Ort Oberndorf

Marcella Danner

Fax: 07423 78-373

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