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Oberndof a. N. Schwangere krankenhausreif geprügelt

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Gewalt gegen Frauen – zumal, wenn sie noch hochschwanger sind – ist für Amtsgerichtsdirektor Wolfgang Heuer "unterste Schublade". (Symbolfoto) Foto: dpa

Oberndorf - Erst suchte eine geschlagene Frau Hilfe bei der Polizei, dann wollte sie die Anzeige zurücknehmen. Ihr Freund hatte die damals Schwangere krankenhausreif geprügelt. Inzwischen hatte man sich wieder versöhnt.

Der Angeklagte wurde jetzt vom Oberndorfer Amtsgericht zu zehn Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, verurteilt.

Im Juli 2018 war eine Aus­einandersetzung zwischen dem Paar eskaliert. Weil seine Freundin ihm verwehrt hatte, Nachrichten auf ihrem Smartphone zu lesen, rastete der 26-Jährige aus. Mit den Fäusten soll er auf die von ihm im siebten Monat schwangere Frau eingeschlagen, sie gewürgt und ihr ein Kissen aufs Gesicht gedrückt haben. Das gab sie jedenfalls bei der Polizei an.

Bei der Verhandlung vorm Oberndorfer Amtsgericht versuchte die 37-Jährige allerdings, ihre Vorwürfe zu relativieren. Von "geschuckt" und "festgehalten" über "Schläge mit der flachen Hand" war da die Rede.

Die Fotos, die dem Leiter des Amtsgerichts Wolfgang Heuer vorlagen, sprachen aber eine andere Sprache. Großflächige, dunkelblaue Hämatome im Gesicht und am Körper "kommen nicht vom ›Schucken‹ oder einer Ohrfeige", so Heuer. Zudem war der Frau eine Gehirnerschütterung diagnostiziert worden.

Auch, wenn die Geschädigte heute wieder mit dem Angeklagten zusammenlebe, und man sich gemeinsam um das inzwischen geborene Kind kümmere, dürfe sie ihre Aussage nicht beliebig variieren, und sich damit einer Strafe wegen Falschaussage aussetzen, ermahnte Heuer die Frau mehrfach.

Die 37-Jährige, augenscheinlich eine mit beiden Beinen fest im Leben stehende, berufstätige Frau ging sogar soweit, sich selbst eine Teilschuld für die Schläge zu geben. Sie habe ihrem Freund aus Trotz die Einsichtnahme in ihr Handy verwehrt und ihm zugestimmt, als er sich deswegen trennen wollte. Man könne sie nun für verrückt halten, aber sie stehe voll und ganz zum Vater ihres Kindes.

Der Angeklagte saß derweil wie ein Häufchen Elend auf seinem Stuhl, hielt den Kopf gesenkt und wandte sich beim Anblick der Beweisfotos von seiner von ihm malträtierten Freundin mit Tränen in den Augen ab.

Die Tat räumte er weitgehend ein. Er habe einen "Blackout" und stehe dazu, dass er schuld sei. Mit den Fäusten aber habe er sie niemals geschlagen. Als ihm der Richter die Bilder erneut vorhielt und eine Erklärung für die schweren Verletzungen forderte, sagte der 26-Jährige nur "Was soll ich noch erklären. Die Fotos sagen doch alles." Er sei jedoch kein schlechter Mensch, betonte der Angeklagte. Vielmehr sei er mit der Situation einfach überfordert gewesen. Seine Freundin sei trotz Pille ungeplant schwanger geworden. Er selbst war erst 2016 von Kroatien nach Deutschland gekommen und habe später seinen gehbehinderten Bruder nachgeholt. Für ihn komme er derzeit finanziell auf.

Die Aussicht darauf, auch noch für eine Familie sorgen zu müssen, sei für ihn mit einem nicht gerade üppigen Lohn als Industriearbeiter einfach zu viel gewesen. Man habe sich dann aber darauf geeignet, das Kind zu bekommen.

Das Zusammenschlagen einer Schwangeren sei nicht nur strafbar, sondern auch unter moralisch-etischen Gesichtspunkten unterstes Niveau, merkte der Richter an. Zumal der Angeklagte laut der Aussagen seiner Freundin bei der Polizei bereits vorher mehrfach gegen sie gewalttätig geworden sein soll.

Dennoch schloss sich Heuer der Forderung der Staatsanwaltschaft an, die wegen vorsätzlicher Körperverletzung eine Freiheitsstrafe in Höhe von zehn Monaten forderte – ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung. Der Verurteilte wird einem Bewährungshelfer unterstellt. Außerdem muss er sobald wie möglich ein Antiaggressionstraining absolvieren. 3000 Euro Geldbuße, zu zahlen an den Rottweiler Verein "Frauen helfen Frauen + Auswege", kommen noch obendrauf.

Zugute gehalten wurde dem 26-Jährigen, dass er keine Vorstrafen hat und seit der Tat, laut seiner Freundin, nicht mehr gewalttätig geworden sei. Ohne eine Therapie, fügte Heuer an, sei es für Menschen mit einer "zu kurzen Zündschnur" aber kaum möglich, ihr Verhalten zu ändern.

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