Am Montagnachmittag war die Feuerwehr mit rund 90 Einsatzkräften gefordert. Foto: Wolfgang Krokauer

Bei dem Grund für den Brand des Mehrfamilienhauses in Oberkollbach am Montag wird derzeit von einem technischen Defekt ausgegangen. Davon ist bei Bränden immer wieder die Rede. Doch steht das wirklich ganz oben auf der Liste der häufigsten Ursachen? Wir haben bei Kreisbrandmeister Dirk Patzelt nachgefragt.

Drei Familien mit zwölf Personen haben am Montag ihr Dach über dem Kopf verloren. Durch den Brand des Mehrfamilienhauses in der Raiffeisenstraße in Oberkollbach ist ein Schaden in Höhe von rund einer halben Million Euro entstanden. Das Feuer brach in einem Zimmer im ersten Obergeschoss des viergeschossigen Hauses aus. Der Brand breitete sich schnell in Richtung des Dachstuhles aus, berichtete die Polizei.

 

„Technischer Defekt nicht ausgeschlossen“

„Ein technischer Defekt wird nicht ausgeschlossen“, sagt Sabine Maag, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Pforzheim, am Donnerstagnachmittag auf Nachfrage zu der möglichen Ursache. Die Kriminaltechnik habe bereits eine Brandortbegehung gemacht – weitere Auswertungen würden laufen.

Nicht selten liegt die Ursache für Brände in den vier Wänden in einem technischen Defekt. Doch ist das wirklich der häufigste Grund? Wir haben bei Kreisbrandmeister Dirk Patzelt nachgefragt.

Fehler in der Elektrizität

Der verweist auf eine Statistik des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer für das Jahr 2023, in der es schwarz auf weiß steht: In knapp einem Drittel der Gebäudebränden, nämlich 32 Prozent der Fälle, wird von einem Fehler in der Elektrizität ausgegangen. Laut Patzelt stecken da etwa „defekte elektrische Anlagen oder unsachgemäß ausgeführte Elektroinstallationen“ dahinter.

Beschädigte Kabel

Auch „überlastetete Stromkreise (zum Beispiel viele Mehrfachsteckdosen hintereinander geschaltet) oder beschädigte Kabel können eine Überhitzung verursachen und dadurch einen Brand auslösen.“

Auch auf Platz zwei der häufigsten Brandursachen rangieren technische Defekte – die in 22 Prozent auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen sind. Der Kreisbrandmeister erläutert, was sich dahinter verbirgt: „Unachtsamkeit im Umgang mit Feuerquellen oder elektrischen Geräten (zum Beispiel unbeaufsichtigt laufende Wäschetrockner, oder im Standby stehende Elektrogeräte wie TV-Geräte, Spielekonsolen) kann ebenfalls zu Bränden führen.“

Brennende Kerzen

Häufige Brandursachen sind außerdem „das Vergessen von brennenden Kerzen oder Essen auf einer eingeschalteten Herdplatte und unsachgemäße Nutzung von Haushaltsgeräten oder Rauchen in unsicheren Bereichen.“

Ebenfalls in 22 Prozent aller Fälle kann die Brandursache nicht ermittelt werden, wie es in der Statistik, für die im vergangenen Jahr 2000 Brandursachenermittlungen durchgeführt wurden, heißt. Und in genau einem Zehntel der Fälle ist tatsächlich Brandstiftung die Ursache.

Mobiltelefone, die unter Kissen oder Decken liegen

Doch auch „Überhitzung von Geräten wie Heizungen, Öfen oder elektrischen Geräten“ sei als Brandursache nicht zu unterschätzen, „wenn sie nicht ordnungsgemäß gewartet werden oder sich in der Nähe brennbarer Materialien befinden“, erklärt Patzelt. Mit acht Prozent reiht sich die Überhitzung auch wieder als technischer Defekt in die Ursachenliste. Und dazu gehören „auch Mobiltelefone, die unter Kissen oder Decken liegen“, sich erhitzen und damit Brände verursachen können.

Schweißen oder Löten

In drei Prozent der Gebäudebrände liegen feuergefährliche Arbeiten zugrunde. Das sind laut Kreisbrandmeister „Arbeiten wie Schweißen, Löten oder andere Tätigkeiten, die mit heißen Materialien oder Flammen verbunden sind“.

Blitzeinschlag?

Ganz unten auf der Ursachenliste kursieren mit zwei Prozent offenes Feuer als Grund für Gebäudebrände und in einem Prozent stecken wohl Selbstentzündung und Explosionen dahinter. Und wie sieht es eigentlich mit dem allgemein gefürchteten Blitzeinschlag aus? Das ist laut Patzelt „eine sehr seltene Ursache für Wohnungs- oder Gebäudebrände“.