Die Umnutzung des Rössle, die Konversion des Oberen Brühls in ein Verwaltungszentrum und Wohngebiet in VS: Regierungspräsident Carsten Gabbert brachte gute Nachrichten mit.
Ohne Fördermittel von Bund und Land wären die Großvorhaben in Villingen-Schwenningen nicht zu stemmen. Schon gar nicht in einer Situation, in der viele Kommunen wirtschaftlich unter Druck geraten. Beim ersten Besuch bei der Stadt Villingen-Schwenningen informierte sich der Freiburger Regierungspräsident Carsten Gabbert über bedeutende Vorhaben im Oberzentrum.
Das Programm gestern enthielt die Stationen Oberer Brühl in Villingen, das ehemalige Einkaufszentrum Rössle in Schwenningen. Aus Zeitgründen fiel der Stopp im Zentralbereich bezüglich des geplanten Zentralbades aus. Und Carsten Gabbert war nicht mit leeren Händen gekommen.
Die Umwandlung des ehemaligen Kasernengeländes Mangin in das Wohngebiet und den Verwaltungsstandort Oberer Brühl hat begonnen. Der Umbau von Bestandsgebäuden für Zwecke der VS-Verwaltung und des Stadtarchivs sowie einer achtgruppigen Kindertagesstätte sind im Gange. Projektleiter Tobias Walderich, kommissarischer Leiter des Amtes für Gebäudewirtschaft und Hochbau (GHO), erläuterte vor Ort den Stand der Dinge und die besonderen Herausforderung bei der Umnutzung alter Bausubstanz.
Besonderes Projekt
Das künftige Verwaltungsgebäude wird beispielsweise das Bürgeramt beheimaten – große Teile der in Villingen ansässigen Stadtverwaltung werden dort einziehen. Das Stadtarchiv bekommt den lange herbeigesehnten neuen Standort in einem ebenfalls umfassend modernisierten Bestandsgebäude. 160 Mitarbeiter der Stadtverwaltung sollen insgesamt in den beiden Gebäuden unterkommen. Die Bausumme für die beiden Gebäude beläuft sich auf 44 Millionen Euro, die benachbarte Kita schlägt noch einmal mit zwölf Millionen Euro zu Buche. Das Archivgut des Stadtarchives soll Ende 2026 umziehen, dann folgen die zehn Mitarbeiter und schließlich Zug um Zug die anderen Ämter. „Nächstes Jahr wird umgezogen“, so Oberbürgermeister Jürgen Roth erwartungsfroh.
Auf sich warten lässt im Oberen Brühl noch die vorgesehene Wohnbebauung. 576 Wohnungen sollen hier neu entstehen „Wir haben einen Vertragspartner, der Grundstücksvertrag ist ausgehandelt, jetzt geht es noch um die Wohnbauförderung“, fasste Roth den Stand der Dinge zusammen.
Auch die Stadtverwaltung in Schwenningen möchte man auf einen Standort konzentrieren, nämlich im ehemaligen Einkaufszentrum Rössle. Mit einziehen sollen außerdem Volkshochschule, Stadtbibliothek, Galerie und Museum am Standort Schwenningen.
Vor Ort übergab der Regierungspräsident einen Förderbescheid des Landes BW über 1,5 Millionen Euro für die Erneuerung der Schwenninger Innenstadt. Projektleiterin Larissa Kempf von der Stadtverwaltung erläuterte den Planungsstand, der im Juni auf die Tagesordnung des Gemeinderates komme.
Turm für Verwaltung
Verwaltungsmitarbeiter sollen im Rössle-Turm ihre Arbeitsplätze finden. Die großen Flächen, die an den Durchgang angrenzen, könne man sich für Stadtbibliothek und Volkshochschule vorstellen. „Wir wollen möglichst viel erhalten und die Strukturen nutzen“, so Kempf. Ein Hauptaugenmerk gelte der Modernisierung der Fassade. Um die Finanzierung zu stemmen, gehe man Stück für Stück vor. Hier geht man von Kosten von rund 50 Millionen Euro aus. Lange Zeit lassen kann sich die Stadt bei der Umsetzung allerdings nicht. Im Jahr 2028 will man mit dem Umbau losgehen und sollte bis 2032 fertig sein, um die Fördermittel nicht zurückzahlen zu müssen. „Wir können noch zwei bis drei Jahre verlängern“, sagte Bürgermeister Detlev Bührer. Und, so das Kalkül, in der Zwischenzeit kann man die bisherigen Gebäude aufgeben, Einsparungen und Einnahmen durch deren Verkauf erzielen.
Carsten Gabbert zeigte sich vor Ort beeindruckt. „Das ist ein schlauer Plan, bei einem Neubau für die Verwaltung würde man das niemals in dieser Dimension hinkriegen.“ Das sei eine Chance, und das Regierungspräsidium werde die Stadt VS dabei in den einzelnen Schritten unterstützen.