Oberbürgermeister Jürgen Roth (Mitte) freut sich, das symbolische Band im Oberen Brühl durchzuschneiden – eine erste Etappe im neuen Villinger Quartier ist geschafft. Foto: Marc Eich

Beim neuen Stadtquartier Oberer Brühl sind die Erschließungs- und Rückbauarbeiten beendet worden, das ist mit einem symbolischen Banddurchschnitt gefeiert worden. Während die Umnutzung für die Verwaltung läuft, stockt der Wohnungsbau.

Es handelt sich laut Oberbürgermeister Jürgen Roth um nichts Geringeres als ein „Meilenstein der städtischen und baulichen Entwicklung“ von Villingen-Schwenningen, der am Mittwoch gefeiert werden konnte. Im neuen Stadtteil Oberer Brühl sind die Erschließungs- und Rückbauarbeiten abgeschlossen.

 

Die Umnutzung einer Militärbrache in ein urbanes Stadtquartier nimmt daher eine entscheidende Hürde – und das knapp vier Jahre, nachdem die Stadt Villingen-Schwenningen das ehemalige Kasernenareal „Lyautey“ vom Bund erwerben konnte.

Zwei große Ziele sollen mit dem Oberen Brühl erreicht werden: Auf dem Areal wird die Stadtverwaltung in Teilen konzentriert, zudem sollen 680 Wohnungen für rund 1500 Menschen Platz bieten. Ein absolutes Vorzeigequartier und ein Ort für Gemeinschaft und Begegnungen sollen geschaffen werden.

Altlasten waren „kein Sonntagsspaziergang“

Das verläuft aber nicht gänzlich geräuschlos. Roth nannte auf dem Weg zum Ziel eine hohe Hürde, die überwunden wurde: Die Altlasten des Militärstandorts mussten untersucht und dann beseitigt werden, zudem waren archäologische Rettungsgrabungen notwendig – alles kein „Sonntagsspaziergang“, wie Roth erklärte.

Und an einer entscheidenden Stelle stottert der Motor vom Oberen Brühl noch ganz gewaltig. Denn die Frage, wer die 680 Wohnungen bauen soll, konnte noch immer nicht beantwortet werden.

Nach mehreren erfolglosen Suchläufen nach Investoren laufen derzeit Ausschreibungen für eines der Baufelder. Und hier werden, so der Oberbürgermeister, „die Folgen der konjunkturellen Eintrübung“ deutlich. Um es anders zu sagen: Die Interessenten stehen nicht gerade Schlange. Roth sei dennoch hoffnungsvoll, dass das Ziel von einem Wohngebiet mit teilweise sozialerträglichen Objekten Wirklichkeit wird.

Neue Fahrradstraße ist ein Herzstück

Loslegen könnte man quasi von heute auf morgen. Denn im Tiefbau sind die entscheidenden Fakten geschaffen worden. Anhand von Zahlen drückte Roth aus, was in den vergangenen Monaten im Oberen Brühl realisiert wurde: 5000 Quadratmeter an Asphalt für Straßen und Radwege sind verbaut worden, zudem 1800 Quadratmeter an Betonpflaster für die Gehwege, 38 Straßenlampen werden die Verkehrswege erhellen, während unter der Erde 1800 Meter an Kanälen liegen.

Herzstück ist dabei die neue Lioba-Dorner-Straße – eine Fahrradstraße, die den Oberen Brühl über den Von-Richthofen-Park mit dem Freibad verbindet und zudem in die Innenstadt führt. Alles in allem sei dank der Unterstützung der Baufirmen und nicht zuletzt mithilfe des Gemeinderates ein „nachhaltiges Fundament“ erschaffen worden, auf dem sich „Großes aufbauen“ lässt, so Roth.

Umwidmung der Gebäude läuft auf Hochtouren

Nicht ohne Stolz verwies er bei dem feierlichen Zusammenkommen der beteiligten Firmen, Ämter und der Stadträte auf die unter Hochdruck stattfindenden Arbeiten in den Gebäuden für die Stadtverwaltung.

So werden unter anderem die beiden Mannschaftsgebäude derzeit von einer großen Mannschaft von acht externen und weiteren stadteigenen Architekten für die Zwecke der Verwaltung und des Stadtarchivs umgebaut.

Blick von einem der Mannschaftsgebäude auf das angrenzende. Foto: Marc Eich

Bei einem Rundgang durch die fünfgeschossigen, massiven Objekte wurde dabei deutlich, welche Anstrengung unternommen wird, um dort modernste Voraussetzungen zu schaffen. Eine besondere Herausforderung: die Nutzung des Archivs. Zwei Drittel eines Mannschaftsgebäudes werden dabei zukünftig die Schätze der Stadt beherbergen. Wie Dieter Kleinhans, Leiter des Amtes für Gebäudewirtschaft und Hochbau, erklärte, musste dafür teilweise ein neues Tragwerk geschaffen werden. Denn die Böden müssen aufgrund der großen Lasten zukünftig eine Tonne pro Quadratmeter tragen.

Waffenmeisterei wird Haus des Ehrenamts

Seit 25 Jahren sei man auf der Suche nach einer zukunftsfähigen Lösung für das Stadtarchiv, das derzeit unter eher schwierigen Bedingungen in der Lantwattenstraße untergebracht ist. Auf der „grünen Wiese“ wäre ein Archivbau sicherlich günstiger gewesen, aber eine solche Lösung hätte sich im vergangenen Vierteljahrhundert eben nicht ergeben. Kleinhans: „Jetzt geht’s auch nicht mehr zurück!“

In den Mannschaftsgebäuden laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Foto: Marc Eich

Doch nicht nur Verwaltung soll eine neue Heimat im Oberen Brühl finden. Die Stadt ist zudem bestrebt, das Quartier auch für die Bürger zu öffnen. So ist in der unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Waffenmeisterei ein „Haus des Ehrenamts“ angedacht. Vereine sollen hier eine Heimat finden – ein großer Veranstaltungsraum sowie angegliedert weitere Sitzungs- und Besprechungsräume für verschiedenste Angebote sollen zukünftig insbesondere kleinen Vereinen ohne eigenes Vereinsdomizil Platz bieten.

Erste Umzüge finden ab 2026 statt

Einblick erhielten die Stadträte und Verantwortlichen zudem in das ehemalige Pferdelazarett. Dort soll für die Bewohner des Oberen Brühls aber auch für die Verwaltungsmitarbeiter eine Fahrradgarage untergebracht werden. Angegliedert wäre zudem eine Fahrradwerkstatt, bei der auf eigene Faust der Drahtesel in Schuss gehalten werden kann.

Im ehemaligen Pferdelazarett sollen zukünftig Fahrräder Platz finden. Foto: Marc Eich

Und wie sieht der weitere Zeitplan aus? Ab 2026 sollen das Archiv, das Amt für Innenrevision, das Rechtsamt, das Amt für Digitale Transformation und IT sowie das Bürgeramt umziehen. Ab 2027 ist die Fertigstellung des Stadtquartiers angedacht. Dann soll das Leuchtturmprojekt über die gesamte Stadt strahlen.