Viele Menschen lassen sich freiwillig testen. Foto: dpa/F. Rumpenhorst

Bisher gibt es keine flächendeckenden Zahlen zum Erfolg der Bürgertests. Der Städtetag rechnet aber schon bald mit einem regelrechten „Schub“. Warum?

Stuttgart - Die vor einem Monat eröffnete Möglichkeit des kostenlosen Bürgertestens hat zu einer Welle von Gründungen kommunaler Testzentren in Baden-Württemberg geführt – selbst 4000-Einwohner-Dörfer richteten Testmöglichkeiten ein, beispielsweise in Turnhallen oder Gemeindesälen. Meist helfen Mitglieder vom Roten Kreuz oder der Freiwilligen Feuerwehr mit. Wie eine Anfrage bei mehreren Bürgermeistern im Land ergab, besteht eine hohe Nachfrage nach dem oft nur stundenweise und an wenigen Tagen in der Woche gewährten Angebot – trotz der „Konkurrenz“ der Testangebote von Apotheken.

 

„Es läuft zu unserer vollen Zufriedenheit, wir haben 120 Testungen am Tag“, sagt Peter Schumacher, Bürgermeister aus Dunningen (Kreis Rottweil). Sein Amtskollege Marcus Schafft aus Riedlingen (Kreis Biberach) berichtet, dass das Angebot gut angenommen werde, auch von Bürgern aus Gemeinden im Umland. Vor besonderen Ereignissen schnelle das Interessen nach oben, die Leute wollten Sicherheit. „Wir hatten an neun Tagen 1591 Tests, davon waren zehn positiv“, so Schafft. Es gebe auch einen Stamm von älteren Personen, die sich regelmäßig testen ließen.

Restbestände aus der Notfallreserve

Frank Wittendorfer, Bürgermeister aus Oberriexingen (Kreis Ludwigsburg) sagt, dass er 50 ehrenamtliche Helfer für sein Testzentrum habe. Man habe 1400 Tests durchgeführt und „null“ positive Ergebnisse gehabt. In Oberriexingen wie auch in anderen Zentren werden die Nasopharynx-Tests eingesetzt, die tief in den Nasenraum eingeführt werden. Man habe da noch Bestände aus der Notfallreserve des Landes, so Wittendorfer, die müsse man erst abarbeiten. Außerdem erwische man mit diesem Test „mehr Viren“, er sei also genauer und werde auch gut angenommen. Von einer „guten Auslastung“ des Testzentrums ist auch aus Meßstetten berichtet worden, ebenso wie aus Pliezhausen, wo 90 Tests täglich stattfinden – nach Voranmeldung.

Städtetagssprecherin Christiane Conzen bestätigt den Eindruck, dass die Bürgertests in den Städten und Gemeinden auf eine gute Resonanz stoßen: „Wobei wir noch nicht alle Abrechnungen kennen und daher keine Zahlen nennen können.“ Es gebe meist keine langen Wartezeiten. Das Sozialministerium lehne es bisher ab, „flächendeckend Zahlen zu erheben zum Erfolg der Bürgertestung“, sagt Conzen: „Nach unserer Einschätzung werden die Tests erst so richtig Fahrt aufnehmen, wenn die Menschen sehen, was sie damit machen können, Stichwort Click & Meet.“

Die kostenlosen Bürgertests rechnen die Gemeinden mit den Kassenärztlichen Vereinigungen ab, Tests von Schul- und Kita-Personal gehen an das Land. Aber einen Kassensturz – wieviel sie das Engagement wirklich kostet – haben die meisten Gemeinden noch nicht gemacht.

Vergangene Woche hatte der private Betreiber Covimedical, der bundesweit 60 Testzentren betreibt, zwei in Stuttgart, über eine „hohe wirtschaftliche Unsicherheit“ geklagt aufgrund einer fehlenden Zwischenfinanzierung und der Tatsache, dass man bei 300.000 Tests für Verbrauchsmaterial in Vorleistung gegangen sei. Zwischenzeitlich schränkte Covimedical sogar die Bürgertests ein, vergibt jetzt aber etwa in Stuttgart wieder Termine.

Die Finanzierung soll geklärt sein

Das Bundesgesundheitsministerium teilte zu dem Vorfall mit, dass die Abrechnung der Kosten der Testzentren über die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) erfolge, in deren Bezirk der Leistungserbringer seinen Sitz habe, also im Falle des in Dillenburg ansässigen Covimedical in Hessen. Nach Prüfung der Unterlagen leite die KV sie an das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) weiter, das dann einmal im Monat die Vergütung an die zuständige KV überweist. Die KV können das Geld dann an den Anbieter quartalsweise überweisen, wollen das vom April an aber auf monatlicher Basis tun: Laut KV Hessen – so eine Ministeriumssprecherin – seien bei Covimedical inzwischen alle Abrechnungsfragen gelöst worden: „Die Verbindlichkeiten sollen im Anschluss an die nächste Zahlung durch das Bundesamt für Soziale Sicherung am 15. April 2021 zeitnah abgegolten werden.“