Gundi Weis (links) und Bettina Dürr aus Altenheim engagieren sich Ehrenamtlich und bieten beispielsweise Fahrdienste für Senioren an. Um solche Leistungen zu organisieren, haben sie ein eigenes Netzwerk gegründet. Foto: Köhler

Sie helfen Senioren im Alltag: Wer in Altenheim Fahrdienste oder Hilfe bei Formularen benötigt, kann Ehrenamtliche anrufen. Für die Organisation haben diese sich in einem Netzwerk zusammengeschlossen. Nun suchen die Helfer weitere Mitstreiter.

Die Idee zum „Netzwerk Altenheim“ ist aus Müllen und Ichenheim herübergeschwappt, erzählen Bettina Dürr und Gundi Weis im Gespräch mit unserer Redaktion. Gemeinsam mit Anja Strosack vernetzen sie die Menschen, die Hilfe benötigen, mit denen, die Hilfe anbieten.

 

Dürr erinnert sich, dass im vergangenen Jahr einige Anfragen aus Altenheim beim Müllener Netzwerk eingegangen waren. Daraufhin sei sie in ihrer Funktion als Gemeinderätin angesprochen worden, ob man nicht auch in Altenheim ein Netzwerk starten könnte. In Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde, in der Gundi Weis seit vielen Jahren tätig ist, wurde dies dann auf den Weg gebracht.

Bei Infoabend Details besprochen

„Wir haben rumgefragt, wer Interesse hat, zu helfen und wer Hilfe benötigt“, erzählt Dürr. Für beide Seiten hatten sich 13 Menschen gemeldet. Bei einem Infoabend im September 2022 wurden Details besprochen, wie die Hilfe aussehen könnte, und eine Liste an Angeboten erstellt. Dabei wurde klar: „Wir können und dürfen nicht alles machen“, sagt Dürr. Für Pflege- oder Reinigungsleistungen sollen sich Senioren lieber an professionelle, gewerbliche Angebote wenden.

Für ihre Leistungen verlangen die Ehrenamtlichen kein Geld – lediglich Fahrtkosten. „Das ist auch das Hauptanliegen“, sagt Dürr. Die meisten, die Angebote des Netzwerks Altenheim in Anspruch nehmen, seien Senioren, die älter als 80 Jahre und nicht mehr mobil sind. „Manche trauen sich nicht mehr, Auto zu fahren, und die Kinder und Enkel sind berufstätig“, gibt die Altenheimerin ein Beispiel. So fahren die Ehrenamtlichen die Senioren zum Arzt, zum Friseur, zum Einkaufen oder zur Physiotherapie – innerhalb der Gemeinde oder auch nach Lahr, Offenburg und Kehl. „Das Fahrtgeld geben die Senioren dann gerne“, erläutert Dürr, „sie würden ja auch ihrem Enkel etwas in die Hand drücken.“

Auch Betreuungsangebote wie Spaziergänge stehen auf der Liste des Netzwerks

Die beiden Frauen betonen jedoch, dass sie auch mehr als nur Fahrdienste anbieten. So würden sie auch für die Senioren einkaufen gehen oder sich einfach mit ihnen bei einem Spaziergang austauschen. Die soziale Komponente stehe im Fokus. „Wir sind aktuell auf der Suche nach jemanden, der Schach spielen kann“, wirbt Dürr für mehr Helfer. Allgemein sei „die Nachfrage da, aber die Anbieter schrumpfen“.

Die Ehrenamtlichen sehen ihr Angebot auch als Übergangslösung zu einer Pflegestufe. Sie informieren und beraten die Senioren zudem darüber, welche Leistungen sie offiziell beantragen können, und unterstützen beim Ausfüllen der Formulare, schildert Weis. Das Angebot soll sich darüber hinaus nicht nur an Senioren wenden, sondern an alle, die in irgendeiner Form Hilfe benötigen – beispielsweise bei der Betreuen der eigenen Kinder nach der Schule, bevor man nach Hause kommt. Dafür habe es bisher aber keine Anfragen gegeben

Anrufzeiten eingerichtet

Weis und Dürr erklären, dass das Netzwerk Uhrzeiten eingerichtet hat, an denen sich Hilfebedürftige bei den Ehrenamtlichen melden können. Das geht montags von 15 bis 17 Uhr bei Anja Strosack unter Telefon 07807/17 11 und mittwochs von 15 bis 17 Uhr bei Gundi Weis unter Telefon 07807/10 04. Auch außerhalb der Zeiten könne man anrufen, dann gehe im Zweifelsfall der Anrufbeantworter ran. Im Laufe der Zeit soll das Angebot dann „zu einem „Selbstläufer werden“, sagt Weis. Wenn sich Paare von Helfern und Beziehern gefunden haben, die gut miteinander auskommen, können die Termine auch per direktem Kontakt ausgemacht werden. Weis und Strosack stehen aber als Ansprechpartner weiter zur Verfügung und natürlich für neue Interessierte.

„Die Senioren sind sehr dankbar, die finden das Angebot toll“, berichtet Weis von eigenen Erfahrungen. „Manche haben sonst niemanden. Die sagen: ,Gott sei Dank gibt es euch’“. Dürr ergänzt: „Wer Hilfe braucht, muss keine Scheu haben. Wir sind alle vom Dorf, uns kennt man.“ Für beide Frauen ist es eine Selbstverständlichkeit, sich ehrenamtlich zu engagieren. „Wenn du im Dorf lebst, gehört das dazu“, sagt Gundi Weis.

Spende für Flyer

Die Ehrenamtlichen konnten sich Ende April über eine Spende freuen: Über den Altenheimer Adventsmarkt kamen 500 Euro für die Seniorenhilfe zustande, die Ortsvorsteher Jochen Strosack dem Netzwerk überreichte. Mit der Spende sollen anfallende Verwaltungskosten beglichen werden. Zudem ist geplant, Flyer zu drucken, um für weitere Mitstreiter zu werben, erklärt Helferin Bettina Dürr.