Es ist nur noch knapp eine Woche bis zur Oberbürgermeisterwahl in Freiburg. Die Bürger haben die Wahl zwischen neun Kandidaten.
Der Wahlkampf für die Oberbürgermeisterwahl in Freiburg läuft auf Hochtouren. Neben Amtsinhaber Martin Horn haben sich acht weitere Kandidaten für den Chefposten der Stadt Freiburg beworben. Bei der offiziellen Kandidatenvorstellung der Stadt haben sich acht Kandidaten den interessieren Bürgern vorgestellt. Die dominierenden Themen der Wahl sind bezahlbarer Wohnraum und Klimaschutz. Das wurde auch bei der Veranstaltung im Konzerthaus deutlich. Monika Stein sprach sich für eine Stärkung des ÖPNV aus und betonte, sie wolle den Flugplatz zu einem Wirtschaftsstandort umbauen, ohne dort zusätzliche Flächen zu bebauen. Martin Horn griff den AfD-Kandidaten Karl Schwarz und dessen Pläne für ein „Remigrationszentrum“ in Freiburg mit den Worten an, die Stadt solle vielfältig bleiben. Dafür erhielt er viel Applaus. Nach rund zweieinhalb Stunden schloss Freiburgs Erster Bürgermeister Martin Haag als Versammlungsleiter die Vorstellungsrunde.
Florian Braune (parteilos) Florian Braune ist Jurist und in der Freiburger Stadtpolitik kein Unbekannter: Als junger Mann war er Mitbegründer von „Junges Freiburg“ und saß bereits im Gemeinderat. Nach 16 Jahren politischer Pause will er nun mit Themen wie Sicherheit in allen Stadtteilen, Wohnungsbau und Verkehrsberuhigung punkten und Oberbürgermeister werden. Er sei der richtige Mann, um eine Verwaltung zu leiten und deren Probleme zu lösen, so der zweifache Familienvater, der zwar Mitglied der Freien Wähler ist, aber nicht unter deren Banner kandidiert. Sein Motto: „Mehr Freiburg geht nicht.“
Martin Horn (parteilos) Martin Horn ist seit acht Jahren Oberbürgermeister in Freiburg. Bei der Kandidatenvorstellung setzte er darauf, seine Erfolge der vergangenen Jahre in den Fokus zu rücken und wählte dafür emotionale Worte. Soziale Gerechtigkeit sei ihm „ein Herzensanliegen“, so der Amtsinhaber. Dort wie auch im Wohnungsbau und beim Thema Bildungsgerechtigkeit wolle er weitere Schwerpunkte setzen, denn eine Stadt sei „nie fertig“. Im Wahlkampf wird Horn wie schon 2018 von der SPD unterstützt. Auch diesmal setzt er wieder auf das Motto: „Freiburg gemeinsam gestalten.“
Wim Kölker (parteilos) Der Student tritt laut eigenen Aussagen ohne das Ziel an, gewählt zu werden. „Ich möchte ausdrücklich nicht gewählt werden“, so Kölker. Seine Kandidatur verstehe er als Satire-Aktion gegen die AfD. Dementsprechend verzichtete er auch auf die Teilnahme an der Kandidatenvorstellung.
Achim Wiehle (parteilos) Achim Wiehle ist Unternehmer und in Freiburg vielfach ehrenamtlich engagiert, wie er am Mittwoch betonte. Die Stadt sei „träge geworden“, die Haushaltspolitik mit steigender Schuldenlast nehme künftigen Generationen wichtige Handlungsspielräume. Die leerstehende, marode Stadthalle wolle er zum Science-Center für die Wissenschaft umgestalten. Mit einfachen Containergebäuden könne man der studentischen Wohnungsnot kurzfristig etwas entgegensetzen. Mehr Klimaschutz sei mit einfach realisierbaren mobilen Pflanzenmodulen erreichbar. Wiehles Motto: „Ich bin bereit!“
Dejan Mihajlović (parteilos) Der Lehrer will Freiburg zur Demokratie-Modellstadt machen und den Bürgern eine Perspektive zum Systemwechsel anbieten. Er setzt vor allem auf eine stärkere Beteiligung der Bürger bei Entscheidungen. Außerdem will er in der Stadt mehr dritte Orte, also Orte der Begegnung schaffen.
Monika Stein (parteilos) Monika Stein tritt unter dem Motto „Freiburg kann mehr“ an. Sie wird von einem breiten Bündnis aus dem Gemeinderat unterstützt: Grüne Fraktion, Linke Liste, Unabhängige Frauen, Grüne Alternative und Urbanes Freiburg. Stein will beim Klimaschutz noch mehr Tempo zulegen. Ihre Idee, auf alle städtischen Gebäude sollen PV-Anlagen. Sie wolle das Referat für bezahlbares Wohnen zur Chefsache machen und direkt bei ihr ansiedeln. Durch stärkere Kontrollen soll so gegen Mietwucher und Wohnungsnot vorgegangen werden.
Claudio Probst (APPD) Claudio Probst ist der Kandidat der „Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands“ und will „erster Pogo-Bürgermeister“ Freiburgs werden. Seine Ziele: Hausbesetzungen und alle Drogen sollen legalisiert, die Bächle mit Bier geflutet und das Freiburger Münster in die Luft gesprengt werden. Auf dem freiwerdenden Münsterplatz solle ein Kolosseum errichtet werden, in dem Studierende gegeneinander antreten und Wohnungen gewinnen können. Ansonsten plädiert Probst für ein Leben „ohne Leistungszwang“. Er wolle gewählt werden, weil er „die fette OB-Besoldung“ gut gebrauchen könne.
Martin Borgmann (Die PARTEI) Der Doktorand in der Krebsforschung tritt für die PARTEI an. Borgmann machte im Laufe des Abends deutlich, dass er einen anderen Ansatz verfolge. „Wählen sie mich nicht, weil ich verspreche, alles besser zu machen, sondern weil ich es anders falsch mache“, erklärt Borgmann. Den Freiburgern verspricht er, „durch die Vertiefung des Rheingrabens holen wir die Nordsee bis nach Freiburg. So werde Freiburg zur Küstenstadt, zu „Fjordburg“.
Karl Schwarz (AfD) Seit 2022 gehört Karl Schwarz für die AfD dem Freiburger Gemeinderat an. Laut Schwarz habe Freiburg kein Einnahmen- sondern ein Ausgabenproblem. Deshalb wolle er den Verwaltungsapparat verschlanken und dort Geld einsparen. Außerdem sollen Maßnahmen für den Klimaschutz zurückgefahren werden.
Die Freiburger Oberbürgermeisterwahl findet am Sonntag, 26. April statt. Rund 175 000 Bürger sind wahlberechtigt. Erhält keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit, wird es am Sonntag, 17. Mai, eine Stichwahl zwischen den beiden stimmenstärksten Bewerbern geben.