Beim Markt in Rottweil hat alles seine Ordnung – eigentlich. Foto: Otto

Der Wahlkampf heißt wohl Wahlkampf, weil gekämpft wird. Auch mit harten Bandagen, wenn es sein muss. Was eine Blumenhändlerin, der Rottweiler Wochenmarkt und OB-Kandidat Christian Ruf damit zu tun haben? Wir klären auf, was an der Geschichte tatsächlich dran ist.

Rottweil - Wer auf dem Rottweiler Wochenmarkt verkauft und wo der Händler seinen Stand aufbaut, das ist eigentlich in Stein gemeißelt. Da wundert es natürlich, wenn ein altbekannter Händler plötzlich woanders seine Ware verkauft. So ist das auch bei der Blumenhändlerin, die eigentlich vor dem Kirsnerschen Haus in der Oberen Hauptstraße ihre Stöcke, Sträußchen und Kränze verkauft. Seit kurzem ist sie nicht mehr dort anzutreffen, sondern oberhalb der Tribüne am Rathaus. Glücklich ist die Händlerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, damit nicht, wie sie uns am vergangenen Samstag auf dem Wochenmarkt erzählt.

 

Warum muss Blumenhändlerin weichen?

Wie es dazu kam? Die Stadt habe ihr mitgeteilt, dass sie auf ihrem alten Platz nicht bleiben könne. Dort sei es zu eng. Dafür habe OB-Kandidat Christian Ruf vor seinem Wahlkampfbüro unterhalb des Apostelbrunnens einen Stand. Und auch am Samstag hat er dort Bistrotische aufgebaut. Der Schuldige sei damit klar, meint die Marktfrau.

Die Geschichte, das wird am Samstag schnell klar, macht bereits die Runde – und lautet zusammengefasst: Ruf als OB-Kandidat hat die Blumenhändlerin von ihrem Stammplatz verdrängt und die Stadt macht mit. Doch so einfach ist das ganz und gar nicht.

Was sagt Ruf dazu?

Christian Ruf, von uns mit dem Vorwurf konfrontiert, ist am Telefon perplex. Für ihn kommt der Ärger um den Stand natürlich zu einer Unzeit.

Er weiß, dass die Blumenverkäuferin ihren Standort wechseln musste, Schuld sei er daran aber nicht, versichert er. In einer Mail dröselt er detailliert auf, wann und für welche Marktsamstage er einen Stand bei der Stadt beantragt hat. Der Wunschstandort sei unterhalb des Apostelbrunnens gewesen, er habe aber auch Alternativen angegeben, falls das nicht möglich ist. "Denn mein Tisch ist ja wirklich klein und man könnte den immer irgendwo unterbringen", schreibt Ruf. Nur einmal, und zwar vor dem Wahlsonntag am Samstag, 17. September, habe er das Kaffeemobil der Lebenshilfe engagiert. Nach der Wahl habe er dann den Stand für weitere drei Marktsamstage beantragt und genehmigt bekommen. "Auch hier war es lediglich ein einzelner Bistrotisch sowie eine Kiste mit Äpfeln. Ich war am unteren Rand des Apostelbrunnens", schreibt Ruf. Weshalb der Stand der Blumenverkäuferin weichen musste, das weiß Ruf nicht.

Wie reagiert die Stadt?

Das Rathaus verweist auf unsere Nachfrage hin auf die Feuergasse. Der Tausch des Standorts für den Blumenstand habe nichts mit Rufs Stand zu tun. Vielmehr läge es an dem bis zum Wahlsonntag noch aufgebauten Podium vor dem Rathaus, wo die Ergebnisse der OB-Wahl auf Leinwand projiziert werden. "Für den normalerweise vor dem Podium befindlichen Stand wurde es dadurch aber zu eng", erklärt Pressesprecher Tobias Hermann. "Unsere Marktmeisterin hat deshalb vor zwei Wochen die Betreiberin des Blumenstandes, die zuvor vor dem Wahlbüro von Herrn Dr. Ruf stand, und den Standbetreiber mit dem Platz vor dem Podium gebeten, ihre Standplätze zu tauschen." Der Blumenstand sei weniger tief und es bleibe mehr Platz für die erforderliche Feuergasse. Und: Der Platz vor dem Apostelbrunnen werde ohnehin für "wechselnde Info-Stände aller Art" freigehalten.

Ob die Blumenhändlerin nach der Wahl wieder an ihrem alten Standort zu finden sein wird ist fraglich. "Das kam ja von ganz oben", sagt sie und fügt mit einer gehörigen Portion Sarkasmus hinzu: Die Feuergasse, die müsse es ja schließlich auch nach der OB-Wahl geben.