Klaus G. Weber (links) und Stephan Neher am Wahlabend. Foto: Angela Baum

Die Stichwahl in Rottenburg war spannend bis zum letzten Moment – und der Amtsinhaber schließlich erleichtert. Doch das Ergebnis hat Stephan Neher Hausaufgaben mitgegeben. Auch sein Gegenkandidat will in der Kommunalpolitik aktiv bleiben.

Der neue Windkraftpark, zwei verlorene Bürgerentscheide, und jetzt auch noch ein Rechtsstreit mit der Ergenzinger Ortschaftsrätin Christa Richter – all dies sind Faktoren, die dazu führten, dass Klaus G. Weber wohl als Herausforderer von Stephan Neher bei der OB-Wahl in Rottenburg punkten konnte.

 

Zwar siegte letztlich am Sonntag Amtsinhaber Stephan Neher, der nun in seine dritte Amtszeit geht – doch in einigen Teilorten hatte Klaus G. Weber eindeutig die Nase vorn. Daher war die Oberbürgermeister-Stichwahl spannend bis zum letzten Moment.

Neher „fiel ein riesengroßer Stein vom Herzen“

Stephan Neher als alter und neuer Oberbürgermeister der großen Kreisstadt betont im Gespräch mit unserer Redaktion, dass er „ungemein erleichtert“ sei, dass nun die Oberbürgermeisterwahl vorbei sei – „mir fiel am Sonntagabend dann doch ein riesengroßer Stein vom Herzen.“ Letztlich sei jedoch vor allem entscheidend, dass er die Stichwahl gewonnen habe. „Nach dem ersten Wahlgang war ja klar, dass ich nicht gewonnen habe.“

Nun sei es am Wahlabend deshalb für ihn so spannend gewesen, da er und auch andere befürchteten, dass eine Wechselstimmung entstanden sei. Doch das habe sich ja dann nicht bewahrheitet. Nach der Wahl sei für ihn vor der Wahl – da die Kommunalwahl ja bekanntermaßen bevorsteht. Dies sei für ihn derzeit sehr bedeutsam.

Was Neher nun verbessern will

Aus dem OB-Wahlkampf nimmt Stephan Neher mit, dass der Kommunikations- und Informationsfluss verbessert werden müsse. „Wir werden die Menschen besser über alles informieren, aber dies braucht dann ja auch Personal.“ Als Stichworte nannte er hierzu den Bereich „Social Media“ und „Smart City“.

Was hat Weber nun vor?

Der unterlegene OB-Kandidat und Herausforderer Klaus G. Weber erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion, dass er sich nun ganz der Kommunalpolitik widmen werde – der 72-Jährige gab eigens seine Praxis als Allgemeinmediziner auf, um sich ganz im Oberbürgermeisterwahlkampf zu engagieren. „Ich mache keinen halben Sachen und wollte einfach Nägel mit Köpfen machen.“

Nun gründete er kürzlich die „Bunte Liste“, mit der er bei den Kommunalwahlen für den Rottenburger Gemeinderat am Start sein wird. Er mache Kommunalpolitik gründlich – und er stellt sich der Aufgabe mit „voller Kraft“, wie er selbst sagt.

Weber betont, dass er das beste Ergebnis eines Gegenkandidaten im OB-Wahlkampf in Rottenburg innerhalb der vergangenen 25 Jahre eingefahren habe.

Das sind Webers wichtigste Themen

Als Themen für die Zukunft nennt er den öffentlichen Nahverkehr in der Raumschaft, die Kreisumlage sowie den Schlachthof – all das werde im Kreistag verhandelt, für den er auch kandidieren wird. Er habe eine Liste für den Kreistag aufgestellt, ebenso für den Gemeinderat – und auch bereits abgegeben. „Das war schon ein Kraftakt“, bilanziert er.

Man habe das innerhalb von zehn Tagen auf die Beine gestellt. „Wir sind wirklich eine bunte Liste – mit einem Sozialarbeiter, einer Algerien-Deutschen, Landwirten, Polizisten, Ingenieuren und Angestellten.“

Viele Bürger, so sein Eindruck, seien traurig, dass es mit der OB-Kandidatur von ihm nicht geklappt habe. Nun sei er froh, dass es mit der Aufstellung der Bunten Liste geklappt habe. „Im Gemeinderat kann man einfach sehr viel bewirken.“

In acht Jahren wird sich Klaus G. Weber nicht mehr zur Wahl als Oberbürgermeister aufstellen lassen. „Ich hoffe aber, dass es dann einen guten und jüngeren Gegenkandidaten geben wird.“ Weber sagt, dass er all jenen Bürgern danken wolle, die ihm in den letzten Wochen Mut gemacht hatten - „und wenn Stephan Neher etwas aus der Sache gelernt hat, ist es gut“.

Und was liegt ihm noch auf dem Herzen? Als weitere Themen nennt er die Windkraft und ein Nein zum geplanten Windpark, ein Nein zum dreispurigen Ausbau zwischen Rottenburg und Seebronn auf der B 28 sowie die Förderung der Gewerbetreibenden in Rottenburg und eine Belebung der Innenstadt sowie mehr Bürgerbeteiligung. Zudem sei er ja auch Sprecher der Bürgerinitiative für den Erhalt des Schlachthofs – was ihn auch weiterhin ausfüllen werde.