Peter Rosenberger (CDU) ist bis Oktober OB in Horb.Worauf man bei der Wahl seines Nachfolgers auch achten sollte, sagt das Stadtoberhaupt aus seinen 17 Jahren Erfahrung im Horber Rathaus. Foto: Jürgen Lück

Michael Keßler (CDU) und Winfried Asprion (parteilos) wollen OB in Horb werden. Worauf es aus seiner Sicht ankommt, sagt das scheidende Stadtoberhaupt Peter Rosenberger (CDU).

Peter Rosenberger (CDU) ist seit 2008 im Horber Rathaus. Hier sagt der Insider von Horb, worauf es seiner Meinung nach im Rathaus ankommt.

 

Wir fragen ihn, worauf man als Wähler bei den OB-Kandidaten achten muss. Zur Wahl treten Michael Keßler und Winfried Asprion an. Sven Bach hat zurückgezogen.

Was muss der OB können?

Spätestens, wenn man gewählt ist, muss man liefern. Das Rathaus in Horb hat in seiner Größe einer Zwitterstellung. In kleinen Häusern muss man ein waschechter Verwaltungsmann sein, um das stemmen zu können. Man muss alles können und im Zweifelsfall selbst machen. In ganz großen Städten bist du Politiker. Man gibt das Thema vor – und du hast sehr hochkompetente und hoch bezahlte Leute, die das dann umsetzen – im besten Fall. In Horb hat das Stadtoberhaupt die Möglichkeit, nicht nur zu verwalten, sondern auch Politik zu machen.

Keiner der Kandidaten hat Rathaus-Erfahrung. Michael Theurer hatte die auch nicht...

Er war aber schon als junger Mensch in vielen politischen Gremien. Er wusste, wie Kommunalpolitik funktioniert.

In der Wirtschaft kann man im Zweifelsfall Leute entlassen. Im Rathaus sitzen Beamte und fast unkündbare Angestellte. Was heißt das für die Führungsqualität?

Als OB bist du da der Einzige im Rathaus, der einen Zeitvertrag hat. Du bist derjenige, der geht, wenn es nicht funktioniert. Also musst du die anderen im Rathaus überzeugen. Davon, die Arbeit auch zu deinem Zwecke gut zu machen.

Wie konstant sollte man da sein?

Es ist wichtig, dass man die Leute davon überzeugen kann, dass man für eine Sache brennt, sich einfühlen kann und dafürsteht. Dann laufen sie auch mit. Aber nicht ewig. Nur dann, wenn sie erkennen, das vom Chef ist keine Luftnummer, sondern der meint es ernst. Dazu muss man rund um die Uhr ackern und zuhören, fördern und motivieren können. Ich als OB habe meinen festen Kompass. Ich habe aber nie gedacht: Ich bin der Heilsbringer, ich kann es, ohne es zu können.

Wie ungeduldig darf man sein?

Die Kollegen im Haus wissen, ich bin ungeduldig. Die gewisse Gelassenheit kam bei mir mit der Erfahrung. Ungeduld war für mich immer ein Treiber. Aber sie darf nicht dazu führen, dass immer nur angestoßen wird und nichts mehr fertig gemacht wird. Und man nur noch in Hektik gerät.

Wie wichtig sind Parteibuch und Netzwerke?

Ich habe ein gutes Netzwerk keine Schulterklopfer. Ich habe dadurch Zugang zu Behörden, den übergeordneten und zu dem Entscheidungsträger, die einem helfen können. Hans-Joachim Fuchtel beispielsweise. Das war Gold wert für die Stadt. Wer diese Kontakte nicht hat, wird sie auch ganz schwer bekommen. Wer in Parteien war und ausgetreten ist, hat dieses Netzwerk nicht mehr.

Wie wichtig ist die Kommunikation?

Der zukünftige OB muss wissen: Die Kommunikation wirkt nicht nur nach außen, sondern extrem nach innen. Einer, der außen sagt „Ich muss alles Ummodeln“, der suggeriert nach innen ins Rathaus: Hier ist alles schlecht. Ein Spiel mit dem Feuer und mit denen, die für dich die Kohlen eigentlich aus dem Feuer holen müssen. Im Zweifel gibt es von denen einen Tritt vors Schienbein.

Ich habe darunter auch gelitten, dass zum Beispiel Freudenstadt und der Landkreis Freudenstadt so eng beieinander sind, dass wir da nie richtig reingekommen sind. Wenn es Spitz auf Knopf geht, ist es immer Richtung Freudenstadt gegangen. Aber ich gebe nicht auf – bis zu meinem letzten Tag im Amt.