Winfried Asprion (parteilos) will Stadtoberhaupt von Horb werden. Foto: Jürgen Lück

Horbs OB-Kandidat hatte schon bei der Landtagswahl 2021 die CDU fast im ganzen Landkreis geschlagen. Winfried Asprion sagt, wie er Stadtoberhaupt werden will.

Winfried Asprion will OB von Horb werden. Der Schwarzwälder Bote fragte ihn: Winfried Asprion will OB von Horb werden. Der Schwarzwälder Bote fragte ihn:

 

Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Ich trete an, um zu gewinnen.

Was bringen Sie mit, um Horb voranzubringen?

Die Kreissparkasse Freudenstadt gehört dem Landkreis. Das ist öffentlicher Dienst, von daher kenne ich viele Abläufe einer Verwaltung. Ich bin ausgebildet als Führungskraft, hatte 80 bis 90 Mitarbeiter in der direkten Führung. Meine Philosophie: Es geht um klare Zielvorgaben. Kontrolle und eine klare Abweichungsanalyse. Das kann auch im Rathaus helfen.

Können sie das Rathaus „in den Griff“ bekommen?

Mein Stil war und ist immer: Miteinander reden. Argumentieren auf Augenhöhe. Und nicht in eine Schublade stecken. Wer andere niedermacht, hat keine Argumente. Das ist nicht mein Stil. Meine Einstellung: Es sind immer schlechte Zeiten. Immer ist es unpassend. Aber wenn man nie anfängt, Abläufe auf den Prüfstand zu stellen, kommt man nie ans Ziel.

Gilt das auch für den Gemeinderat?

Ja. Wir gehen so schweren Zeiten entgegen, dass wir uns Zwist in Horb nicht mehr leisten können. Als OB werde ich in jede Fraktion und Wählervereinigung gehen. Ich werde versuchen, einen regelmäßigen Kreis der Vorsitzenden oder Sprecher einzuberufen. Um wichtige Dinge vorzubesprechen, ehe es zerredet wird. Genauso möchte es mit den Ortschaftsräten halten.

Was bedeutet das für die Bürger?

Es wird nicht weniger, sondern mehr Bürgerinformation geben. Weil es eine Akzeptanz bei den Bürgern nur gibt, wenn wir reden und gerade stehen für unsere Entscheidungen. So wird es in jedem Ortsteil regelmäßige Bürgerinfo-Veranstaltungen geben mit Ortsvorsteher und Ortschaftsrat. Natürlich werden wir im Rahmen der dringend notwendigen Digitalisierung auch die Bürgerbeteiligung verbessern.

Sie waren Landtagskandidat der Grünen…

Als Landtagskandidat der Grünen im Landkreis habe ich alle Städte gewonnen – außer Baiersbronn. Katrin Schindele hatte 2000 Stimmen mehr als ich. Aufgrund des komplizierten Wahlrechts sind Kandidaten wie Uwe Hellstern und Timm Kern mit weniger Stimmen in den Landtag gekommen. Selbst in Horb habe ich die CDU zwar knapp, aber überflügelt.

Was haben Sie in diesem Wahlkampf gelernt?

Man muss mit den Leuten wirklich reden, um Probleme zu verstehen und einzuordnen. Ich will konkret sein. Präzise, dass sich der Wähler genau vorstellen kann, was ich meine. Ich halte meine Wahlversprechen.

Sie sind jetzt parteilos. Warum?

Ich bin ungefähr zum selben Zeitpunkt wie Boris Palmer bei den Grünen ausgetreten. Weil mir seine Aussagen, die fast zu seinem Parteiausschlussverfahren geführt haben, zum großen Teil zugesagt haben. Beispiel Abschaffung der Beigeordnetenstelle, die wir in einem Antrag mit der BiM gefordert haben. Boris Palmer hat eine Beigeordnetenstelle nicht besetzt, weil er auch Finanzen und Wirtschaft in Personalunion macht.

Ist Boris Palmer ihr Vorbild?

Als OB definitiv. Unabhängig von seinen Äußerungen zur Bundespolitik – er hat Tübingen als Stadt zukunftsfähig gemacht. Nicht nur tausende hoch qualifizierte Arbeitsplätze angesiedelt. Er geht strukturiert vor, kann moderieren. Die Verpflichtung zur Nahwärme beispielsweise wurde einstimmig über alle Fraktionen getroffen. In Horb kann ich mir so etwas derzeit nicht vorstellen. Aber das wäre mein Anspruch. Seine Person wirft auch die Frage auf: Hat die Politik die richtige Ansicht oder die Bevölkerung? Die steht hinter ihm – er hat offenbar alles richtig gemacht.

Ex-Direktor für Private Banking – spricht das für Wirtschaftskompetenz?

Ja, unbedingt. In diesem Bereich berät man sicherlich gut betuchte Kunden. Nach meinem Ausscheiden habe ich mich in diesem Bereich vor drei Jahren selbstständig gemacht. Anders als bei der Kreissparkasse geht es jetzt nicht nur um die Vermögensanlage in Immobilien, Aktien oder Anleihen, sondern auch um Sachanlagen.

Vor der Kommunalwahl haben Sie die CDU mit dem Flyer-Skandal provoziert…

Ich glaube, dass da noch ein gewisser Hass vorherrschen könnte. Allerdings: Ich war selbst 38 Jahre lang bei der Freiwilligen Feuerwehr in Dießen. Es hat sich deshalb bei meiner Beschwerde nie um die Person des Abteilungskommandanten Thomas Danninger gedreht. Die Freigabe des Flyers mit dem Foto von ihm in Uniform kam vom Rathaus. Obwohl der Erlass des Innenministeriums zur Neutralität auch dort seit zehn Jahren bekannt sein musste. Das war meiner Meinung nach eine Amtsverfehlung des Rathauses.

Könnte dieser Hass der CDU zu einem schmutzigen OB-Wahlkampf führen?

So, wie ich Michael Keßler und Sven Bach einschätze, werden Tiefschläge unterbleiben. Damit ist niemand gedient. Von meiner Seite aus wird es keinen schmutzigen Wahlkampf geben.