Auf Wahlsieger Roland Tralmer kommt Arbeit zu. Seine Frau Kristina Gabler weiß der künftige OB fest an seiner Seite – wie es mit den Gemeinderäten sein wird, wird sich zeigen. Foto: Eyrich

Das Jahr bis zur Kommunalwahl wird spannend: Zeigen die Unterstützer des unterlegenen Kandidaten Udo Hollauer so viel Größe wie der drittplatzierte Markus Ringle? Die Kolumnistin ist gespannt.

Roland Tralmer hat sich seinen Wahlsieg hart erarbeitet und ihn im Schweiße seines Angesichts verdient, war monatelang bei öffentlichen und nichtöffentlichen Gesprächen mit Bürgern, Vereinen, Vertretern der Bildungs- und der Wirtschaftslandschaft aktiv, hat das erste und umfangreichste Wahlprogramm aller Kandidaten vorgelegt, mit professionell gestalteten Plakaten, Info-Broschüren und Videos gepunktet. Kurzum: Er hat bewiesen, dass er Wahlkampf kann – und ist dafür belohnt worden.

 

Die Arbeit wird nicht weniger

Was ihm nun bevorsteht, ist nicht minder harte Arbeit, denn er muss Brücken bauen und Gräben zuschütten, die in nur anderthalb Wochen entstanden sind, aber trotzdem tief reichen – das hat der Wahlabend am Sonntag gezeigt, an dem der unterlegene Kandidat Udo Hollauer seinem Mitbewerber die Gratulation verwehrt hat. Dessen Anhänger haben ihn erst im Endspurt unterstützt und müssen sich daher fragen lassen, ob es ihnen um Hollauers Sieg ging, oder nur darum, aus parteitaktischen Gründen den des CDU-Fraktionsvorsitzenden zu verhindern. Sollte Letzteres der Fall sein, worauf mehrere Aussagen aus den Reihen der Freien Wähler und der SPD schließen lassen, steht der nächste spannende Wahlabend schon jetzt bevor: wenn 2024 der nächste Gemeinderat gewählt wird. Bis dahin haben die anderen Fraktionen im Gemeinderat Gelegenheit, zu zeigen, ob es ihnen um eine gute Zukunft der Stadt Albstadt geht. Beweisen können sie das, indem sie auf der Sachebene mit dem künftigen Chef der Stadtverwaltung zusammenarbeiten, anstatt Projekte im Gemeinderat zu blockieren.

Die Wahlprogramme zeigen es: Zusammenarbeit ist angesagt

Hier nämlich liegt der Hase im Pfeffer: Was die Inhalte ihrer Wahlprogramme angeht, waren Roland Tralmer, Udo Hollauer und der drittplatzierte Markus Ringle in vielen Punkten kaum ein Jota voneinander entfernt. Folglich liegt es nahe, dass alle Drei – zumal Hollauer als Erster und Baubürgermeister sowie Markus Ringle als Stadtrat Akteure der Albstädter Kommunalpolitik bleiben – zusammenarbeiten: im Sinne einer guten Zukunft der Stadt, die auch für Ringle seine Heimatstadt ist und für die sich Hollauer seit mehr als einer Dekade mit Herzblut und Einsatz über Gebühr engagiert.

Nun parteipolitische Ränkespiele zu betreiben, wäre deshalb umso schlimmer – und würde die Politikverdrossenheit der Albstädter, die sich in der lausigen Wahlbeteiligung spiegelt, vermutlich noch steigern.

Größe in der Niederlage: Markus Ringle macht es vor

Wie man in Wahlniederlagen Größe zeigt – das hat Markus Ringle vorgemacht. Dass seine Grünen-Fraktion vor der Neuwahl nicht mehr ihn unterstützt hat, sondern Hollauer, hat er gelassener genommen als sein Umfeld, hat noch am Wahlabend dem Sieger gratuliert und Zusammenarbeit angeboten. Trotz aller Parteigrenzen. Er hat erkannt, dass Feindbilder niemanden weiterbringen – zuallerletzt die Stadt selbst. Für Freie Wähler, SPD und den Rest der Grünen-Fraktion wird das Jahr bis zur Kommunalwahl die Nagelprobe.