So sehr wie vor dem zweiten Wahlgang der Oberbürgermeisterwahl hing wohl noch selten Albstadts Zukunft von einer einzigen Person ab.
Die Verantwortung, die Markus Ringle mit seinem Wahlergebnis von 20,39 Prozent der Stimmen nun zufällt, ist größer, als ihm am Sonntagabend bewusst gewesen sein dürfte.
Denn statistisch gesehen ist es im zweiten Wahlgang einer (Ober-)bürgermeisterwahl in den häufigsten Fällen der Zweitplatzierte, der das Rennen macht – und zwar dann, wenn jene ab Platz drei ihre Kandidatur zurückziehen. Anders war es übrigens 2015, als Amtsinhaber Jürgen Gneveckow im ersten Wahlgang einen Prozentpunkt vor Klaus Konzelmann lag, der damals nicht offiziell auf dem Wahlzettel stand. Der Drittplatzierte, Nähmaschinenhändler Reiner Stegmüller, zog seine Kandidatur damals nicht zurück, und trotzdem zog Konzelmann im zweiten Wahlgang – nun als offizieller Kandidat – mit 60,2 Prozent strammen Schrittes an beiden vorbei und holte den Sieg, während Gneveckow mit 38,3 Prozent die Wahl verlor und Stegmüller gerade noch 1,2 Prozent einheimste – OB hatte er ohnehin nie werden wollen und nur kandidiert, um einen zweiten Wahlgang herbeizuführen.
„Wie schreibt man Klaus Konzelmann?“
Das freilich war ein Sonderfall, schon aufgrund der Schwierigkeit, dass Konzelmanns Wähler ihn im ersten Wahlgang aktiv auf dem Wahlzettel eintragen mussten, und dann auch noch mit der richtigen Schreibweise. Kleine Anekdote von damals: Ein Wähler fragte im Wahllokal, wie man „Klaus Konzelmann“ denn jetzt schreibe – mit K oder mit C. Wahlhelfer dürfen – wenngleich sie Wahlhelfer heißen – den Wählern nicht helfen, also keine konkrete Antwort geben, weshalb ein Wahlhelfer nur rief: „‘K‘ein ‘K‘ommentar!“
Nun geht Klaus Konzelmann Ende Mai in den politischen Ruhestand, und wer sein Nachfolger wird, werden wir Albstädter erst am 19. März gegen 19 Uhr wissen – egal, wie Markus Ringle sich entscheiden wird. Denn im zweiten Wahlgang reicht die einfache Mehrheit der Stimmen.
Drei Unbekannte in der Rechnung
Wer davon die meisten bekommt, hängt eben von drei Unbekannten ab. Erstens: Tritt Ringle nochmals an? Zweitens: Falls nicht, wohin werden seine Wähler sich wenden? Drittens: Wird die Wahlbeteiligung von den mageren 34,72 Prozent – Klaus Konzelmann nannte sie zu Recht „beschämend“ für eine Stadt der Größe Albstadts und eine Entscheidung von solcher Tragweite an einer so wichtigen Weiche Richtung Zukunft – noch etwas steigen?
Wie immer es sei: Die 2,83 Prozent der Wähler, die Thomas Wenske am Sonntag unterstützt haben, werden am 19. März keinen Ausschlag geben, zumal Wenske im Rennen bleiben will. Alles hängt also nun von Markus Ringle ab, in dessen Haut wohl niemand stecken möchte. Er darf sich über sein achtbares Ergbnis von 20,39 Prozent trotz des dritten Platzes freuen, ebenso wie Udo Hollauer über seine 33,19 Prozent, denn er hatte die schwerste Bürde der höchsten Erwartungen zu tragen. Roland Tralmers Geburtstagsgeschenk zum 56. ist die Tatsache, dass er die Nase vorne hat – und als fleißigster Wahlkämpfer das Ende der Strapazen in Sicht.