OB-Kandidat Tore-Derek Pfeifer stellt sich am ersten Tag seines Wahlkampf-Urlaubs unseren Fragen. Foto: Michael Spotts

Tore-Derek Pfeifer ist seit 21 Jahren Bürgermeister von Glatten. Nun möchte er ins Freudenstädter Rathaus einziehen. Mit unserer Redaktion spricht der 53-jährige Oberbürgermeisterkandidat über seine Ziele.

Seit Montag nimmt Tore-Derek Pfeifer seinen Jahresurlaub, um sich auf den Wahlkampf in Freudenstadt konzentrieren zu können. Denn als Bürgermeister von Glatten ist er weiter seiner Gemeinde verpflichtet. Am ersten Tag seines Wahlkampf-Urlaubs nimmt er sich Zeit für das Gespräch mit unserer Redaktion.

 

Herr Pfeifer, wo sind Sie zurzeit öfter, in Glatten oder in Freudenstadt?

In Freudenstadt, also zumindest seit dem Wochenende.

Wie schwierig ist der Spagat zwischen Ihren Pflichten in Glatten und dem Wahlkampf in Freudenstadt?

Es war für mich die letzten Wochen schon sehr anstrengend, weil ich meine Dienstgeschäfte natürlich nicht vernachlässigt habe.

Sie treten als unabhängiger Kandidat an, werben auf Ihren Wahlplakaten mit dem Slogan „Garantiert unparteiisch“. Warum heben Sie das so hervor?

Das Oberbürgermeisteramt ist Teil der Exekutive, und diese muss die Vorgaben, die die Politik macht, kommunal umsetzen. Da ist es wichtig, dass man völlig unabhängig ist und sich nur der Stadt verpflichtet sieht.

Die anderen Kandidaten bezeichnen sich auch als unabhängig.

Meine Vita zeigt, dass ich tatsächlich parteilos bin und mich in 53 Jahren noch nie in einer Partei engagiert habe.

Es steht die Aussage im Raum, die Kandidaten würden sich als parteilos bezeichnen und werden am Ende doch von einer Partei unterstützt.

Die Freien Wähler, denen ich angehöre, haben mich als Wunschkandidaten benannt und unterstützen mich. Aber die Freien Wähler sind ja keine Partei und da lege ich als deren Fraktionsvorsitzender im Kreistag großen Wert darauf.

Was sind die Unterschiede?

Es gibt die Freien Wähler als Partei und es gibt die unabhängigen Wählervereinigungen, und zu denen gehören die Kreistags- und Stadtratsfraktion. Wir sind ausschließlich unserem eigenen Mandat gegenüber verpflichtet. Es gibt keinen Fraktionszwang.

Auf Ihrem anderen Wahlplakat bezeichnen Sie sich als „Die sichere Wahl“. Was meinen Sie damit?

Ich denke, dass ich aufgrund meiner jahrzehntelangen Tätigkeit im kommunalen Sektor von allen Bewerbern die meiste Berufserfahrung habe. Der zweite Grund ist: Man kennt mich und weiß, was ich in Glatten bewegt habe.

Man könnte es auch als ein „Weiter so“ verstehen.

Ich glaube, für ein „Weiter so“ sind der Amtsinhaber und ich zu wesensunterschiedlich.

Was unterscheidet Sie vom bisherigen Amtsinhaber?

Wie ist denn der bisherige Amtsinhaber?

Das frage ich Sie.

Das ist eine schwierige Frage, die ich mir noch gar nicht gestellt habe, weil der bisherige Amtsinhaber ja auch nicht mehr zur Wahl steht. Wenn ich die Frage damit beantworten darf, was mich auszeichnet: Ich bin sehr bürgernah. Es ist mir wichtig, die Themen im Team zu erörtern und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.

Sie sind der einzige Kandidat, der bislang ein Bürgermeisteramt bekleidet hat.

Und der einzige, der kommunalpolitische Erfahrung hat, das ist mir auch wichtig. Denn die Kommunalpolitik unterscheidet sich von der Landes- und Bundespolitik, das sind zwei paar Stiefel.

Wie wichtig ist Erfahrung in dem Amt?

Ich denke, generell sind Berufs- und Lebenserfahrung in einer Führungsposition sehr wichtig.

Wo sehen Sie die größten Baustellen in Freudenstadt?

Die Stärkung des Einzelhandels ist ein Thema, das mir oft aus der Bevölkerung zugetragen wird, aber mir geht es auch um die Stärkung des Gewerbestandorts an sich. Die Käufer suchen zwar noch die Beratung in den Geschäften, tätigen den Kauf dann aber online. Und das ist eine große Herausforderung für den Einzelhandel.

Wo wollen Sie ansetzen?

Es braucht eine einheitliche Marketing-Strategie. Mir wäre es wichtig, dass die Stadt sich mit einem Ansprechpartner präsentiert, für Themen wie Gastronomie, Hotellerie oder Einzelhandel. Man kann eine Einzelhandels- von einer Tourismusstrategie aus meiner Sicht nicht trennen. Das heißt im Klartext, für die Aufenthaltsqualität am Marktplatz, vor allem am oberen, gilt es, gezielte Strategien zu entwickeln.

An was denken Sie da?

Wir müssen uns Angebote überlegen, die die Menschen in die Innenstadt ziehen. Was haben wir bei schlechtem Wetter zu bieten? Die Experimenta und das Panoramabad. Da könnten wir uns deutlich besser aufstellen. Ich könnte mir vorstellen, dass man sich im Stadthaus Gedanken macht, vielleicht muss man sich auch für die Nachnutzung des Feuerwehrhauses Lösungen überlegen, zum Beispiel eine Markthalle.

Welchen Stellenwert hat ein Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz für Sie?

Also wenn man sich meine Mitkandidaten anhört, hat man den Eindruck, dass es nichts Wichtigeres gibt als den Weihnachtsmarkt. Aber auch der Weihnachtsmarkt ist nur saisonal. Es gilt, Konzepte zu entwickeln, die das ganze Jahr den Marktplatz attraktiv machen.

Das heißt, ein Weihnachtsmarkt ist für Sie kein Muss?

Der Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz ist für mich gesetzt. Die Stadt will ja auch schon bald eine Lösung präsentieren. Ich wünsche mir aber einen offenen Dialog. Das junge Team von Freudenstadt Tourismus nehme ich als kreativ wahr. Man sollte dem Team die Möglichkeit geben, sich auszuprobieren und neue Formate zu entwickeln.

Tore-Derek Pfeifer

Studium
Tore-Derek Pfeifer hat an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Ludwigsburg ein Studium mit Abschluss zum Diplom-Verwaltungswirt absolviert.

Beruf
Der 53-Jährige ist seit 2003 Bürgermeister von Glatten. Zuvor war er als Hauptamtsleiter in Neuenbürg (Enzkreis) tätig.