Wie neu: der Turm der Alten Friedhofskirche St. Peter und Paul. Foto: Eyrich

Wer ein altes Haus saniert, muss mit bösen Überraschungen rechnen – die Furcht davor hatte auch die Mitglieder des Nusp­linger Fördervereins Alte Friedhofskirche umgetrieben, als die Turmsanierung anstand. Die Angst war unnötig – die Überraschungen blieben aus.

Nusplingen - Die Schlussabrechnung der Sanierungskosten, welche die Gemeindeverwaltung nun publik gemacht hat, spricht eine deutliche Sprache: 141.203 Euro standen am Ende unterm Strich – veranschlagt hatte Architekt Daniel Hotz aus Straßberg 150.819 Euro, also 9616 Euro mehr.

Von den 141.203 Euro hat die Gemeinde 67.0000, die Denkmalstiftung 28.200 und das Land 21.330 finanziert; außerdem gingen während der Sanierung Spenden in Höhe von 7500 Euro ein – macht zusammen 124 030 Euro.

Die Zuschussanträge waren beinahe in voller Höhe bewilligt worden; das Denkmalamt hatte lediglich 1800 Euro, die Denkmalpflege 360 Euro abgeknapst. Am Förderverein bleiben am Ende 17 173 Euro hängen – immer noch eine Menge Geld, aber definitiv weniger als – siehe oben – befürchtet.

Einen guten Teil der Ersparnis darf sich der Förderverein als Verdienst anrechnen

Wobei sich der Förderverein einen guten Teil der Ersparnis als eigenes Verdienst zuschreiben darf: Der sanierte Turm war ausschließlich in ehrenamtlicher Eigenarbeit "heruntergeweißelt" worden; zuvor hatten die Mitglieder, die dabei Hand anlegten, sich vom Fachmann unterweisen lassen.

Vor allem die Farbzusammensetzung musste stimmen; der Aufbau der alten Farbschichten war zuvor genau analysiert worden, damit es nicht durch die Wahl der falschen Farbe zu Abplatzungen kommen konnte.

Natürlich war auch das Landesdenkmalamt mit im Boot – die Alte Friedhofskirche ist bekanntlich denkmalgeschützt.

Die Arbeitsgänge, die dem Weißeln vorausgingen, konnten freilich nicht in Eigenarbeit verrichtet werden; hier waren Profis und ihre Expertise gefragt. Der Turmaufsatz aus dem Jahr 1485 ist zwar jünger als die anderen Teile der Friedhofskirche – die ältesten stammen aus dem zwölften Jahrhundert – , aber sein Sichtfachwerk hatte unter den Witterungseinflüssen eines halben Jahrtausends stärker gelitten als das weiter unten liegende. Wie so oft bei alten Gebäuden gingen die Schäden teilweise auf unsachgemäße Reparaturen zurück.

Die Zimmerleute der ersten Stunde hatten, wie ihre Kollegen von der Firma Hummel aus Heiligenberg mit Respekt konstatierten, ihre Holznägel nicht waagerecht, sondern schräg nach unten platziert, damit eindringendes Wasser abfließen konnte.

Spätere Generationen von Zimmerleuten hatten nicht so sachgerecht gearbeitet

Spätere Zimmermannsgenerationen hatten nicht immer so sachgerecht gearbeitet; als Folge davon hatte sich Wasser gestaut, und das Holz war mit der Zeit verrottet. Einige der alten Eichenbalken mussten komplett ersetzt werden; aus anderen schnitten die Zimmerleute schadhafte Teile heraus und ersetzten sie durch neues Holz.

Dass die Sanierungskosten trotz eingehender Untersuchung durch den Bauhistoriker Stefan King eine Katze im Sack geblieben war, lag vor allem an Unwägbarkeiten bei der Sanierung der einzelnen Gefache: Wie stabil das Mauerwerk war, das konnte man vorher nicht wissen; im schlimmsten Fall hätten zahlreiche Gefache "ausgeräumt" und nachher vom Putzrestaurator der Tübinger Firma Widmann verfüllt werden müssen – eine mühselige Puzzlearbeit, denn das alte Gemäuer besteht nicht aus exakt behauenen Steinen, sondern aus Feldsteinen, von denen keiner dem anderen gleicht.

Der schlimmste Fall trat jedoch nicht ein – im Gegenteil, in den allermeisten Fällen konnte die Ausfachung an Ort und Stelle belassen werden. Was wohl am entscheidendsten dazu beitrug, dass sowohl Kosten als auch Sanierungsdauer im gesetzten Rahmen blieben.

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