Es läuft: Die Geschichte des SV Heidenstadt zeigt deutlich, dass man im Leben flexibel sein muss. So haben die Bättlblätz auf alle Fälle gut lachen. Das Bild aus vergangenen Tagen zeigt die Kicker des SV Heidenstadt in den 1990er Jahren. Foto: Schwarzwälder-Bote

Beim SV Heidenstadt treiben es die "Haiberger Blättlblätz" bunt und närrisch / Sport vermischt sich mit Kultur

Nusplingen-Heidenstadt. Fußball wird in Heidenstadt nur noch mit Freizeitcharakter gespielt; es gibt kein Team mehr in der Runde. Dennoch freuen sich die SVH-ler über ein reges Vereinsleben. Denn der Verein trägt den Zusatz "Sport und Kultur" – und das hat einen besonderen Grund.

 

Statt auf den Sportplätzen der Region trifft man die Vereinsmitglieder, jung und alt, jetzt bei Fasnetsumzügen und Narrentreffen. Grund dafür ist der "Haiberger Blättlblätz": jene Narrenfigur, der die Heidenstädter vor genau 20 Jahren ins Leben verholfen haben. Die Narretei ist heute ein solides Standbein des Sportvereins, was zeigt, dass es manchmal einfach nur einer guten Idee und etwas Flexibilität bedarf.

Denn die ungewöhnliche Symbiose aus Fasnet und Sport, darin sind sich die Verantwortlichen einig, war ein Glücksfall für den SVH – und für die Bewohner des gesamten Nusplinger Bergs. "Wir leben hier von einer funktionierenden Gemeinschaft", sagt Bättlblätz-Zunftmeister Thomas Schinacher, "die Narrengruppe war die Chance für uns alle".

Viele der heutigen Verantwortlichen haben einst für den SVH die Kickstiefel geschnürt. Wilfried Braun ist so ein SVH-Urgestein: seit vielen Jahren Schriftführer, Allround-Organisator, Moderator, gute Seele – und einst passionierter Trainer. Braun denkt bis heute gern an die schönen Fußball-Zeiten zurück. "Niemand meldet gern ein Team ab", sagt der Heidenstädter mit etwas Wehmut, "aber es ging einfach nicht mehr. Wir sind ja nicht die einzigen, die kämpfen mussten. Allerorten buhlen Vereine um immer weniger Kinder und Jugendliche."

Umso mehr erfüllt es ihn mit Stolz, dass der SVH in der hiesigen Fasnetslandschaft derart gut Fuß gefasst hat: "Das hätten vor 20 Jahren nicht einmal die größten Optimisten zu hoffen gewagt." Braun ist bis heute ein leidenschaftlicher Fußballfan – aber eben auch ein Vollblut-Fasneter. Von daher steht er gut für die Philosophie im Gesamtverein: "sowohl als auch" statt "entweder oder".

Denn die Sportfraktion im Verein ist nach wie vor rührig, auch ohne aktive Kicker. Egal ob bei den Wertstoff-Sammlungen, der Maibaum-Hockete oder einfach bei einer spontanen, samstäglichen Wanderung. Die Geschichte des SVH ähnelt der vieler anderer Sportvereine. Gegründet 1966 von einer Gruppe begeisterter Fußballspieler, nahm der Verein ordentlich Fahrt auf. Wie andernorts boomte in jener Zeit der Ballsport.

Die Sportler weihten bereits 1967 ihren ersten Sportplatz auf "Remelen" ein. Das Jahr 1987 markierte einen tiefen Einschnitt: Aufgrund des Spielermangels meldete der Verein seine aktive Mannschaft vom Spielbetrieb ab. Drei Jahre später kehrte der SVH zurück, übergab 1998 ein vergrößertes Sportgelände seiner Bestimmung und gründete 2001 eine SG mit dem SV Hartheim. Zwei Jahre später verabschiedeten sich die Kicker erneut aus dem Rundenspielbetrieb.

Das Vereinsleben funktionierte dennoch weiter – bis heute. Wie sagte es Vorsitzender Stefan Iwertowski bei der Hauptversammlung so schön? "Ich bin sehr stolz, ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein."