Längst keine ausschließlich badische Spezialität mehr: Links werden die Nusplinger Dubacknudeln geformt, rechts in heißem Fett ausgebacken.Fotos: Graf Foto: Schwarzwälder Bote

"Narrenschmaus to go": Nusplinger Narren servieren Gulaschsuppe und "Dubacknudla" / Rezept stammt aus dem Badischen

Auch der Nusplinger Narrenzunft Tannenburg macht Corona 2021 einen Strich durch die Rechnung. Doch die Narren lassen sich nicht unterkriegen: Mit einem "Narrenschmaus to go" brachten sie wenigstens ein kleines Stück Fasnet in die Nusp­linger Haushalte.

Nusplingen. Unter normalen Umständen würde jetzt in Nusplingen der Ausnahmezustand herrschen, doch an Rathaussturm, Narrenumzug, Saalfasnet und Verbrennung des Saukögels ist in diesem Jahr nicht einmal zu denken. Aber dem Virus ganz das Feld überlassen, das kam für die Verantwortlichen der Narrenzunft dann doch nicht in Frage: Auf Anregung der jüngeren Ausschussmitglieder beschlossen sie, die Nusplinger mit einem "Narrenschmaus to go" zu erfreuen und buchstäblich auf den närrischen Geschmack zu bringen. Und so wurden am Samstag in der Nusplinger Zunftstube die traditionellen Gerichte der Nusplinger Fasnet zubereitet, nämlich Narrensuppe und "Dubacknudla".

Zwangsläufig war auch diese Narrenspeisung stärker reglementiert als sonst. Im Interesse eines coronagerechten Ablaufs mussten die Gerichte im voraus bestellt werden, jedem Kunden wurde eine genaue Uhrzeit für die Abholung genannt, und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes war natürlich Pflicht. Die Narrensuppe – Zutaten sind Gulasch, Kartoffeln und allerlei Gemüse – wird normalerweise am "Schmotzige" in der Festhalle aufgetischt, als willkommene Stärkung, welche Hansele, Westerbergteufel und Musikanten brauchen, um bei so aufreibenden Aktivitäten wie der Absetzung des Bürgermeisters und dem Narrensamensäen bei Kräften zu bleiben.

Die "Dubacknudel" ist ein beliebtes Nusplinger Gebäck bei den Nusplingern, das sich von den gängigen Fasnetsküchle vor allem durch die Form unterscheidet. Der Teig ist weitgehend identisch; in Nusplingen wird er jedoch mit einem Teigschaber in Streifen respektive "Nudla" zerteilt, und die werden ausgerollt, zu Spiralen gedreht, in heißem Fett ausgebacken und zum guten Schluss in Zimt und Zucker gewendet. Die Backanleitung findet sich unter dem Titel "Emis Dubacknudeln" im "Kindergartenkochbuch", das zum Standardinventar eines Nusplinger Haushalts gehört. Emi Braun hat das Rezept aus dem badischen Bruchsal auf den Heuberg gebracht, wo die mittlerweile 82-Jährige von 1956 und 1959 in einer Bäckerei, die Verwandten gehörte, gearbeitet hatte. Indessen zählt es längst zum Nusplinger Kulturgut; der Kirchenchor, dem auch Emi Braun angehört, pflegt die "Dubacknudeln" seit vielen Jahren beim Straßenfest anzubieten. Zahlreiche Nachfragen haben sie bewogen, das Rezept im Kindergartenkochbuch zu verewigen, aber obwohl es nun jeder schwarz auf weiß haben kann, kommen immer noch regelmäßig begeisterte Dubacknudel-Gourmets zu ihr, um die Kunst des Dubacknudelbackens von der Expertin persönlich zu erlernen.

Auch die Bäcker in der Zunftstube hielten sich am Samstag peinlich genau an Emi Brauns schriftliche Anweisungen. Sie taten gut daran: Mit dem "Narrenschmaus to go" landeten sie einen vollen Erfolg. Die große Zahl der Bestellungen habe alle Erwartungen übertroffen, berichtete Zunftmeister Richard Braun: 150 Portionen Narrensuppe und über 600 Dubacknudeln seien verkauft worden. Corona hat es nicht verhindern können.

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