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Nusplingen Das Waldbild wird sich verändern

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Wolfgang Maier und Klaus Richert führten die Gemeinderäte durch den Nusplinger Gemeindewald. Fotos: Graf Foto: Schwarzwälder Bote

Gemeinsam mit Klaus Richert, dem Leiter der Forstamtsaußenstelle Albstadt, und Revierleiter Wolfgang Maier haben die Nusplinger Gemeinderäte und Bürgermeister Jörg Alisch den Gemeindewald genauer unter die Lupe genommen.

Nusplingen. Beim ersten Stopp des Waldbegangs, den der Nusplinger Gemeinderat vor seiner Beratung unternommen hat, informierten die Förster im Heckental darüber, dass einige Eschen entfernt worden sind. Grund dafür ist das Eschentriebsterben, das im gesamten Gemeindewald ein Problem ist.

Im Heckental diskutierten die Räte über die Anbringung einer Absperrung, da sich Felsbrocken gelöst haben. Der Fels, aus dem sich die Heckentalquelle den Hang hinunterschlängelt, sei weiterhin eine Gefahr.

Bei der Mariengrotte genossen die Gemeinderäte einen tollen Blick über Nusplingen. Kürzlich hatten die Förster dort dürre Fichten entfernt. In diesem Zuge betonte Richert, dass der Wald nicht nur eine "Holzfabrik" sei, bei der es ausschließlich ums Geld gehe. Auch die Landschaftspflege und der Schutz des Waldes seien wichtige Aufgaben der Förster.

In der Dietstaig erklärte Richert, dass der Nusplinger Wald durch Sturm, Schneebruch und Dürre einige Schäden davongetragen habe. Allerdings seien diese weniger gravierend als in anderen Regionen. Richert sieht die Klima-Extreme als Beweis für die fortschreitende Klima-Krise, die das Waldbild in den kommenden Jahrzehnten deutlich verändern werde. Aufgrund der steigenden Temperaturen würden künftig Nadelbaumarten wie Ahorn, Buche und Eiche es dominieren.

Derzeit nehme die Fichte noch einen großen Anteil im Gemeindewald ein. Ein trockener Boden sei aber nicht optimal für diese Baumart. Als langfristiges Ziel definierte Richert, weg von der Fichte hin zu den Laubbäumen zu kommen, sodass der Fichtenanteil dann nur noch bei 30 bis 40 Prozent liegen werde. Bisher gibt es nur wenige Douglasien im Gemeindewald. Doch genau auf diese Baumart soll in Zukunft verstärkt gesetzt werden: "Wir wollen eine breite Baumartenpalette erzielen. Die Mischung macht’s!", erklärte Richert.

Um dieses Ziel zu erreichen, wollen Maier und Richert aber in einigen Gebieten keine Bäume pflanzen, sondern auf Naturverjüngung setzen. Die Mischung stelle sich automatisch ein, die Natur könne selbst am besten auf den Klimawandel reagieren. Davon, dass die Natur derzeit eigenständig in Richtung Laubholz geht, konnten sich die Waldbegeher an mehreren Orten überzeugen. Dort, wo es jedoch nötig sei, Bäume anzupflanzen, werde auf klimaresistente Arten gesetzt. Kritische Fichtenbestände sollen schnell genutzt und zudem soll auf Kahlhiebe verzichtet werden, um eine Beschattung zu halten.

Auch wenn derzeit der Holzmarkt schlecht aussehe, ist das Laubholz laut Maier und Richert ein kleiner Lichtblick. Momentan besteht der Nusplinger Gemeindewald je zur Hälfte aus Nadel- und Laubwald. Auf dem Weg durch den Wald verdeutlichten die Förster das angestrebte Prinzip der Zielstärkennutzung anhand einer Buche, die momentan im Nutzungsbereich liegt. Ab einem bestimmten Alter gebe es bei dieser Baumart einen Wertverlust, weshalb es wichtig sei, sie derzeit verstärkt auf den Markt zu bringen.

Schneebruchschäden und Käferbefall bringen einiges durcheinander

In der anschließenden öffentlichen Gemeinderatssitzung zog Richert Bilanz über den Vollzug 2019 und stellte die Planung für 2021 vor. Im vergangenen Jahr haben enorme Schneebruchschäden sowie Käferbefall einiges durcheinandergebracht. 60 Prozent des Einschlages habe deshalb unplanmäßig stattgefunden, was hohe Kosten und wenig Einnahmen mit sich brachte. Revierleiter Maier habe sehr schnell reagiert und mehrere Einsparungen an anderen Stellen vorgenommen. Doch auch dadurch sei nicht mehr sonderlich viel zu retten gewesen.

Mit einem Minus von knapp 84 000 Euro habe das Jahr 2019 – nach acht guten Jahren – ein sehr schlechtes Ergebnis aus dem Gemeindewald Nusplingen gebracht. Für das Jahr 2021 bestehen laut Richert weiterhin große Unsicherheiten, die nur eine vorsichtige Planung und einen Sparhaushalt zulassen. Für eine rege Diskussion bei der Vorstellung des Plans für das Forstjahr 2021 sorgten die eingeplanten Ökopunkte. Richert schlug vor, Flächen, die für die Bewirtschaftung nicht interessant sind, als Bannwälder auszuweisen, wofür die Gemeinde Ökopunkte beim AuT-Konzept für die ausgewiesenen Flächen erhält. Diese Punkte kann sie entweder selbst zum Ausgleich im Gebiet des Baurechts nutzen oder an Firmen verkaufen, welche die Flächen ebenfalls zum Ausgleich nutzen können. Laut Richert birgt der Nusplinger Gemeindewald durch dieses Konzept ein Wertpotenzial in sich, das nicht zu unterschätzen sei. Im Haushalt für 2021 seien zunächst drei Hektar dafür vorgesehen, was Ökopunkten im Wert von etwa 80 000 Euro entspreche.

Die Gemeinderäte hatten zunächst einige Rückfragen, zeigten sich dann damit einig, im Frühjahr an die Sache heranzugehen. Insgesamt sieht der Haushaltsplan für das Forstjahr 2021 einen Gewinn in Höhe von 34 000 Euro vor. Laut Richert ist es möglich, diese Zahl trotz Unsicherheiten zu erreichen. Der Gemeinderat erteilte dem Betriebsplan seine einstimmige Zustimmung.

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