Nur spärlich besetzt war das Franziskaner-Konzerthaus in Villingen-Schwenningen beim letzten Konzert im Großen Zyklus.
Zu viele Hörer schreckte wohl das Programm mit Werken aus der Zeit von 1948 bis 2014 ab. Dabei waren die Werke von W. Lutoslawski (1913-1994), E. Schneider (geboren 1950), A. Sallinen (1935) und der Komponistin G. Bacewicz (1909-1969) allesamt gut hörbar. Jeder von ihnen versuchte auf seine Weise, eine eigene, zeitgemäße und moderne Tonsprache zu finden.
Mal klang diese an Bartok orientiert (Ouvertüre für Streicher von Lutoslawski), mal spielten spirituelle Inhalte und orientalische Mystik eine wichtige Rolle, bei Danses sacrées für Streicher und Cello von Schneider etwa, einem unglaublich vielseitigen Komponisten und Pädagogen.
Das einsätzige Konzertstück Chamber Music III für Streicher und Violincello von Sallinen erfreute durch witzige Zitate aus der Musikgeschichte, das Concerto für Streicher von Grazyna Bacewicz lehnte sich an das barocke Concerto Grosso an. Allen Kompositionen gemeinsam war die bildhafte, an Filmmusik gemahnende Tonsprache, die unmittelbar auf die Emotionen des Publikums abzielte.
Intensität lässt nie nach
So reichte die Ausdrucksbandbreite von geflüsterten Tönen, Kantilenen und interessanten Clustern bis zu prägnanten Rhythmen und tänzerischer Spielfreude.
Der fabelhafte Cellist László Fenyö mit seinem betörenden Klangspektrum, der makellosen Technik und dem einfühlsamen Spiel und das sehr differenziert spielende Polnische Kammerorchester Radom, dem geschichtsträchtigen Gründungsort, präsentierten jedes einzelne Werk des Abends voller Konzentration und Enthusiasmus.
Mit Jurek Dubal hatten sie einen hochmotivierten Dirigenten gefunden, der sie zu Höchstleistungen anspornte. Dieses spannungsgeladene Energiebündel mit seinen präzisen, teilweise recht unorthodoxen Bewegungen führte die Musiker mit nicht nachlassender Intensität durch das ganze Programm.
Virtuos bis ergreifend
Dieses hohe Spannungslevel war sehr beeindruckend, aber dann auch wieder etwas anstrengend. Es passte gut zu den modernen Werken und es initiierte das engagierte, genaue und virtuose Spiel des Ensembles. Für das abschließende Cellokonzert in C-Dur von J. Haydn war es jedoch zu überspannt.
Keinerlei Lieblichkeit blieb in den Ecksätzen, sie waren einfach nur abartig schnell – natürlich bewundernswert beherrscht und virtuos. Dagegen berührte der langsame Satz zutiefst, in dem sich Solist und Orchester an feinsten Pianissimo-Nuancen überboten. Zur Beruhigung nach diesem Temporausch, der das Publikum zu begeistertem Applaus veranlasste, spielte Fenyö als Zugabe schlicht und wirklich ergreifend eine Sarabande von Bach, nach der eigentlich niemand mehr klatschen wollte.