Die Stadt will das Wassernetzes erneuern. Durch den Bau wird der Verkehr jedoch so beeinträchtigt, dass eine neue Straße her soll. Kosten: insgesamt zehn Millionen Euro.
Die Mängelliste am Abwassersystem und der Trinkwasserversorgung der Stadt Mahlberg, die Michael Hölzle und Harald Steiner vom Ingenieurbüro Zink am Montag dem Gemeinderat einmal mehr auftischten, war zwar nicht neu, aber in ihrer Konsequenz nicht weniger bitter. Insbesondere die Erneuerung der Trinkwasserversorgungsleitung in Eisenbahn-, Unterburg- und Kirchstraße (Ortsdurchfahrt/Kreisstraße K5345) dulden keinen zeitlichen Aufschub mehr, so die Fachleute. Gleich mehrere Rohrbrüche seien in jüngerer Vergangenheit in der bestehenden Graugussleitung aus dem Jahr 1907 im Bereich Eisenbahnstraße/Kreuzweg aufgetreten und mussten repariert werden. Kostenpunkt pro Reparatur etwa 20 000 Euro, insgesamt bisher rund 120.000 Euro.
Das Alter der Trinkwasserversorgungsleitung lasse darüber hinaus erwarten, dass weitere Schäden an der Leitung folgen. Überdies sei geboten, um den Bereich hinreichend mit Löschwasser zu versorgen, den Durchmesser der Leitungen auf der ganzen Strecke vom Kreuzweg bis in etwa auf Höhe der katholischen Kirche zu vergrößern.
Sanierung wird „enorme Verkehrsbehinderungen“ verursachen
Darüber hinaus stehe die Aufdimensioinierung des Regenwasserkanals an, um bei Hochwasser die Wassermengen auch abfließen lassen zu können. Schließlich sei auch der Abwasserkanal in einem maroden Zustand. Sei die Sanierung des Abwassernetzes derweil im sogenannten Inlinerverfahren möglich, müsse bei der Erneuerung von Trinkwasserleitung wie auch bei der Aufdimensionierung des Regenwasserkanals in offener Bauweise gearbeitet werden. Das heißt: Die Straße wird komplett aufgerissen.
Gerade von Letzterem gehe eine enorme Verkehrsbehinderung aus, das hätten die Arbeiten am bereits vollendeten Abschnitt zwischen Seeweg und Kreuzweg gezeigt, so Bürgermeister Dietmar Benz. Um die Belastung für die Anwohner und für den fließenden Verkehr bei Wiederaufnahme der Arbeiten einzudämmen, plant die Stadt eine sogenannte Ortsumfahrung über die Industriestraße, Kreuzweg und Schmiedeweg zu bauen. Erst wenn diese Straße – aktuell läuft das Planfeststellungsverfahren – für kalkulierte drei Millionen Euro gebaut ist, soll die Sanierung am Abwassernetz und die Erneuerung der Trinkwasserleitung in drei Bauabschnitten vom Kreuzweg bis zur katholischen Kirche wieder aufgenommen werden, so Bürgermeister Benz.
Stadt muss Kosten zum Teil selbst stemmen
Nach den aktuellen Kostenschätzung würde für das Gesamtprojekt, also für Kanalsanierung, neuer Trinkwasserleitung und Bau der Ortsumfahrung Kosten in Höhe von rund zehn Millionen Euro entstehen. Kosten, die die Stadt zum überwiegenden Teil selbst tragen muss. Denn der Landkreis – Kostenträger für den Straßenbau auf der K 5345 – muss lediglich für die Aufbringung einer neuen Asphaltdecke aufkommen. „Das Projekt wird auf Jahre hinaus Finanzmittel der Stadt binden“, hielt der Rathauschef fest. Für wenig praktikabel hielt das Gremium Überlegungen, zunächst nur die Trinkwasserleitungen zu erneuern, was in der Dringlichkeit an erster Stelle stehe. Das Büro Zink errechnete hierfür Kosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro auf der Gesamtlänge von 700 Metern. „Ein paar Jahre später reißen wir dann die Straße wieder auf, um die Kanalisation zu sanieren. Das macht keinen Sinn“, erklärte Stadtrat Bernd Dosch (CDU). Das Gremium war sich letztlich einig, Abwassersanierung und Trinkwasserleitung als Gesamtpaket zu realisieren und die Bauabschnitte nach Fertigstellung der Ortsumfahrung und nach Haushaltslage sukzessive anzugehen.
Info – Auch Ringsheim muss ins Trinkwassernetz investieren
Nicht nur in Mahlberg müssen Wasserkanäle saniert werden, auch in Ringsheim besteht Handlungsbedarf. „Wir kommen nicht drum herum“, erklärte Ringsheims Bauamtsleiter Nico Karschewski am Dienstag dem Gemeinderat. Er meinte damit die Sanierung der Trinkwasserleitungen in der Denkmalstraße. Diese sollte ursprünglich nur eine neue Asphaltdecke erhalten, das Wasserwerk Ettenheim machte jedoch auf Kanal-Mängel aufmerksam, die im Zuge der Straßensanierung „dringend“ behoben werden sollten. „Alte raus, neue rein“, erklärte Karschewski kurz und knapp. Glück im Unglück: Im Gegensatz zum Trinkwassernetz können die Abwasserkanäle befahren und auf Schäden untersucht werden – und das wurde auch getan. „Das Ergebnis war besser als erwartet“, so der Bauamtsleiter. Demnach müsse man nur an ein bis zwei Stellen nachbessern. Kosten soll das Ganze 330 000 Euro, die Gemeinde rechnet jedoch mit einem Zuschuss von 187 500 Euro. „Das ist eine Investition für die nächsten 30 bis 40 Jahre“, erklärte Bürgermeister Pascal Weber. Saniert werden die Leitungen bis zu den jeweiligen Grundstücksgrenzen. „Sollten Eigentümer eine neue Leitung bis in den Keller wollen, müssen sie die Arbeiten auf ihrem Grundstück selber bezahlen“, so Karschewski. Der Baubeginn ist im März geplant, vor August soll das Ganze fertig sein. „Ehrgeizig, aber realistisch“, so Weber.