Diana Motzkus ist Ernährungsberaterin und bietet regelmäßig Heilfastenwochen an. Foto: Dimafit

Ramadan und die christliche Fastenzeit fallen dieses Jahr in dieselbe Zeitspanne. Was passiert eigentlich im Körper beim Fasten? Wann wird es ungesund? Im Gespräch mit einer Ernährungsberaterin. 

Diana Motzkus ist zertifizierte Ernährungsberaterin und Gründerin der Ernährungspraxis „Dimafit“ (Diana macht fit) mit Standorten in Frittlingen und Winterlingen. Die 59-Jährige unterstützt Menschen auf ihrem Weg in ein gesünderes Leben, unter anderem mit Heilfasten.

 

Warum ist Heilfasten gut für den Körper?

Fasten kann ein Türöffner sein, seine Essens- und Lebensgewohnheiten zu überdenken und zu ändern. Es wirkt präventiv und therapeutisch.

Beim Fasten werden Schadstoffe und Säuren über Niere, Leber, Haut und Lunge ausgeschieden. Es beugt der Entstehung vieler Krankheiten vor und mildert und heilt bestehende Symptome. Fettpolster im Bauchraum werden abgebaut, der Körper wird entwässert, der Blutdruck geht runter, das Immunsystem wird gestärkt und Selbstheilungskräfte werden aktiviert.

Außerdem sorgt es für einen Anti-Aging-Effekt, die sogenannte Autophagie. Wenn wir 16 Stunden fasten, fängt der Körper an, Zellen zu recyceln und neue Zellen zu bilden, wie eine Müllabfuhr.

Und: Fasten verzögert die Verkürzung der sogenannten Telomere, das sind die Endabschnitte von Chromosomen. Je älter wir werden, desto kürzer werden diese Abschnitte – je kürzer die Abschnitte, desto schlechter die Zellerneuerung.

Was genau passiert im Körper?

Ich biete modifiziertes Heilfasten nach Doktor Buchinger an. Das Heilfasten beginnt mit einem Entlastungstag, dann folgt eine Darmreinigung. Dann kommt die eigentliche Heilfastenphase von 6 Tagen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dürfen maximal 500 Kalorien am Tag aufnehmen, in Form von Gemüsebrühe und Säften. Zusätzlich sollen sie kohlensäurefreies Wasser und ungesüßten Kräutertee trinken, ungefähr drei Liter am Tag.

Nach spätestens 48 Stunden des Fastens ist der Glykogenspeicher leer. Dann rutscht der Körper in den Hungerstoffwechsel. Er wechselt von der äußeren Ernährung zur inneren Ernährung, auch ‚Metabolic Switch‘ genannt. Der Körper fängt an, Ketonkörper aus dem Körperfett zu produzieren, als Alternative zum Zucker.

Nimmt man beim Heilfasten auch ab?

Abnehmen steht dabei überhaupt nicht im Fokus, das ist zweitrangig. Frauen verlieren innerhalb von sechs Fastentagen etwa drei bis vier Kilo, Männer bis zu fünf Kilo. Die Hälfte davon ist Wasser. Wenn die Personen nach dem Fasten anfangen, zu essen und zu salzen, steigt das Gewicht wieder an.

Wer sollte nicht Heilfasten?

Kinder und schwangere und stillende Frauen. Außerdem Menschen mit starkem Untergewicht, Essstörungen, schweren Depressionen und nach Operationen und längeren, schweren Erkrankungen.

Welche Rolle spielt der mentale Zustand beim Fasten?

Wenn Sie draußen in der Natur fasten, ist das wie ein Trichter, der aufgeht. Man ist bereit, Veränderungen zuzulassen. Nicht nur Essensgewohnheiten werden überdacht, auch Lebensziele werden klarer.

Bei manchen Menschen kommen Themen hoch, die sie bisher verdrängt haben, das kann auch anstrengend sein. Wichtig ist, richtig abzuschalten und den Geist zur Ruhe zu bringen.

Ich sage zu meinen Kursteilnehmern immer: Das ist hundertprozentiges Resilienztraining. Ihr verlasst eure Komfortzone.

Ist man nicht komplett entkräftet in dieser Zeit?

Ich bin sogar leistungsfähiger, wenn ich faste. Ich bin dann auch schon 15 Kilometer gewandert. Manche sagen auch, sie können sich beim Fasten besser konzentrieren.

Was gehört noch zum Heilfasten dazu?

Bewegung ist unverzichtbar, da so Kreislauf und Herz in Schwung gehalten werden. Durch gezielte Atemübungen kann die Entgiftungsleistung der Lunge verbessert werden.

Ich gehe mit meinen Gruppen deswegen täglich ins Freie, bei Wind und Wetter. Wir gehen spazieren, machen Wassertreten in den Bachläufen, Bewegungs- und Achtsamkeitsübungen und Waldbaden-Elemente.

Bis kurz vor Ende der Fastenwoche vermeide ich es, von Essen zu reden. Dann sind andere Themen dran, wie Achtsamkeit, Resilienz, innerer Fokus. In den letzten zwei Tagen sprechen wir über Aufbaukost nach dem Fasten und darmfreundliche Ernährung.

Was gibt es noch, neben dem Heilfasten?

Dr. Buchinger ist die bekannteste Fastenmethode. Es gibt aber noch mehr, etwa Wasserfasten, F.X. Mayr-Kur Milchsemmelfasten und Scheinfasten.

Wie häufig sollte gefastet werden?

Ich empfehle, zweimal im Jahr für fünf bis sechs Tage zu fasten. Ich habe aber auch Rheumapatienten unter den Teilnehmern, die fasten alle drei Monate, weil die Schmerzen dann weniger werden.

Was nehmen die Teilnehmer aus der Fastenwoche mit?

Die meisten fühlen sich vitaler, klarer und fitter. Jemand, der zehn Kilo zu viel hatte, fühlt sich nach der Fastenzeit mit weniger Kilos leichter.

Und das Selbstbewusstsein ist gestärkt, weil die Teilnehmer sich bewiesen haben: Ich bin selbstwirksam, ich habe die Fastenzeit durchgezogen.