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NSU-Prozess Neue Fragen im Fall Kiesewetter

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Ein Mitglied der humanistischen Union übermalt am 12. März in München während einer Demonstration gegen den Verfassungsschutz ein Fahndungsbild von Beate Zschäpe. Foto: dpa

Nach Recherchen der „Thüringer Allgemeinen“ und der „Stuttgarter Nachrichten“ rückten 2006 ein Dutzend Bereitschaftspolizisten nach Oberweißbacher zur Thüringer Wald Kirmes. Angeführt wurden die Ordnungshüter von einer Oberweißbacherin: Michèle Kiesewetter. Die 2007 in Heilbronn ermordete Polizeimeisterin hatte offenbar die Kollegen ihrer Einheit zur Party in ihr Heimatstädtchen geladen.

München - Jeden Oktober lassen es die Oberweißbacher so richtig krachen. Vom zweiten Samstag an feiern die Menschen im Thüringer Wald Kirmes. So legendär, dass sogar Gäste aus Baden-Württemberg anreisen. Nach Recherchen der „Thüringer Allgemeinen“ und unserer Zeitung rückten 2006 ein Dutzend Bereitschaftspolizisten der Böblinger Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) 523 in die 1800-Einwohner-Stadt. Angeführt wurden die Ordnungshüter von einer Oberweißbacherin: Michèle Kiesewetter. Die 2007 in Heilbronn ermordete Polizeimeisterin hatte offenbar die Kollegen ihrer Einheit zur Party in ihr Heimatstädtchen geladen. Das geht aus Vernehmungsunterlagen hervor, die bei Befragungen von Schutzleuten der BFE 523 entstanden. Im Juni 2011 schilderte eine Kollegin Kiesewetters bei einer Befragung des Landeskriminalamtes (LKA) den Besuch in Thüringen.

Die Polizistin übernachtete nach der Aussage mit einem Kollegen bei der Mutter Kiesewetters. Ihre mitgereisten Kollegen waren im Clubheim des Oberweißbacher Kirmesvereins untergebracht. Und der Einheitsführer der BFE 523, erinnerte sich die aussagende Polizistin, schlief „in einer Pension“.

Nach Angaben des Fremdenverkehrsvereins in Rudolstadt gibt es davon sieben in Oberweißbach. Eine von ihnen: Die Pension Zur Bergbahn in Oberweißbach-Lichtenhain. Die Gästeunterkunft wurde vom Schwager des im Münchener Verfahren gegen den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) angeklagten Ralf Wohlleben betrieben. Sie gilt als Treffpunkt für die rechtsextreme Szene im Westen Thüringens – auch für den Thüringer Heimatschutz. In dem radikalisierten sich Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Dem NSU wirft die Bundesanwaltschaft vor, Kiesewetter erschossen zu haben und neun weitere Morde begangen zu haben.

Bei der Vernehmung der Kollegin Kiesewetters im Juni 2011 hakte die LKA-Ermittlerin jedoch nicht nach, wann genau die Böblinger Polizisten die Kirmes besuchten, oder fragte nach dem Namen der Pension, in der der Einheitsführer übernachtete. Die Informationen der BFE-Polizistin wurden spätestens dann spannend, als im November 2011 in Eisenach Böhnhardt und Mundlos mutmaßlich sich selbst erschossen und so den NSU enttarnten. Seitdem ist gerade die interessante Frage, in welcher Pension Kiesewetters Einheitsführer nächtigte, unbeantwortet. Zschäpe steht derzeit in München vor Gericht.

Die meisten Abgeordneten des Landtages in Stuttgart hatten im Februar entschieden, keine offenen Fragen im Zusammenhang mit dem Polizistenmord von Heilbronn mehr zu haben.

 
 

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